Ein Mekka für Anleger

17. September 2007, 00:01
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Nach China und Afrika entdecken Investoren einen weiteren schwarzen Fleck für sich: Arabien erlebt einen Wirtschafts­aufschwung gigantischen Ausmaßes

Künstliche Inseln, ein mit Swarowski-Kristallen überzogener Platz, ein Hochhaus, das sich um die eigene Achse dreht? Die Golfstaaten wachsen in Superlativen. Hier entstehen derzeit die höchsten Wohnhäuser und die luxuriösesten Hotels der Welt. Die Investoren überbieten sich gegenseitig mit Rekorden. In nur wenigen Jahren durchlaufen die Golfstaaten ein industrielles und strukturelles Wachstum, für das die westlichen Industrieländer mehrere Generationen benötigten und gehören heute zu den interessantesten Wirtschaftsregionen weltweit.

Die Liquidität für die gigantischen Investitionsprogramme ist aufgrund der hohen Ölvorkommen verfügbar. 60 Prozent der globalen Reserven finden sich hier. Doch die Golfstaaten bereiten sich zielsicher auf ein Leben nach dem schwarzen Gold vor: So wird der wirtschaftliche Aufschwung durch nachhaltige Reformen in Administration und Wirtschaft flankiert. Monopole werden aufgebrochen, Staatsunternehmen privatisiert und Regulierungssysteme modernisiert. Um einen einheitlichen Wirtschaftsraum nach Vorbild der EU zu schaffen, wurde der Golf-Kooperationsrat "Gulf Cooperation Council" (GCC) gegründet. Er umfasst Saudi Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate (V.A.E.) und den Oman. Bis 2009 soll in diesen sechs Ländern eine gemeinsame Währung eingeführt werden. So zumindest der Plan (Einigung gibt es bislang keine).

Die Wüste lebt

Nicht überraschend also, dass die neue Offenheit eine ganze Finanz-Karawane anzieht. Auch Privatanleger können an der Aufbruchstimmung profitieren. Der Meridio ArabWorld Fonds (WKN A0LBQE, ISIN LU0269579586) ist der erste europäische Aktienfonds, der ausschließlich in arabische Länder investiert mit Konzentration auf die Staaten des GCC. Seit Mitte Juli ist der Fonds auch in Österreich zugelassen. Den größten Anteil haben derzeit Werte aus den V.A.E (38,1 Prozent). Ägypten (28,0 Prozent) und Katar (knapp zwölf Prozent). Daneben sind auch der Libanon und Jordanien vertreten. Gewinnchancen liegen vor allem in der Finanzindustrie, am Immobilen,- Banken und Bausektor, glaubt Uwe Zimmer, Meridio- Vorstandsvorsitzender.

Dass die arabischen Börsen nach exorbitanten Gewinnen in den Jahren davor 2006 eingebrochen sind, hält Zimmer für ein gutes Omen: "Die Entwicklung an den Börsen spielte uns regelrecht in die Hand. Just nach dem Absturz bei Einsetzen der Konsolidierungsphase kam unser Fonds im März 2007 auf den Markt. Heute bieten die Märkte ein attraktives Einstiegsniveau mit Potenzial nach oben." Goldene Zeiten also für den Fonds: "Mich würde eine zweistellige prozentuale Steigerung im Jahr nicht wundern", so Zimmer.

In dem schmalen Portfolio des Fonds liegen unter anderem die Arab Bank als größte Position (10,34 Prozent), der Investment-Banker und Broker EFG-Hermes (8,88 Prozent) und der Immobilien-Entwickler Emaar-Properties (4,22 Prozent). Nach dem Absturz der Börsen setzt der Fonds auf Blue Chips, die am stärksten vom Wirtschaftswachstum begünstigt werden und mindestens fünf Milliarden Euro Marktwert haben. Derzeit wiegt der Fonds etwa 17 Millionen US-Dollar.

Das Management-Honorar liegt bei 1,5 Prozent und die Performance-Gebühr bei 15 Prozent, allerdings nur, wenn es der Manager regelmäßig schafft, neue Höchstmarken (High Water Mark) zu erreichen.

Vom europäischen Schreibtisch aus, lassen sich die arabischen Märkte nicht erschließen. Fondsmanager Rashad Khourshid ist seit 28 Jahren in den dortigen Märkten tätig und betreut den Meridio ArabWorld Fonds von Beirut aus. Zimmer selbst ist seit den 1980er in der Golfregion aktiv, lernt einen der Söhne des Emirs von Kuwait kennen und betreut seit dieser Zeit unter anderem arabische Investoren bei ihren Investments in Europa. Der Umkehrschluss, europäischen Anlegern Geldanlagen in Arabien zu ermöglichen, ist somit nur eine Frage der Zeit.

"Bedingtes Risiko"

Geopolitische Konflikte vor der Haustür des GCC stellen laut Zimmer nur ein bedingtes Risiko dar: "Trotz der Konflikte der vergangenen Jahren wächst die Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds oder die Crédit Suisse prognostizieren ein Wachstum von jährlich sechs Prozent, die Unternehmensgewinne steigen sogar um zwanzig Prozent."

Das langfristige Potenzial des Meridio ArabWorld ist zweifelsohne gegeben. Dennoch sollten Anleger mit wirtschaftlichen (Aktienkurs-, Währungs-, Bonitäts- sowie Zinsänderungsrisiken) und politischen Risiken umgehen können, die mit dieser Region verbunden sind. Der Factsheet selbst reiht den Fonds in die höchste der sechs Risikoklassen ein. Interessierte Anleger sollten darüber hinaus einen Investment-Horizont von fünf Jahren mitbringen. (Sigrid Schamall)

Zur Person
Uwe Zimmer (46) ist Gründungsmitglied der Meridio Vermögensverwaltung AG, Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär

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Meridio ArabWorld
  • In Dubai City befindet sich teuerste Hotel der Welt: Der Burj al Arab, weltweit das einzige Hotel mit sieben Sternen.
    foto: meridio arabworld

    In Dubai City befindet sich teuerste Hotel der Welt: Der Burj al Arab, weltweit das einzige Hotel mit sieben Sternen.

  • Der Grund, warum Dubai so ambitioniert an seiner Positionierung als Arabiens Wirtschaftsmekka arbeitet, liegt an den langsam versiegenden Ölquellen.
    foto: meridio arabworld

    Der Grund, warum Dubai so ambitioniert an seiner Positionierung als Arabiens Wirtschaftsmekka arbeitet, liegt an den langsam versiegenden Ölquellen.

  • Dubai erlebt einen beispiellosen Bauboom. Im vergangenen Jahr war das Emirat prozentual die am schnellsten wachsende Stadt der Welt.
    foto: meridio arabworld

    Dubai erlebt einen beispiellosen Bauboom. Im vergangenen Jahr war das Emirat prozentual die am schnellsten wachsende Stadt der Welt.

  • Meridio Vorstandsvorsitzender Zimmer ist seit den 1980er Jahren in der Golfregion aktiv.
    foto: meridio arabworld

    Meridio Vorstandsvorsitzender Zimmer ist seit den 1980er Jahren in der Golfregion aktiv.

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