Demokraten spotten über Bush

29. September 2007, 16:43
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Nach der Irak-Rede, in der der Präsident Abzug in Raten ankündigte: Wahlkampf wird schärfer, Rückschlag für die Armee

Erstmals seit der Invasion in den Irak im März 2003 hat der amerikanische Präsident einen Abzug von Truppen angekündigt. Bushs Fernsehrede folgte eine Welle der Kritik der US-Demokraten ...

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Scheinbar entspannt sitzt der Präsident im Oval Office. Die Hände hat er gefaltet, nichts an seinem ruhig dahinplätschernden Redefluss lässt auf Nervosität schließen. Auf den Fotos, die ihn seitlich flankieren, lächeln die Zwillinge Barbara und Jenna, hält Gattin Laura den geliebten Barney im Arm, den schottischen Terrier der Bushs. Alles kein Zufall, jedes noch so kleine Detail soll die Botschaft des Abends unterstreichen. Und die lautet: Hier spricht ein Familienvater, der mit sich im Reinen ist, dem die zweifelnde Nation ruhigen Gewissens vertrauen kann.

Donnerstagabend, 21 Uhr in Washington, beste Sendezeit. George W. Bush hält eine mit Hochspannung erwartete Rede, münzt politisch um, was ihm David Petraeus, sein ranghöchster General in Bagdad, an analytischen Vorlagen liefert. Im Jänner hat er dem Thema Irak schon einmal eine Fernsehansprache gewidmet, in dunkler, fast düsterer Kulisse, mit zerknirschter Miene Fehler zugebend. Diesmal erleben die Amerikaner ihren Präsidenten so, wie sie ihn von früher kennen. Selbstgewiss im Ton, unscharf, ja schwammig in der Substanz.

Bush wiederholt die Lagebeschreibung, wie sie Petraeus zu Wochenbeginn dem Kongress vorgelegt hatte. Teile des Irak, insbesondere die sunnitische Provinz Al-Anbar, ein früheres Pulverfass, kehrten langsam zur Normalität zurück. Der im Winter gefasste Beschluss, das US-Kontingent um 30.000 Soldaten aufzustocken, beginne Früchte zu tragen. Ergo könne man es sich leisten, die Truppe nach und nach zu reduzieren, um 5.700 Mann bis Weihnachten, eventuell um fünf weitere Brigaden (rund 25.000 GIs) bis nächsten Sommer. „Ich habe die Empfehlungen von General Petraeus akzeptiert. Das Prinzip, das meine Entscheidungen zur Truppenstärke bestimmt, heißt ‚Rückkehr bei Erfolg‘. Je erfolgreicher wir sind, desto mehr amerikanische Soldaten können heimkehren.“

Dauerhafte Beziehung

Es ist das erste Mal seit März 2003, als Bush den Einmarschbefehl gab, dass er von einer Verringerung des Aufgebots spricht. Doch wie es nach dem Teilabzug weitergehen soll, lässt er im Ungewissen. Statt konkrete Fahrpläne vorzulegen, spricht er vage von einer „dauerhaften Beziehung“ mit dem Irak, einem Verbündeten, der um sein Überleben kämpfe.

Es dauert keine sechzig Sekunden, da setzt sich der offizielle Sprecher der Kriegskritiker, Jack Reed, früher Fallschirmjäger, heute Senator, vor eine Kamera, um zur Replik auszuholen. Kaum ist er fertig, gehen Bushs potenzielle Nachfolger auf die Bühne, spitzen die Kritik zu. „Das Weiße Haus hat die Messlatte für Erfolge so niedrig gelegt, dass man sie kaum noch sehen kann“, spottet Barack Obama, der Medienstar unter den Präsidentschaftskandidaten. Schnell skizziert er seinen eigenen Plan, einen Rückzug auf Raten, der im Dezember 2008 im Wesentlichen abgeschlossen sein soll.

„Wir machen uns zu Geiseln der irakischen Politik“, warnt John Edwards, einer von Obamas Rivalen. Wolle man wirklich so lange warten, bis sich die Streithähne in Bagdad ausgesöhnt hätten? Das bedeute Warten bis in alle Ewigkeit. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.9.2007)

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    Die Bush-Rede war via Satellit auch im Irak zu sehen.

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    „Das Weiße Haus hat die Messlatte so niedrig gelegt, dass man sie kaum noch sieht“: Obama, Medienstar unter den Präsidentschaftsanwärtern der Demokraten, macht sich über Bush lustig.

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