GPS-Tempomesser im Test: Fuß am Boden schlägt Satellit im All

21. September 2007, 10:55
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Polars GPS-Tempomesser für Läufer macht eher Radler und Skater glücklich

Eine Minute und 41 Sekunden sind ganz gut. Nicht nur für Hobbyläufer: Wer für einen Kilometer exakt 101 Sekunden braucht, wäre auf 100 Meter so schnell wie Andreas Berger 1988: Berger brauchte 10,15 Sekunden - das ist bis heute Österreich-Rekord.

Lustig

Wenn also ein Hobbyläufer nach einem 15-Kilometer-Lauf auf seiner Laufuhr dieses Tempo als (wenn auch nur kurz) gelaufene Höchstgeschwindigkeit sieht, hat er die Wahl: jubeln - oder am Messequipment zweifeln. Doch wenn er vorher - während des Laufes bei gleichmäßigem Tempo - Kilometerzeiten zwischen drei und 27 (!) Minuten abgelesen hat, wird wohl etwas am Gerät nicht stimmen. Bei einem Preis von 479 Euro für Uhr, Puls- und Temposonde nicht lustig.

Nur: Das Tempogerät, die von Polar, dem globalen Marktführer für Sport-Herzfrequenzmonitoring, soeben auf den Markt gebrachte GPS-Sonde "G3", funktioniert. Und zwar präzise: Am Ende jedes Trainings stimmten im Standard-Test jene Daten, auf die es tatsächlich ankommt (etwa Distanz, Durchschnittstempo, Höhenunterschied) immer - nur bei den Moment- und Spitzenwerten hapert es halt. Aber das dafür massiv.

Grund

Der Grund dafür ist nicht neu. Und die finnischen Messgerätehersteller selbst haben jahrelang auf ihn hingewiesen, wenn sie erklärten, wieso sie Läufer ihr Tempo bisher stets mit Trägheitssonden am Schuh messen ließen: Schuh-Sensoren messen Beschleunigungswerte am Fuß - und funken sie an die Uhr an des Läufers Handgelenk. Das tut auch die GPS-Sonde am Oberarm - doch schon ein dünnes Blätterdach genügt, den Kontakt zu einem Satelliten zu unterbrechen. Bei der Auswertung daheim wird das zwar "rausgerechnet", aber wer gewohnt ist, unterwegs präzise Daten zu haben, fühlt sich gefrozzelt.

Ein teurer Pflanz also? Nein. Denn der G3-Sensor ist trotzdem ein Fortschritt. Weil nun auch Hobbysportler, die mehr als eine Sportart ausüben, erreicht werden: Für Radfahrer fehlte bislang die (leistbare) Schnittstelle zur Lauf-Hardware. Skater, Kanuten oder Langläufer konnten wenig mehr als Pulswerte auslesen. Darum heißt das Satelliten-Set (RS800g3) auch "Multisportcomputer". Wer aber nur läuft, ist mit dem (gleich teuren) älteren Fuß-Set (RS800sd) besser dran. Auch, weil Umrüsten zwischen den Sonden (à 129,90 Euro) kinderleicht ist. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 12. septmber 2007)

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Polar

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