Sprecher der Muslimischen Jugend im Interview: "Geht um Kids von der Straße"

28. September 2007, 15:11
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Man habe das Gespräch mit den Verdächtigen gesucht, aber ihre Abwehrhaltung nicht mehr durchdringen können, erzählt Alexander Osman von der Muslimischen Jugend

STANDARD: Herr Osman, erstmals stehen in Österreich junge Muslime unter Terrorverdacht. Ein Schock für Sie?

Osman: Nein, ehrlich gesagt war es nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert. Der Verfassungsschutz wusste ja Bescheid, dass es solche radikalen Strömungen gibt. Wir dürfen nicht vergessen, dass neben einem Radikalen 10.000 anständige junge Musliminnen hier leben.

STANDARD: Sie sind Vorsitzender der Muslimischen Jugend Österreichs, können Sie nicht mehr Angebote machen?

Osman: Wir bemühen uns, aber es stehen nur begrenzte Mittel zur Verfügung. Wir organisieren Reisen, Sportveranstaltungen und andere soziale Kontakte. Der Grundgedanke ist, eine österreichisch-islamische Identität zu schaffen. Also Partizipation als Bürger auf allen Ebenen, aber ohne den eigenen islamischen Hintergrund zu verleugnen.

STANDARD: Und wie viele Jugendliche erreichen Sie damit?

Osman: Wir haben 3000 zahlende Mitglieder, sind aber viel breiter vertreten. Im vergangenen Jahr hatten wir mit ungefähr 12.000 Jugendlichen Erstkontakte. Es geht vor allem darum, mit denjenigen Kids von der Straße zu sprechen und ihnen ein Angebot zu machen, die arbeitslos sind und keine Perspektive haben. Die sehen sich in einer Opferrolle.

STANDARD: Einer der Festgenommenen war für seine radikalen Ansichten bereits bekannt. Im September des Vorjahres hat er beim Zehnjahresjubiläum Ihrer Organisation dubiose Flugblätter verteilt. Hätte man da nicht schon auch von Seiten der Islamischen Gemeinschaft gegensteuern und mehr auf ihn zugehen müssen?

Osman: Von Seiten der Glaubensgemeinschaft gab es Bemühungen. Letztendlich waren sie aber ein Fall für die Sicherheitsbehörden.

STANDARD: Es entsteht manchmal der Eindruck, dass versucht wird, von Seiten der offiziellen Vertretung das Problem des Fundamentalismus zu ignorieren oder kleinzureden. Osman: Aber mit Menschen, die eine derart polarisierte Weltsicht vertreten, ist ein Gespräch generell schwierig.

STANDARD: Wie bei Rechtsextremisten?

Osman: Ja, die sind in Wahrheit vergleichbar. Wenn jemand Antisemit ist und Verschwörungstheorien vertritt, wird man ihn nicht überzeugen können. Der hat dann so viele Abwehrmechanismen, mit denen er sein Weltbild schützt und geht davon aus, dass alle Andersdenkenden Teil der Verschwörung sind. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.9.2007)

Am kommenden Montag ist Alexander Osman von 13 bis 14 Uhr im derStandard.at-Chat zu Gast

  • Alexander Osman von der Muslimischen Jugend
    foto: privat

    Alexander Osman von der Muslimischen Jugend

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