Umfrage: Für 54 Prozent sind Koalitionsstreitigkeiten "normal"

1. Oktober 2007, 11:49
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Große Mehrheit glaubt nicht an baldige Neuwahlen - Koalitionsstreitereien als "neue politische Kultur" - mit Infografik

Wien - Den Koalitionsstreitigkeiten zum Trotz glaubt mehr als zwei Drittel der Österreicher nicht an baldige Neuwahlen. Laut einer Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) schätzen 54 Prozent der Befragten den Grad der Auseinandersetzungen innerhalb der Koalition als "normal" ein, 62 Prozent können nicht mehr Streit als früher erkennen. Für SWS-Obmann-Stellvertreter Herbert Skarke war am Mittwoch bei einer Pressekonferenz das ein Indiz dafür, dass die Streitereien als "neue politische Kultur" akzeptiert würden.

Journalisten dramatisieren

Die Daten wurden im Juni und August erhoben, 1.000 Österreicher wurden Face-to-Face befragt. Demnach glauben knapp Dreiviertel aller Befragten, dass die Auseinandersetzungen innerhalb der Regierung von den Journalisten dramatisiert werden. Eine Auswertung nach Parteipräferenz ergab außerdem, dass von den Sympathisanten für eine der beiden Regierungsparteien nur ein Viertel an die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen vor dem regulären Wahltermin 2010 glaubt. Die Auseinandersetzungen in der Regierung schätzen ÖVP-Sympathisanten mit 64 Prozent als normal ein (SPÖ-Anhänger: 55 Prozent). Auch glauben ÖVP-Anhänger zu mehr als zwei Drittel, dass es nicht mehr Streit gibt als früher (SPÖ-Anhänger: 62 Prozent).

Stammwähler

Auch die Parteienlandschaft war Gegenstand der Untersuchung. Demnach können SPÖ und ÖVP mit je 70 Prozent auf die meisten Stammwähler verweisen. Bei den Grünen gaben 61 Prozent der früheren Sympathisanten an, auch derzeit diese Partei zu präferieren. Eine geringe Stammwählerschaft verzeichnet die FPÖ mit 37 Prozent, diese konnte ihre Stammwählerschaft aber innerhalb von zwei Monaten um 13 Prozent steigern. Mit 85 Prozent "Behalterate" konnte auch die Gruppe der Nichtwähler leicht zulegen.

Eurofighter abschießen

Beim koalitionären Dauerthema Eurofighter befürworteten die Befragten zu 72 Prozent, dass im Falle eines in den heimischen Luftraum eingedrungenen nicht identifizierten Flugzeugs dieses lediglich fotografiert werden solle, 92 Prozent sind der Ansicht, der Pilot des fremden Flugzeugs solle per Funkt gewarnt werden. Interessanterweise sprechen sich 25 Prozent der ÖVP-Sympathisanten dafür aus, dass in einem solchen Fall das Flugzeug abgeschossen werden solle, SPÖ-Anhänger wünschen sich das nur zu elf Prozent. Die Gesamtheit der Bevölkerung wünscht sich derart rigide militärische Maßnahmen zu 17 Prozent.

Europäische Armee unwichtig

Beim Thema EU ist für 94 Prozent der Befragten die Bekämpfung der organisierten Kriminalität "wichtig". Aber auch die Sicherung der Arbeitsplätze (91 Prozent) und der Umwelt- und Klimaschutz (92 Prozent) ist den Österreichern "wichtig". Außenpolitische Themen wie etwa den Aufbau einer europäischen Armee schätzt die Mehrheit als unwichtig ein. (APA)

  • Den Koalitionsstreitigkeiten zum Trotz glaubt mehr als zwei Drittel der Österreicher nicht an baldige Neuwahlen.
    foto: matthias cremer

    Den Koalitionsstreitigkeiten zum Trotz glaubt mehr als zwei Drittel der Österreicher nicht an baldige Neuwahlen.

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