Einbahnfußball gegen Chile

28. Jänner 2008, 20:28
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Rückwärtsgerichteter Einbahnfußball statt Vielschichtigkeit der Beziehungen bestimmte das Agieren Österreichs gegen Chile

Die Analyse der drei wichtigsten Pässe jedes Spielers bei der Niederlage der Österreicher gegen Chile könnte zunächst dazu verführen, einen überraschend positiven Aspekt zu entdecken. Als Schlüsselspieler erwiesen sich, nicht zum ersten Mal, die beiden Außenverteidiger, diesmal also Fuchs und Garics. Rein theoretisch ließe sich nun mutmaßen, dass sich im österreichischen Spiel eine Entwicklung abzeichnet, die sich in den vergangenen Jahren als oft entscheidend für das Umschalten von Defensive auf Offensive erwiesen hat.

Man denke nur an die neue Generation technisch und läuferisch überragender Außenverteidiger wie Lahm, Grosso oder Abidal bei der WM 2006. Während diese jedoch ihre Zentralität durch die Vielschichtigkeit der Beziehungen zu ihren Teams erreichten, lässt sich bei Fuchs und Garics nur Einbahnfußball Richtung Vordermann konstatieren. Die vorhandene Achse Garics-Kuljic muss überdies insofern relativiert werden, als Kuljic den Ball praktisch jedes zweite Mal retournierte.

Die Reichhaltigkeit der Beziehungen aus dem Match gegen Tschechien (1:1) mutierte gegen Chile insgesamt zur Konfusion. Klarer Indikator für das Nichtzustandekommen eines Spielaufbaus ist die bislang in dieser Form singuläre Rückwärtsgerichtetheit der Pfeile. Und wenn gerade einmal nicht zurückgespielt wurde, ging der Ball oft ohne jede Not verloren. Auch hier sprechen die Zahlen eine klare Sprache. Die Quote der angekommenen Pässe sank um durchschnittlich zehn Prozent.

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Kuljic 94 

2. Garics 90

3. Fuchs 85

4. Aufhauser 75

5. Standfest 73

6. Leitgeb 71

7. Linz 58

8. Prager 57

9. Macho 40

10. Hiden 33

11. Prödl 27

11. Mörz 27

13. Salmutter 18

14. Säumel 17

14. Hoffer 17

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Kuljic 85,29 (29 von 34) 

2. Hiden 85,00 (17 von 20)

3. Standfest 78,13 (25 von 32)

4. Leitgeb 76,67 (23 von 30)

5. Prödl 75,00 (12 von 16)

6. Aufhauser 74,36 (29 von 39)

7. Prager 74,07 (20 von 27)

8. Garics 73,58 (39 von 53)

9. Fuchs 68,42 (39 von 57)

10. Linz 66,67 ( 8 von 12)

BALLBERÜHRUNGEN PRO BALLBESITZ

1. Gercaliu 1,17 

2. Prödl 1,25

3. Säumel 1,30

4. Prager 1,38

5. Hiden 1,40

6. Hoffer 1,50

7. Aufhauser 1,55

7. Salmutter 1,55

9. Fuchs 1,56

10. Garics 1,66

11. Linz 1,69

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Garics-Standfest 16 

1. Fuchs-Leitgeb 16

3. Garics-Kuljic 13

4. Aufhauser-Linz 11

5. Standfest-Garics 10

6. Aufhauser-Kuljic 8

6. Fuchs-Prager 8

6. Macho-Aufhauser 8

9. Fuchs-Kuljic 7

9. Garics-Kuljic 7

11. Aufhauser-Leitgeb 6

11. Aufhauser-Prager 6

11. Leitgeb-Fuchs 6

11. Standfest-Kuljic 6

11. Leitgeb-Prager 6

11. Leitgeb-Linz 6

11. Leitgeb-Aufhauser 6

11. Fuchs-Linz 6

11. Garics-Linz 6

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Kuljic 60 

2. Linz 46

3. Leitgeb 41

3. Standfest 41

5. Garics 37

6. Aufhauser 36

7. Prager 30

8. Fuchs 28

9. Mörz 17

10. Hiden 13

11. Prödl 11

12. Hoffer 10

13. Macho 8

13. Salmutter 8

15. Säumel 7

16. Gercaliu 4

17. Patocka 2

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Fuchs 57 

2. Garics 53

3. Aufhauser 39

4. Kuljic 34

5. Macho 32

5. Standfest 32

7. Leitgeb 30

8. Prager 27

9. Hiden 20

10. Prödl 16

11. Linz 12

12. Mörz 10

12. Säumel 10

Die in Wien und San Francisco ansässige FAS.research analysiert exklusiv für den Standard die ÖFB-Länderspiele. Text und Analyse: Helmut Neundlinger; Computer-Fütterung und Darstellung: Ruth Pfosser.

Ansatz der Analyse

Die Spielzüge werden codiert und netzwerkanalytisch ausgewertet. In der Grafik sind die Ballwege zu den drei wichtigsten Pass-Partnern jedes Spielers zu sehen. Die Kreisgrößen zeigen die Summe der angekommenen und abgegebenen Pässe.

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