Die Poschin und ihr Luxusproblem

7. April 2008, 16:16
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Die Bürgermeisterin von Hirm im Nordburgenland kämpft mit dem Problem "Halbe-halbe" - aber in der Luxusvariante

Hirm - Inge Posch hat, wie man so sagt, ein Luxusproblem. Die Bürgermeisterin des nordburgenländischen Hirm ist, zusätzlich zu ihrem Nebenberuf als Landtagsabgeordnete, auch und vor allem Vorsitzende der SPÖ-Frauen im Bezirk Mattersburg. Und in dem herrscht, seit Jahr und Tag sozusagen, die Weiberwirtschaft. Vier der insgesamt sieben burgenländischen Bürgermeisterinnen amtieren in diesem Bezirk. Und zwar "nur vier", weil sich die Pöttschinger Bürgermeisterin, Irene Izmeni, zurückgezogen hat.

Inge Posch, die Chefin, kämpft dennoch mit dem altbekannten Halbe-halbe-Problem, wenn auch eben in der Luxusvariante. Als Hirmer Ortschefin hat sie den Vorwahlmodus so geändert, dass in Hirm auch Männer eine reelle Chance haben. "Wir hätten sicher ein Übergewicht an Frauen gehabt." Das aber wollte sie nicht, weil sie sagt: "Mir sind die Mannsbilder wichtig." Und zwar in genau dem Verhältnis, das der Wirklichkeit entspricht, also: "Halbe-halbe".

Wer die Poschin - so wird sie genannt in Hirm und weit über Hirm hinaus - trifft, wird bald merken, dass sie nicht nur eine Bürgermeisterin ist, sondern, quasi, auch ein Bürgermeister. Selbst der FPÖ-Gemeinderat fühlt sich geehrt, wenn sie sich zu ihm an die Budel stellt auf ein Seidl im wunderschönen Gasthaus Wiesinger. "Ich hab kein Problem damit, ich gehe gern ins Wirtshaus." Gemeinderatswahlen, so wie die bevorstehende am 7. Oktober, werden, das weiß sie, genau dort entschieden. Aber eben nicht nur oder sogar immer weniger. "Ich kenn Kolleginnen, die das nicht tun, und es schadet ihnen nicht."

Warum das gerade im Mattersburger Bezirk so ist, ist der Poschin kein Rätsel. "Die Pöpperl Anni aus Stöttera war Landesrätin", insgesamt eine "G'standene" und also "Vorkämpferin". Genau so eine ist die Poschin auch. Zum Leidwesen so mancher Männer, in Sonderheit solcher, die sich "sozialistisch" nennen, denn da kann sie ziemlich rabiat werden, auch parteiübergreifend, wie ihr "Njet" zum ursprünglich geplanten, sehr fremdenfeindlichen Bleiberecht im Landtag eindrücklich belegt.

"Ich hasse Klischees"

Insgesamt möchte sie der Weiberwirtschaft keineswegs das Wort reden. Ja, wenn man den Hinweis wagt, die Kommunalpolitik werde beherrscht von klassischen Frauenthemen - Kindergarten, Schule, Pflege -, dann müsste man sich was anhören wie der FPÖ-Gemeinderat an der Budel. "Ich hasse Klischees", sagt sie dann. Andererseits sagt sie schon: "Was wir Frauen vor allem gelernt haben, ist Zuhören." Vom Elternverein angefangen habe man immer nur offene Ohren gehabt. Und auch, wenn bei der Poschin der Mund nie ganz zugeht, so lässt sich doch sagen, dass das eine der herausragenden Eigenschaften ist, die eine Bürgermeisterin von einem Bürgermeister unterscheidet. Sie selbst sagt: "Da kenn ich mich nicht aus, also frag ich." Und erlebt dann, was alle erleben: Der, der antworten soll, kennt sich auch nicht aus.

Und dann sagt die Poschin etwas, das so bemerkenswert ist, dass es hier hingeschrieben gehört: "Wenn ich ein Gesetz für blöd halte, dann muss ich dazuschauen, es zu ändern." Mag schon sein, so was kann nur eine Frau sagen. Weil eine Frau, "Tschuldigung", halt Ohren hat. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Print, 15./16.9.2007)

  • Inge Posch ist eine der sieben Bürgermeisterinnen im Burgenland. Doch der Weiberwirtschaft möchte sie nicht das Wort reden.
    foto: erich janszo
    Inge Posch ist eine der sieben Bürgermeisterinnen im Burgenland. Doch der Weiberwirtschaft möchte sie nicht das Wort reden.
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