P2P-Mobilfunksystem ermöglicht Gratis-Anrufe

27. September 2007, 09:57
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"Mesh-Netzwerk mit Handys bedeutet das Ende von GSM-Netzen" - Technologie ist im WLAN-Bereich ein Hoffnungsträger

Das schwedische Unternehmen TerraNet hat eine Möglichkeit entwickelt, mobile Kommunikation ohne ein herkömmliches Mobilfunknetzwerk umzusetzen. Die Handys werden dabei in ein Peer-to-Peer-System eingebunden und vernetzen sich untereinander, berichtet BBC online. Der Grundgedanke ist ein sogenanntes Mesh-Netzwerk, eine dezentralisierte Infrastruktur, bei der jeder Knoten - in diesem Fall sind es die Mobiltelefone - nur soviel Leistung bringen muss, um sich mit dem nächsten zu verbinden. Der größte Vorteil der Technologie ist, dass Gespräche durch die Umgehung eines Providers kostenlos geführt werden können.

WLAN

Die Mesh-Technologie ist derzeit vor allem im WLAN-Bereich ein Hoffnungsträger. Mesh-fähige Geräte senden und empfangen Daten. Gleichzeitig nehmen sie Router-Funktionen wahr und leiten Daten an andere Clients weiter. Die Ingenieure wollen damit Funklöcher stopfen. Dieselbe Intention verfolgte Anders Carlius, der Gründer von TerraNet. Durch die Anwendung der Mesh-Technologie bei Mobiltelefonen, soll es selbst in Gebieten mit schwacher Mobilfunkversorgung möglich sein, Telefonate zu führen. Ein Anruf wird dabei solange von Telefon zu Telefon weitergeleitet, bis er das Zielgerät erreicht.

Projekte in Tansania und Equador

Carlius arbeitet seit 2002 an der Idee und konnte erste Projekte kürzlich in Tansania und Equador starten. Das System ist derzeit vor allem für Gebiete gedacht, in denen die Aufstellung von Basisstationen entweder nicht möglich oder schlicht unrentabel ist - beispielsweise in Wüstengebieten. "In manchen Gegenden in Afrika, Südamerika, Indien oder China können wir die Ersten sein, die den Menschen die Möglichkeit zur Kommunikation geben. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl an Möglichkeiten, unsere Technologie anzuwenden", meint Carlius gegenüber pressetext.

Sobald ein TerraNet-Gerät eingeschaltet wird, sucht es seine Umgebung im Umkreis von etwa einem Kilometer nach weiteren Geräten ab und verbindet sich mit ihnen. Somit wird das Netz mit jedem weiteren Gerät erweitert und die Abdeckung durch das Netz vergrößert. Ein Anruf in ein anderes, nicht direkt verbundenes Handy-Netzwerk soll über VoIP funktionieren. Dazu müsste lediglich ein Gerät pro Netzwerk mit dem Internet verbunden sein. Befindet sich das Zielhandy also nicht im eigenen Netz, wird der Anruf über das Web zum entsprechenden Mesh-Netz weitergeleitet.

Nur mit speziellen Handys

Derzeit funktioniert das TerraNet-System nur mit speziellen Mobiltelefonen. Allerdings hofft Carlius, dass die Technologie künftig ähnlich wie Bluetooth als zusätzliche Funktion in handelsübliche Handys integriert wird. Weniger angetan von der TerraNet-Idee sind laut Carlius die großen Mobilfunkprovider. Der TerraNet-Gründer liefert zugleich die Begründung: "Peer-to-Peer-Kommunikation im Mobilfunk könnte möglicherweise das Ende der GSM-Netze bedeuten." Die Technologie sei nicht ausgereift und funktioniere nicht, lauten die Gegenargumente, die Carlius jedoch nicht gelten lässt. Er verweist auf den Telefonhersteller Ericsson, der bereits drei Mio. Pfund (4,4 Mio. Euro) in TerraNet investiert habe.(pte)

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