Noch mehr Meisterwerke

17. September 2007, 18:02
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Tourismusbusiness und Katalog-Déjà-vu: Die Wiener Albertina zeigt Werke der Stiftung Rita und Herbert Batliner

Unter dem Titel "Monet bis Picasso" wirbt die Auswahl aus der Sammlung des Rechtsanwaltes um ein Mehr an Besuchern im einst beschaulichen Palais.


Wien - "Ich habe lange in Wien gelebt", sagt Markus Brüderlin, ehemaliger Staatskurator für bildende Kunst in Österreich und derzeit Direktor des Kunstmuseums in Wolfsburg, "und weiß, welchen Mangel das Fehlen eines profunden Fundaments an moderner Kunst für das aktuelle Kunstleben und die Gegenwartskunst bedeutet. Die Sammlung Batliner mit ihrer beachtlichen Zahl an Meisterwerken von Cézanne, Malewitsch, Matisse, Braque, Kupka, Picasso, Bacon und anderen hilft Österreich, eine schmerzliche Lücke, die 'Lücke Moderne', wieder zu schließen".

Womit der Experte Brüderlin die Sammlung von Rita und Herbert Batliner sehr hoch bewertet, die Flexibilität und Reisebereitschaft der Träger von Österreichs Gegenwartskunst weniger hoch.

Bleibt abzuwarten, ob die grandiosen Lückenfüller, die zumindest die nächsten Jahre über in der Albertina zum eingehenden Studium bereit hängen werden, Mangelerscheinungen in der Szene werden beheben können.

Jedenfalls aber lassen Sammler und Albertina das Argument, es gäbe doch anderswo genug Picassos oder Braques oder Bacons, nicht gelten. Weil es schließlich immer um das einzelne Werk ginge, um das Studium des jeweiligen Unikats. Auch richtig, wenngleich die Einverleibung der Sammlung Batliner in den Mehrspartengroßkunstbetrieb Albertina betreffend die unmittelbare Gegenwart vor allem den allerorts immer wieder beklagten Mangel an Besuchern womöglich noch in sein Gegenteil wird kippen lassen.

Jetzt hat auch Wien einen höchst praktischen Parcours durch die wesentlichen Stationen des späten 19. und des 20. Jahrhunderts, und darin finden sich auch einige konkurrenztaugliche Meisterwerke. Denn ohne "Meisterwerke von bis" geht gar nichts mehr im harten Tourismusbusiness. Alles wunderbar.

"In Österreich", sagt Herbert Batliner, "kam für mich und meine Frau nur die Albertina infrage. Meine Sammlung landet letzten Endes dort, wo meine Begeisterung für die Kunst ihren Ausgang genommen hat oder zumindest wesentlich befruchtet wurde. Wann immer es meine und seine Zeit erlaubt hat, hat mir mein Freund Walter Koschatzky (Anm.: Direktor der Albertina in Zeiten des allein grafikbezogenen Sammelns, die für Klaus Albrecht Schröder zu jener 'größten Krise' das Hauses gehören) Meisterwerke gezeigt, die für mich Maßstab, Ansporn und Vorbild für die eigene Sammlungstätigkeit waren."

Klaus Albrecht Schröder hat mit der Sammlung Batliner nun einen weiteren Schritt gesetzt, seine Albertina-Sicht als "vitales Museum von Weltrang" zu realisieren. Und dazu gehört nun einmal das Angebot einer permanenten Schausammlung, die sich mit Grafik allein schon aus konservatorischen Gründen nicht realisieren ließe.

Bleibt der reißerische Titel der pädagogisch tadellos gehängten Schau: "Monet bis Picasso". Chaim Soutine, Alberto Giacometti, Francis Bacon, Marc Rothko, Barnett Newman oder Yves Klein, wird wieder einmal glaubwürdig vermittelt, sind als Marken zu schwach, die Massen zu mobilisieren. So viel zum Thema Volksbildung. (Markus Mittringer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)

Schröders alte Hüte
Der Albertina-Katalog als Déjà-vu

Die Masche des Klaus Albrecht Schröder ist seit vielen Jahren bekannt: Er präsentiert Zeiträume, deren Anfangs- und Endpunkte durch große Namen fixiert werden. Also Goya bis Picasso oder Schiele bis Wotruba oder Klimt bis Klee. Und da der Titel "Die Sammlung Batliner" kaum für einen Publikumsansturm sorgen würde, nennt der Albertina-Chef die eben eröffnete Ausstellung folgerichtig "Monet bis Picasso".

Exakt den gleichen Titel hat er schon einmal verwendet: im Sommer 1998, als er, damals noch Direktor des Kunstforums, zum ersten Mal die Sammlung Batliner in Wien vorstellte.
Schröder bleibt sich treu: Als Herausgeber der nahezu gleich großen wie gleich schweren Kataloge wählte er damals wie auch heute einen Ausschnitt aus dem "Seerosenteich" von Claude Monet als Cover aus. Dass dieser der gleiche ist, versteht sich von selbst.
Über weite Strecken sind auch die Abbildungen die gleichen. Die Kataloge eignen sich daher für ein nettes Memory-Spiel: Auf welcher Seite des anderen Bandes sah ich eigentlich Renoirs Mädchenporträt? Es verwundert daher auch nicht, dass sich die Texte zu Monets "Seerosenteich" in Aufbau und Wortwahl (samt Georges-Clemenceau-Zitat) ziemlich ähneln ...
(Thomas Trenkler)

Bis 6. April
Link: albertina.at

  • Ein Highlight der neuen Schausammlung: René Magrittes "Die verwunschene Gegend" aus dem Jahr 1953.
    foto: albertina

    Ein Highlight der neuen Schausammlung: René Magrittes "Die verwunschene Gegend" aus dem Jahr 1953.

  • Schröder bleibt sich treu: seine Kataloge mit Monet-Cover 1998 (oben) und 2007.
    fotos: kunstforum / albertina

    Schröder bleibt sich treu: seine Kataloge mit Monet-Cover 1998 (oben) und 2007.

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