Geiz ist nicht geil!

Redaktion, 12. September 2007 14:45
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    Foto: standard/fischer

    Arch. Christine Diethör, Innengestalterin.

Viele Bauherren sind der unkorrigierbaren Meinung, dass ein Entwurf gratis sei. Nein! Hier die Richtigstellung - Von Christine Diethör

Das kennt man zu Genüge: Besonders in Ostösterreich glauben viele Leute, ein Architekt sei bei ihrem Bauvorhaben überflüssig, weil sie 1) eh selber wissen, was sie wollen, weil 2) der Architekt eh nur die Pläne zeichnet und weil 3) eh der Baumeister das Haus baut. Also schenkt man sich den Planer und geht gleich zum Ausführenden. Dass sich diese Vorgangsweise in vielen Fällen gewaltig rächt, ist nur die logische Konsequenz.

Abhilfe naht: Anscheinend hat sich die Tatsache, dass es so falsch nicht sein kann, eine Architektin oder einen Architekten zu engagieren, auch schon zu den Häuslbauern durchgesprochen. Die Anfragen privater Bauherren in spe häufen sich in letzter Zeit derart, dass in unserem Büro fast jede Woche ein Interessent seine Fühler ausstreckt. Allerdings scheint vielen nicht klar zu sein, dass die Leistung des Architekten eine Dienstleistung ist, mit der dieser seinen Lebensunterhalt verdient. Die meisten sind der Meinung, dass Architektinnen ganz wild darauf seien, kostenlos zu arbeiten.

Ein nicht unwesentlicher Teil der Architektenleistung ist der Entwurf, der immerhin 30 Prozent der Gesamtkosten umfasst. Mit dem Hinweis, man könne ja schließlich nicht zahlen, was man nicht vorher gesehen hat, versuchen die Anhänger der Geiz-ist-geil- Mentalität, den Architektinnen eine Gratisleistung herauszulocken. Und dann noch ein Hinweis: Von anderen (jungen) Kolleginnen werde man auch noch ein paar Entwürfe bekommen, dann könne man vergleichen und sich entscheiden, wer letztendlich den Auftrag erhält.

Man stelle sich vor, man besäße die Unverfrorenheit und ginge zu drei Maßschneidern mit dem Ansinnen, bei jedem einen Anzug anfertigen zu lassen. Auch dann der Hinweis, dass nur derjenige bezahlt wird, der am besten gefällt. Die anderen könne der Hersteller gerne behalten. Man wird schneller bei der Tür draußen sein, als man reingekommen ist.

Den Bauherren, die nur einen Bautechniker suchen, der nach ihren Angaben einen Einreichplan zeichnen soll, sei daher geraten: Gehen sie in ein Technisches Büro! Den Bauherren, die vergleichen wollen, sei geraten: Fahren sie in die Blaue Lagune! Und den Kolleginnen, die gerne der Selbstausbeutung frönen und deshalb gratis arbeiten, sei geraten: Verlangt ein angemessenes Honorar! Oder ist Eure Leistung etwa nichts wert? (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.9.2007)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
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ein mensch
13.09.2007 22:09
Nochmals Niemand muss zum architekten, es gibt alternativen.

Wenn architekt, dann mit flexiblem angebot: einzelberatung bis schlüsselfertige übergabe (wenn’s geht schon beratung beim grundstückskauf).
Je kleiner die bauaufgabe, desto komplexer und aufwendiger.
Die idee der vorgedachten einfamilienhäuser wird schon lange verwirklicht – bei fertigteilhäusern.
Es ist völlig überzogen, jedem seine persönliche verwirklichung in extravaganza aufzubürden – serielle architektur kann wunderschön sein.
Wünschenswert ist, dass sich bauleute vor und während des bauprozesses mit architektur ernsthaft auseinandersetzen und möglichst viele vorurteile abbauen.
Dass einfamilienhäuser gesellschaftspolitisch der reale wahnsinn sind, dafür sind die rahmenbedingungen verantwortlich -aber das ist eine andere baustelle

unzahl
13.09.2007 17:05

In dieser Diskussion wird verschiedenes durcheinander gebracht!
1) Planung durch einen Architekten bringt sicher Vorteile, dies ist aber nicht Thema des Artikels!
2) Wenn ich einen ein Architektenhaus will, kann ich mir Entwürfe, Vorschläge ( keine fertige Planung) von mehreren Bewerben zu Vergleichszwecken einholen.
3) Zahlen muß ich aber wohl nur den, der den Autrag erhält, den Entwurf auszuplanen und dies auch fachgerecht tut.
4) Der Vergleich mit dem Schneider hinkt, weil ich einen nicht passenden Maßanzug sicher nicht bezahlen muß. Bei einem "nicht passenden" Architektenhaus ist das nicht mehr so sicher!

natoll
16.09.2007 08:38

wenn du beim schneider während der gesamten planungsphase dabei bist und am ende meinst die farbe gefällt dir nicht oder irgend etwas anderes was du vorher ja unbedingt wolltest, dann wirst du auch dort bezahlen müssen.

was ist eigentlich los mit euch? ihr alle wollt geld für eure arbeit. selbst aber nicht bereit das eigene loszulassen. das schafft unzufriedenheit für alle.

rohrspatz
13.09.2007 18:43
durcheinander bringen...

lieber herr unzahl
eben ihrem - in den punkten zwei und drei geäußerten - glauben muss entschieden widersprochen werden:

wenn sie einen entwurf einholen, so haben sie einen entscheidenden anteil des architektenleistungsbildes in anspruch genommen der auch bezahlt werden muss!

wenn sie mehrere architekten einladen sich einer vorselektion zu stellen so sollten sie nicht davon ausgehen die leistung der nicht zum auftrag kommenden nicht honorieren zu müssen.

wenn sie einen architekten suchen, so empfehle ich ihnen sich die referenzen anzuschauen und ein gespräch zu führen, das ist gratis, aber sicher nicht umsonst.

Antonius Birnstingl
13.09.2007 16:28
Meine Erfahrungen beim Hausumbau:

- Kostenkalkulation eingehalten. Alles was teurer wurde, waren unsere Mehrwünsche.
- täglich einmal auf der Baustelle
- Honorar (zugegeben: Freundschaftspreis) schon mit Dachstuhl herinnen. Bei normalem Honorar hätte er sich noch immer aufgrund der Ausschreibung bezahlt gemacht.

Würde immer wieder nur mit Architekt bauen, schließlich schneide ich mir meinen Blinddarm auch nicht selber raus, nur weil ich schon mal ein Jausenmesser gehalten habe ;-)

Äh.. ja, ich bin kein Architekt und bekomme für dieses Posting auch kein Geld.

RZugDZug
13.09.2007 15:21

30% Na da schauen bei einem durchschnittlichen EFH 100000 für den Architekten raus.
Wenn er echt 200h braucht ist das ein Stundensatz von 500€ wenn er meist nur 20 braucht was ich annehme dann sind das 5000 für die Stunde.
Ich habe vor Haus zu bauen den Grundriß und das Aussehen bringt jeder selber hin, ohne CAD-SW die ich leider nicht hatte dauert's halt etwas länger.
Von Bauphysik und Bauchemie haben sowieso die Meisten Architekten keine Ahnung.
Zeichnet eure Pläne selber und gebt das Geld lieber für besseres Baumaterial aus.
Falls noch wer ein EFH ich will ein Passivhaus bauen , können wir mal unsere Erfahrungen austauschen.

rohrspatz
13.09.2007 18:51
ihre zahlenspiele

sind nicht einmal an den haaren herbeigezogen, sondern schlicht und ergreifend falsch.
die planungskosten belaufen sich auf ca. 10% der baukosten. bei einem durchschnittlichen efh ist somit von einem planungs/bauaufsichtspaket von 30.000 euro die rede. dafür bekommen sie neben der bauplanung auch eine vernünftige ausschreibung und abrechnung der leistungen, was bei ihren rechenkünsten durchaus empfehlenwert wäre.

Drei Goschn Opa
13.09.2007 16:08
30% vom gesamthonorar

pi mal daumen also beispielsweise von 30.000 € gesamt 10.000, wenn's was schönes is.
sonst halt 7.000 von gesamt 20.000 oder was auch immer ausgemacht ist - eine verbindliche regelung gibt's schon länger nicht mehr - heutzutage wird verhandelt!

Sonder Form
13.09.2007 13:47
grundsätzlich zufrieden

grundsätzlich war ich mit der planung meines architekten zufrieden.
trotzdem 3 anmerkungen:

- honorarsätze in % der bausumme sind ein witz
- vorgaben á la: soviel budget ist zur verfügung werden von architekten grundsätzlich ignoriert
- zur bauaufsicht würde ich nie mehr einen architekten sondern einen baumeister engagieren

Drei Goschn Opa
13.09.2007 16:11
ein paar tipps hätt ich noch:

honorare werden verhandelt - die prozentsätze sind geschichte (fragen's in der ZT-kammer)

gesamtbausummen SIND einzuhalten - es sei denn, die baufrau will dauernd änderungen - ansonsten ist ab ca. 15% ein einklagbarer tatbestand (höchstgerichtsurteile) vorhanden

bauleitung: der eine kann dies besser, der andere das - gehst ja auch nicht zu einem schneider, wo du gehört hast, dass er meist den kragen zu weit macht...

natoll
13.09.2007 14:27

das problem bei deinem "baumeister" wird sein das er nur das verwendet was er kennt. da gibts keine innovation und keinen fortschritt. es wird das genommen wo am meisten geld zu verdienen ist.

das glaubst du nicht? tja, manche lernen nur durch erfahrung. beim hausbau gibts aber leider oft nur 1 chance ...

user 13
13.09.2007 16:36
Jetzt werden's aber unfair

Z'erst über den Kamm beschweren, über den die Architekten undifferenziert geschoren werden um dann alle Baumeister pauschal als Innovationsverweigerer hinzustellen. Stellen sie sich in die nächste Ecke zum Schämen.

natoll
16.09.2007 08:42

nenn mir einen einzigen baumeister mit firmennamen den du als wirklich innovativ bezeichnest und du hast gewonnen und ich stell mich in die ecke. nur einen einzigen.
wenn nicht, sprichst du über dinge von denen du keine ahnung hast.


user 13
16.09.2007 19:30

Waha.

Was hab ich jetzt gewonnen?

Und nein, ich bin nicht verwandt oder verschwägert und auch kein Kunde von denen.

ein mensch
16.09.2007 22:10
Innovativ ????

bestenfalls im marketing - na gut, ein trostpreis.

OttotheBusdriver
13.09.2007 12:36
Gehen sie in ein Technisches Büro!

Das hätte ich machen sollen anstatt einen "Architekten" mit der Sanierung/Umbau meines EFH zu beauftragen.

Das einzige was funktioniert hat war das Rechnungsschreiben, sonst mußte ich jeden seiner Handgriffe anordnen, nachfragen, urgieren und kontrollieren.

Lieblingsausspruch war "wie soll denn das gehen?" - worauf ichs ihm erklärt hab und er (irgendwann mal) es auch so gemacht hat.

War nicht ein NoName, der unterrichtet an der TU und schreibt Bücher!!

9 Monate alles hinausgezögert bis ich ihn rausgeschmissen hab.

Architekt - nie wieder!

Drei Goschn Opa
13.09.2007 16:14
bücher schreiben...

...ist halt nicht unbedingt der beste ausweis für die praxis ^^

falsch gewählt, aber man/frau sollte sich halt auch selber mal am wickel nehmen: man kauft halt kein auto, nur weil der lack so schön ist :)

natoll
13.09.2007 14:32

immer wieder witzig wenn manche eine ganze berufsgruppe über einen kamm scheren aufgrund einer einzigen(!) erfahrung (ob sie stimmt oder nicht kann ohnehin niemand kontrollieren).

sorry, aber das ist naiv und eigentlich lächerlich.

Roger Rabbit3
13.09.2007 13:54
Stimmt

Planen konnte unser Architekt super.
Bei der Wasserwaage mußten wir behilflich sein:
wenn das LuftBlaserl rechts hinauf geht, dann....

Wenn der Polier kichernd von der Baustelle kommt, hatte der Architekt wieder ein paar praxisnahe Hinweise gegeben.

Audimax
14.09.2007 07:39
Stimmt genau

Das sind auch genau meine Erfahrungen. Der Architekt kann ja leider nichts dafür, dass er keine Praxis hat, vielleicht wäre ein verpflichtendes Praxisjahr am Bau eine Lösung. Es ist halt immer ein Problem wenn wer was plant, was er selbst noch nie ausgeführt hat.

manfred nickelmann
13.09.2007 12:30

ich kenne einige menschen, die mit ihren häusern sehr unzufrieden sind (zu klobig, passen nicht in die landschaft usw.) ... diese häuser wurden nicht von architekten geplant ... sondern vom baumeister ...

mein professioneller (kostenloser) rat an die architektenschaft: werdet bürgernäher ... sprecht die sprache der bauherrn/-herrinen!!! ändert euer honora von %-sätzen zu fixpreisen ... leider muss in diesem zusammenhang auch der architektonische anspruch herabgesetzt werden weil diese klientel einen anderen zugang hat als der architekt ... die leute nicht gleich abwerten, wenn sie eine etwas andere vorstellung von schönheit haben ... nur so schafft die architektenschaft eine akzeptanz in der bevölkerung u. aquiriert mehr kundschaft

marie berg
13.09.2007 12:27
der vergleich mit

den maßschneidern hinkt doch sehr. es werden ja nicht 3 häuser gebaut und nur eins bezahlt! einen "entwurf" für einen anzug bekommt man jedoch bei einem schneider allemal. ein wenig zu kurz gedacht, die gute!

natoll
13.09.2007 14:33

falsch, einen detailentwurf wirst du auch von deinem schneider nicht bekommen. niemand gibts kostenlos dinge aus der hand die der "kunde" dann woanders produzieren lässt.

rohrspatz
13.09.2007 13:34
die goldwaage

der schneider lebt aber auch vom anfertigen der anzüge, der architekt von der planungsleistung. ein wenig kurz gedacht - sie gute!

marie berg
14.09.2007 11:20
ja und?

im artikel wurde das anfertigen von anzügen mit dem planen von häusern verglichen ... ein schlechter artikel mit einem noch viel schlechteren vergleich.

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