MEL prüft "Übersiedlung" nach Wien

24. September 2007, 14:17
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Bei Meinl European Land sind Arbeiten zum Umbau der Firmen­konstruktionen angelaufen, geprüft wird die "Übersiedelung" nach Österreich

Wien - Bei Meinl European Land (MEL) sind Arbeiten zum Umbau der Firmenkonstruktionen angelaufen. Anwälte und Berater prüfen, wie eine Verlegung des Firmensitzes vom Steuerparadies Jersey nach Österreich über die Bühne gehen kann. Allzu rasch dürfte das aber nicht gehen.

Angeblich sollen alle drei mit Zertifikaten in Wien börsenotierten Aktiengesellschaften (Meinl European Land, Meinl Airports International, Meinl International Power) auch mit ihrem Firmendomizil nach Österreich geholt werden. MEL-Sprecher Rupert-Heinrich Staller, der "nur für die MEL reden kann", meinte am Freitag, ob sich die MEL von der Kanalinsel Jersey in Richtung Wien verabschiedet: "Wir denken über alle Optionen nach und arbeiten daran".

Was sonst bewegt bleibt offen

Ansonsten will Staller nichts kommentieren, was Anleger und Medien sonst noch bewegt. Auch die Aufsichts-Aktivitäten werden nicht kommentiert. In den nächsten Tagen werde er viel außerhalb Österreichs sein. Ob es sich dabei kommende Woche auch um eine richtungsweisende Sondersitzung des "Board" der auf Jersey ansässigen MEL handelt, sagt Staller nicht.

Übersiedelung unter zwei Bedingungen

Wie die Übersiedlung der MEL klappen könnte, hat der WU-Professor und Gesellschaftsrechtler Christian Nowotny skizziert. Laut Nowotny ist die Verlegung des MEL-Sitzes von Jersey nach Wien unter zwei Bedingungen möglich: Neugründung und Einbezahlung der Partly Paid Shares. Der Experte hält eine Übersiedlung der MEL nach Wien für "ohne gröbere Konsequenzen" durchführbar, wie er im heutigen "WirtschaftsBlatt" erklärte.

Neugründungskonstruktion

Demnach liefe der zielführendste und "wohl auch einzige Weg" über eine Neugründungs-Konstruktion: "Dabei müsste in Wien eine neue Gesellschaft gegründet werden, in die die Jersey-MEL hineinfusioniert wird", so Nowotny in der Zeitung. Erste Voraussetzung sei, dass alle Zertifikate in Aktien umgetauscht werden. Die Anleger seien allerdings zum Tausch nicht verpflichtet. Preisdiskussionen seien dabei "kein Thema", da es sich um einen "reinen Tausch" handle. Zweiter Knackpunkt seien die 150 Millionen Partly Paid Shares (PPS), deren Eigentümer Bank-Chef Julius Meinl nicht offenlegt. Sie machten immerhin etwa ein Drittel aller Zertifikate aus. Diese müssten vor dem Tausch noch voll in die MEL einbezahlt werden, meint Nowotny im "WirtschaftsBlatt" vom Freitag, denn bisher haben die Inhaber der PPS wie berichtet nur einen Cent je Schein bezahlt. Dass sich Probleme ergeben, glaubt der Professor nicht, da die MEL eine vertraglich zugesicherte Option habe, die PPS zu ziehen.

Hintergrund des Fusionsmodells der Zeitung zufolge: Damit würde die Liquidierung der Jersey-MEL umgangen. Die würde nämlich laut Nowotny eine "horrende steuerliche Belastung" mit sich bringen, weil stille Reserven aufgelöst würden. Die Übersiedlung könnte ein paar Monate dauern. Dass sich dabei die Notwendigkeit eines Übernahmeangebots ergebe, oder dass größere steuerliche Belastungen anfallen, schließt Nowotny aus. (APA)

  • MEL-Sprecher Rupert-Heinrich Staller, der "nur für die MEL reden kann" meint: "Wir denken über alle Optionen nach und arbeiten daran".
    foto: standard/fischer

    MEL-Sprecher Rupert-Heinrich Staller, der "nur für die MEL reden kann" meint: "Wir denken über alle Optionen nach und arbeiten daran".

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