"Aktuelle Windows-Spiele unter Mac OS X werden immer ein Problem sein"

27. September 2007, 10:20
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Srinivas Krishnamurti von VMware im Gespräch mit dem WebStandard über die nicht erlaubte Virtualisierung von Mac OS X, 3D-Support und die spezielle Situation im Apple-Umfeld

Vor wenigen Wochen hat VMware die erste stabile Release seines Mac OS X-Produkts fertig gestellt und in den Handel gebracht. Gegenüber anderen Angeboten des Herstellers bildet "VMware Fusion" gleich in mehrerer Hinsicht eine Ausnahme: So hat man etwa unter Apples Betriebssystem mit Parallels einen Konkurrenten, der nicht nur früher am Markt war, sondern auch mit frischen Features eine schnell wachsende Anhängerschaft gefunden hat.

Blickpunkt

Doch das war bei weitem nicht die einzige Herausforderung für das Unternehmen, wie Srinivas Krishnamurti, Director of Product Management and Market Development, im Gespräch mit dem WebStandard am Rande der VMworld herausstreicht: "Wir sind einen Schritt zurückgegangen und haben uns überlegt: Wer sind die potentiellen Kunden für dieses Produkt. Und wenn man sich den Mac-Markt ansieht, dann sind das dort vor allem Endbenutzer und nicht Entwickler, die die Fähigkeiten der Workstation benötigen." Dadurch war klar, dass man, um ein gutes Produkt abliefern zu können, auch einen anderen Blickpunkt als bei bisherigen Produkten einnehmen müsse.

Simpel

"Bei der Workstation denken wir vor allem an Power-User, IT-Profis, Entwickler und solche Leute, die sehr technik-affin sind, insofern konzentrieren wir uns dort vor allem auf fortgeschrittene Features wie Linked Clones, die Team-Fähigkeiten oder multiple Snapshots. Das sind Sachen, die aber für durchschnittliche Benutzer - und die sind ja die Zielgruppe von Fusion - nicht so wichtig sind". Statt dessen habe man andere Schwerpunkte gelegt, etwa die Entwicklung eines möglichst einfach zu benutzenden Interfaces oder die Möglichkeit Windows und Mac OS X mit Features wie Unity näher aneinander zu bringen.

Back to Workstation

Das heißt allerdings nicht, dass die entsprechenden Features nicht früher oder später auch in anderen Produkten landen werden: Wenn man die entsprechende Funktionalität schon mal habe, würde es wohl durchaus Sinn ergeben, diese auch in Workstation und Co. zu integrieren, so Krishnamurti, der allerdings schnell bemüht ist, herauszustreichen, dass er keinerlei Ankündigung für künftige Produkte machen könne.

3D

Keine all zu großen Hoffnung sollten sich hingegen all jene machen, die insgeheim darauf hoffen, dass sie durch den 3D-Support in Fusion schon bald aktuelle Windows-Spiele unter Mac OS X betreiben werden können. Die sei aber auch gar nicht der Fokus diese Features: "Derzeit unterstützen wir DirectX 8.1, Ziel ist es DirectX 9 vollständig zu unterstützen, um so Vistas Aero in einer virtuellen Maschine betreiben zu können".

Anspruchsvoll

Einen vollständigen Support für aktuelle Spiele sollte man sich hingegen davon auch mittelfristig nicht erwarten: "Die heutigen Grafikkarten sind dermaßen leistungsfähig, dass es realistisch keine Möglichkeit gibt, dies alles im virtuellen Grafiktreiber nachzubilden und entsprechende Spiele in einer virtuellen Maschine laufen zu lassen.", führt Krishnamurti die Problematik aus. Spielen werde insofern immer ein "problematischer Bereich" bleiben, selbst wenn man gewisse Erfolge mit weniger anspruchsvollen Games erzielen kann.

Nicht möglich

Ein oft gefordertes Feature, ist die Möglichkeit Mac OS X selbst virtualisieren zu können, ein Wunsch, dem das Unternehmen nur all zu gerne nachkommen würde, doch seien VMware hier schlicht die Hände gebunden: "Unser Standpunkt ist klar: Wir werden das ohne die Erlaubnis von Apple nicht tun. Aus einer technologischen Perspektive spricht nichts dagegen, die derzeitige Mac OS X-Lizenz lässt das aber einfach nicht zu." (Anm.: Die Installation von Mac OS X ist ausdrücklich nur auf Original-Apple-Hardware erlaubt, wozu der Hersteller virtuelle Rechner nicht zählt, selbst wenn sie auf einem Mac OS X-Host laufen) Man habe schon mehrmals versucht Apple von einer Lockerung der Lizenzbestimmungen zu überzeugen - bisher allerdings ohne den geringsten Erfolg.

Schade...

Vor allem für Mac-EntwicklerInnen wäre es wohl ziemlich interessant in verschiedenen virtuellen Maschinen ihre Programme auf verschiedenen Mac OS X-Versionen testen zu können. Auch gäbe es sicherlich einige Unternehmen, die die Mac-Desktops ihrer Angestellten gerne zentral in virtuellen Maschinen auf ihrem Server betreiben wollen würden - ähnlich wie man es jetzt schon mit anderen Betriebssystemen könne.

Konkurrenz

Trotz des Zeitvorsprungs der Konkurrenz sieht sich Krishnamurti auch unter Mac OS X in einer sehr guten Marktposition, vor allem die durch die jahrelange Entwicklung äußerst ausgereifte Code-Basis von VMware sieht er als großen Vorteil. Ebenfalls gelassen gibt sich der VMware-Manager vor der kostenlosen Konkurrenz von Virtualbox: Die Erfahrung zeige, dass die KundInnen durchaus bereit sind einen gewissen Betrag zu bezahlen, um auch wirklich die bestmögliche Lösung zu bekommen. (Andreas Proschofsky aus San Francisco)

  • FusionWindows-Spiele in einer virtuellen Maschinen unter Mac OS X: Auch auf absehbare Zeit wird man sich hier wohl mit älteren Titeln zufrieden geben müssen
    grafik: hersteller

    Fusion
    Windows-Spiele in einer virtuellen Maschinen unter Mac OS X: Auch auf absehbare Zeit wird man sich hier wohl mit älteren Titeln zufrieden geben müssen

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