"Da ist jeder Kegelverein gefährlicher"

12. Oktober 2007, 13:58
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Lothar Höbelt, Brigitte Bailer-Galanda und Rudolf Gallob beantworten fünf Fragen zum Ulrichsbergtreffen

derStandard.at: Ist der Ulrichsberg ein Naziberg?

Lothar Höbelt: Nein. Es wäre mir neu, dass ein Berg ideologische Tendenzen haben kann. Dort findet lediglich ein Veteranentreffen statt.

Brigitte Bailer-Galanda: Das wäre mir zu vereinfacht dargestellt. Er ist seit vielen Jahrzehnten ein Treffpunkt im Andenken an Waffen-SS Mitglieder, aber ihn als Naziberg zu verallgemeinern halte ich für falsch.

Rudolf Gallob: Dieser Eindruck entsteht durch die Medienberichterstattung. Und durch verschiedene Leute, die so etwas behaupten. Jetzt sind grad die Grünen an der Reihe. Mein Vater war ein entschiedener Nazi-Gegner. Ich auch und das werd ich immer bleiben.

derStandard.at: Sollte das Bundesheer am Ulrichsberg-Treffen teilnehmen?

Höbelt: Das Bundesheer an sich sollte an gar nix teilnehmen. Aber als Privatbürger sollen auch Bundesheerangehörige machen können, was sie wollen. In Österreich werden die Dinge entweder immer gefordert oder verboten. Ich bin für eine Zwischenerweiterung. Der Mensch soll machen können, was er will, ohne dass sich der Staat ständig einmischt.

Bailer-Galanda: Nein, weil die Tradition des Ulrichsberges sicher nicht die Tradition des demokratischen Österreichs sein darf.

Gallob: Freilich, warum denn nicht? Die haben doch schon immer teilgenommen. Schließlich ist das eine Heimkehrergedächtnisstätte.

derStandard.at: Wie wichtig sind die Ulrichsberg-Treffen für die rechtsextreme Szene in Österreich?

Höbelt: Das ist eindeutig ein Veteranentreffen. Da die meisten Teilnehmer in den Neunzigern sind, verliert er auch langsam seinen Sinn. Außerdem: wenn sich die rechtsextreme Szene in Österreich dadurch auszeichnet, dass sie auf Friedhöfe pilgert, ist sie ziemlich harmlos. Da ist jeder Kegelverein gefährlicher.

Bailer-Galanda: Ich glaube, dass die Wirkung des Ulrichsbergstreffens nicht weit über die Grenzen Kärntens hinaus reicht. So wichtig sind die Treffen dann doch nicht.

Gallob: Wichtig? Aber wo denn! Das sind sie schon deswegen nicht, weil keine Nazis oben sind. Da kommen über achtzigjährige Kriegsveteranen und deren Kinder. Die demonstrieren für den Frieden und danken dafür, dass sie heil aus dem Krieg gekommen sind.

derStandard.at: Welchen historischen Hintergrund haben die Ulrichsberg-Treffen?

Höbelt: Das ist eine Mischung aus der Tradition der Abwehrkämpfer und des Veteranentreffens. Warum ausgerechnet der Berg als Treffpunkt gewählt wurde, weiß ich nicht. Aber er liegt gut in der Landschaft und die Landeshauptleute Kärntens waren bei der Tradition der Abwehrkämpfer dabei. Prinzipiell entlockt mir Vergangenheitspolitik nur ein Gähnen. Mich interessiert, wenn wo gepfändet oder geschossen wurde.

Bailer-Galanda: Warum die Treffen ausgerechnet am Ulrichsberg stattfinden weiß ich nicht. Es gibt oben seit ein paar Jahren die Heimkehrer-Gedenkstätte, an der auch den Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird.

Gallob: Der damalige Vizebürgermeister von Klagenfurt, Blasius Scheucher hat 1958 die Idee gehabt, eine Stätte zu suchen, an der man sich mit anderen Heimkehrern treffen kann. Ein Ort, an dem man miteinander reden und dankbar sein kann, dass man wieder zu Hause ist. Den Ulrichsberg hat man gewählt, weil er eine der höchsten Erhebungen Mittelkärntens ist. Über 800 Meter hoch, da sieht man über alles.

derStandard.at: Hat jeder, der bei den Treffen dabei ist, nationalsozialistische Tendenzen?

Höbelt: Die Antwort liegt ja wohl auf der Hand: Natürlich nicht. Diese pauschalisierten Zuschreibungen halte ich für unsinnig. Genauso könnte man sagen, alle Teilnehmer an No-Global-Demonstrationen sind Kommunisten.

Bailer-Galanda: Nein, sicher nicht. Es gehen auch viele zu dem Treffen, weil sie meinen da geht es um Traditionspflege oder Friedenskundgebungen. Da gibt es eine Menge anderer Motive. Nicht jeder, der dorthin geht ist ein Nazi.

Gallob: Was fällt Ihnen denn ein? Sie reden hier mit Rudolf Gallob, der 1947, noch als Schüler, der SPÖ beigetreten ist. Ich bin seit über sechzig Jahren Parteimitglied. Wir haben alle Parteien oben vertreten, sowohl in der Führung als auch unter den Teilnehmern. Alle Landeshauptleute Kärntens haben da oben geredet.

derStandard.at: Sollen die Veteranentreffen am Ulrichsberg verboten werden?

Höbelt: Natürlich nicht. Warum sollten die verboten werden? Und selbst wenn man sie verbieten würde, dann treffen sie sich halt am nächsten Berg.

Bailer-Galanda: Nein. Ein Verbot wäre eine zu schwerwiegende Maßnahme. Ich finde, die Stätte umzufunktionieren wäre besser. Den Ulrichsberg zu einer Gedenkstätte an NS-Opfer auszubauen und weniger zum Gedenken an Mitglieder der SS zu nutzen, fände ich sinnvoller.

Gallob: Nein. Wie wollen Sie das denn machen? So etwas muss doch erlaubt sein. Der Minister Darabos hat den Soldaten untersagt in ihren offiziellen Uniformen zum Ulrichsberg zu kommen. Er hat gesagt, er will ganz genau wissen, was da passiert und hat die Protokolle der letzten Jahre gelesen. Dann hat er festgestellt: es gibt überhaupt keinen Anlass, das zu verbieten. (saj, derStandard.at, 14.9.2007)

  • Lothar Höbelt, nationalkonservativer Historiker und Professor für Neuere Geschichte an der Uni Wien.
    foto: standard/robert newald

    Lothar Höbelt, nationalkonservativer Historiker und Professor für Neuere Geschichte an der Uni Wien.

  • Brigitte Bailer-Galanda ist die Leiterin des Dokumentationsarchives (DÖW)
    foto: standard/cremer

    Brigitte Bailer-Galanda ist die Leiterin des Dokumentationsarchives (DÖW)

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    Rudolf Gallob ist der Präsident der Ulrichsberggemeinschaft.

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    Die Gedenkstätte am Ulrichsberg - bewacht von einem Soldaten des österreichischen Bundesheeres.

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