"Unser" Speck vom Schwein aus Holland

8. Oktober 2007, 17:26
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Regionale Herkunft von Lebensmitteln ist für immer mehr Konsumenten wichtig - Aber bei Fleisch ist nicht immer "Österreich" drinnen, auch wenn "Österreich" draufsteht

Wien - Das Szenario ist gar nicht so abwegig: Holländer genießen ihren Skiurlaub in Tirol, kaufen zum Abschied einen Tiroler Speck - und dann genießen sie daheim das Produkt eines original niederländischen Schweines.

"Die angebliche hundertprozentige Eigenversorgung Österreichs funktioniert nur noch in der Statistik", bedauert etwa Karl Schirnhofer, der als Großproduzent auf heimische Qualität setzt. Tatsächlich zeigen die Daten von Agrarmarkt Austria (AMA), dass in Österreich bei den rund 610.000 Rinderschlachtungen im Vorjahr bereits über 80.000 Tiere aus den EU-Mitgliedstaaten kamen - und jährlich steigen die Importe um rund 20.000 Stück.

Bei den Schweinen ist es noch deutlicher: Da wurden im Vorjahr laut AMA bereits fast 800.000 Lebendschweine importiert - und im ersten Halbjahr stieg dieser Wert noch einmal um zehn Prozent. Dazu kommen dann noch die Fleischimporte von geschlachteten Tieren (siehe Grafik).

Nur: Wird das Fleisch in Österreich verarbeitet, kann es nach EU-Recht ohne weiteres als österreichisches Produkt verkauft und beworben werden. Umso schwieriger ist es aber für die Konsumenten zu erkennen, welches Produkt nun tatsächlich aus der Region stammt, wie am Donnerstag am Rande der Eröffnung der "Nachhaltigen Wochen" erläutert wurde.

"Vor allem beim Fleisch ist die Frage der Herkunft ungleich schwieriger", erläutert etwa Andrea Ebner von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (Ögut), die an der Produktauswahl für die "Nachhaltigen Wochen" beteiligt war. "Mit dem AMA-Gütesiegel ist jedenfalls das Herkunftsland Österreich garantiert - und dann muss man eben zusätzlich auf Markenfleischprogramme achten."

Die Ochsentour

Wie etwa jenes von Schirnhofer, der seine Almochsen ausschließlich aus der steirischen Region bezieht: Von Kleinbetrieben, die "im Schnitt sieben Almochsen pro Jahr liefern", wie Schirnhofer erläutert. "Die meisten können die Tiere selbst mit Traktor und Anhänger anliefern." Dazu kommt ein strenges Qualitätsprogramm, bei dem "jeder Handgriff, den der Landwirt macht, online dokumentiert werden muss. Jedes Medikament, das den Tieren verabreicht wird, kontrollieren wir auf Milligramm genau."

Doch nicht nur bei den Tieren stellt sich die Frage, woher sie kommen. So setzt etwa auch Fleischproduzent Rudolf Berger "ausschließlich auf heimische Futtermittel. "Da ist die Frage der Herkunft noch viel zu wenig besprochen", betont Berger. "Bei uns gibt es jedenfalls keine Eiweißträger aus südamerikanischem Soja."

Was sich übrigens auch bei einer anderen entscheidenden Frage auswirkt: "Unsere Ochsen furzen weniger", betont Schirnhofer lachend. Und das hat einen ernsten Hintergrund: Denn Methan ist eines der wichtigsten klimarelevanten Abgase. Tatsächlich haben die Almochsen, die 150 Tage pro Jahr auf der Weide sind und sonst mit Gras, Grassilagen, österreichischem Getreideschrot und Heu gefüttert werden, weniger Blähungen - und einen um 40 Prozent verringerten Methanausstoß.

Die Frage der Regionalität hatte im Vorjahr übrigens auch schon indirekt politische Wellen in Tirol geschlagen: Landeshauptmann Herwig van Staa hatte damals im heftigen Streit mit dem "Speckkaiser" und VP-Wirtschaftsbundmitglied Karl Handl erklärt: "Dieser Herr hält mich offenbar für eines jener Produkte, die er selcht, weil ich zufällig einen holländischen Namen habe." Handl hatte damals entgegnet, dass die Schweine für seinen Tiroler Speck ohnehin überwiegend aus Oberösterreich kämen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 14. September 2007)

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    Ein Schwein im Transporter - nach der Schlachtung kann sein Fleisch durchaus als heimische Ware verkauft werden.

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