Cristina Kirchner in Wien: "Gemeinsame Interessen fördern"

29. Oktober 2007, 15:05
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Argentiniens "First Lady" mit Viktor Klima bei Bundespräsident Fischer und Kanzler Gusenbauer - Mit Video

Wien - Gemeinsame Interessen Lateinamerikas und der Europäischen Union zu fördern - das sei das Ziel ihrer Reise nach Österreich und Deutschland, erklärte Argentiniens "First Lady" Cristina Fernandez de Kirchner am Mittwoch bei einem Besuch in Wien, wo sie mit Bundespräsident Heinz Fischer und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) zusammentraf. Begleitet wurde die Frau von Staatspräsident Nestor Kirchner, die selbst Ambitionen auf das höchste Amt im Staat hat, vom früheren SP-Bundeskanzler und jetzigen Chef von VW in Lateinamerika, Viktor Klima.

"Wir wollen die Beziehungen zwischen Lateinamerika im Allgemeinen sowie meinem Land Argentinien im Speziellen mit Europa vertiefen, in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht", sagte Kirchner nach einem Mittagessen mit Fischer in der Hofburg. "Wir haben eine gemeinsame Vision einer Welt, die multilateral aufgebaut ist. Da spielen Investitionen eine Rolle, sie sind aber nicht das einzige."

Die Wirtschaft sei dazu da, dass es den Menschen besser geht, schlug Kirchner vor den Mikrofonen leichte Wahlkmpftöne an. "In Argentinien sind wir derzeit in einem Teufelskreis. Die ökonomischen Daten zeigen einen Aufschwung, das Lebensniveau der Menschen wird aber schlechter. Wir müssen aber das Wirtschaftswachstum mit der sozialen Frage verknüpfen. Und da haben wir gemeinsame Interessen mit der Europäischen Union."

In diese Kerbe schlug auch Klima, der sowohl von Fischer als auch Gusenbauer herzlichst begrüßt wurde: "Wichtig ist die Beziehung von Lateinamerika und dem Mercosur mit der Europäischen Union. Wir müssen die Beziehung zwischen Argentinien und Europa stärken und umgekehrt, daher ist diese Reise sehr wichtig." Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" wurde die Tour nach Deutschland - am Dienstag war Kirchner mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengetroffen - und Österreich von Unternehmen wie Volkswagen und Siemens organisiert.

Die Situation in Argentinien habe sich sehr verbessert, analysierte Klima in spanischer Sprache. "In meinem Sektor ist das Wachstum enorm, jedes Jahr 20 bis 30 Prozent. Wir haben in Argentinien einen Rekord an verkauften Autos pro Jahr. Für mich ist aber wichtig, dass die sozialen Daten sich verbessern. Und das ist jetzt viel besser, wir haben die Armut reduziert, wir haben eine ausgewogenere Gesellschaft, wir haben einen historischen Tiefstand an Arbeitslosigkeit." Auf Deutsch wollte sich der Alt-Bundeskanzler nicht äußern: "Ich möchte überhaupt nicht in der österreichischen Öffentlichkeit erscheinen. Ich bin nur Gast hier."

Im Übrigen erfreute "Latino-Hillary" die anwesenden Fotografen und Kamerateams mit einem schrill-violetten Kostüm samt farblich dazu passenden Schuhen und Fußkettchen. Kirchner wird gerne mit US-Senatorin Hillary Clinton verglichen, die ebenfalls in die Fußstapfen ihres Präsidenten-Gatten treten will. Bei den argentinischen Präsidentschaftswahlen am 28. Oktober werden der 54-jährigen Senatorin von Buenos Aires gute Chancen eingeräumt, da die Opposition ziemlich zersplittert ist. Neben Cristina Kirchner treten weitere 13 Kandidat(inn)en an.

Ein weiterer Programmpunkt Kirchners war ein Treffen mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S). Dass die soziale Kluft zwischen Arm und Reich in Argentinien weniger tief sei als in anderen Ländern Lateinamerikas, habe seinen Grund auch in der traditionell engagierten Bildungspolitik des Landes und im freien Zugang der jungen Menschen zu den Universitäten. Argentinien profitiere im internationalen Wirtschaftswettbewerb von der guten Ausbildung seiner Bevölkerung, unterstrich Kirchner laut Aussendung. "Bildung darf kein Privileg der Eliten sein", formulierte die Senatorin.

Prammer informierte Kirchner über die Arbeit des Entschädigungsfonds für NS-Opfer. Für ein aktuelles Projekt zur Unterstützung von 400 österreichischen Überlebenden des Holocaust, die heute in Argentinien leben, sagte Kirchner spontan Unterstützung zu. "Keine Gesellschaft kann in Würde leben, ohne Verantwortung für ihre Vergangenheit zu übernehmen. (APA)

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