Auf schnellstem Weg ins Grüne

    15. September 2007, 12:49
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    Bei der Autoschau in Frankfurt dreht sich heuer alles ums Umweltbewusstsein - Hybrid- und Elektroantriebe pflastern die Show

    Zuerst hüpften mit Herbstblättern behängte Tanzfaune über die einer Autobahn nachempfundene Bühne, dann kamen die Elfen und die lebenden Bäume, schließlich wurden die mitgebrachten Zweige zu einem stilisierten Auto zusammengesteckt. Die Show von Mercedes-Benz, mit der der frisch geschiedene Stuttgarter Hersteller bei der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt zur Umweltoffensive blies, war atemberaubend.

    Modellfeuerwerk

    Die Schwaben zeigten 19 Modelle, vom Forschungsfahrzeug F700 mit "Diesotto"-Motor (5,3 Liter Benzinverbrauch pro 100 km) über den "Elektro-Smart" (geht in London in den Praxistest) bis zum E300 Bluetec (7,3 Liter Diesel). Am Schluss der Show wagnerianische Posaunen-Fanfaren – eine Machtdemonstration, die nichts anderes heißen sollte als: Aufgepasst, Toyota, den Titel des Allergrünsten wollen wir.

    Toyota, mit General Motors größter Autokonzern der Welt und Pionier des Hybrid-Antriebs, gilt deutschen Autokäufern laut einer Umfrage als grünste Automarke. Ein Viertel der Befragten sind der Meinung, Toyota würde "besonders umweltfreundliche Autos" bauen. Von Volkswagen glauben das nur neun Prozent. Auf Platz drei steht BMW (sieben Prozent) vor Audi (sechs Prozent), Opel (5,5 Prozent), Peugeot (fünf Prozent). Mercedes schafft es mit 4,6 Prozent gerade auf Platz sieben.

    Grün, grün, grün

    Also hat man die Posaunen ausgepackt. Selbst das Flaggschiff S-Klasse soll ab 2010 mit einem Diesel-Hybridmotor nur 5,4 Liter Sprit pro 100 Kilometer verbrennen. "Damit die Politiker auch wissen, was sie künftig fahren können", sagte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche.

    Auch die Konkurrenz aus Bayern fährt Vollgas ins Grüne: BMW will "best in class" beim CO2-Ausstoß der Kompakt- und Mittelklasseautos werden. Außerdem wurde bekräftigt, dass unter der Einser-Reihe ein Kleinwagen gebaut wird. Audi rittert mit Mercedes um den Titel "sauberster Diesel der Welt" – im neuen A4 kommt ein Zweilitermotor, der 130 Gramm CO2 pro Kilometer entlässt, Mercedes schafft mit dem E300 127 Gramm.

    Kein PR-Gag

    Bob Lutz, General-Motors-Spitzenmanager, sagte bei der Vorstellung eines Opel-Elektroauto-Konzepts: "Die Leute kaufen heute Toyota, nicht weil sie einen Prius haben wollen, sondern weil es den Prius gibt." Diese Kommunikationsleistung mit dem Hybridauto sei beeindruckend gewesen. Er will aber den Vorstoß von GM in Richtung E-Auto "nicht als PR-Gag" verstanden wissen.

    "Das Ziel ist 2010", sagte er, gefragt nach einem Serienstart des Wagens. Frank Weber, Baureihenleiter des Konzeptes "Flextreme", zum STANDARD: "Der Wagen kommt im Messzyklus auf einen CO2-Ausstoß von 40 g pro Kilometer."

    >>>Und Volkswagen?

    Ein eingebauter kleiner Dieselmotor betreibe nie den Wagen, sondern lade die Batterie auf, damit dieser 55 km gefahren werden könnte. Es werde derzeit aber mit zwei Batterieherstellern – LG Chem (Korea) und A123 (USA) – geforscht und entwickelt, was Reichweite, Lebensdauer, Recycling und Entsorgungssysteme der Lithium-Ionen-Batterien betrifft.

    Europas größter Hersteller, Volkswagen, will zwar ins Konzert der Grünbewegten einstimmen, betont aber, dass es "normale" Autos auch noch gibt. "Wir bestreiten den ganzen Bogen zwischen Ökologie und Faszination", sagte Konzernchef Martin Winterkorn.

    Ideen bei Nacht

    Unter dem Motto "Nacht der Driving Ideas" wurden acht Weltneuheiten präsentiert, vom Vorläufer einer neuen Generation von Öko-Stadtflitzern bis zur eine Million Euro (ohne Steuern) kostenden Sonderserie des Lamborghini Murceliago, die sich stilistisch am US-Stealth-Kampfjet F22 Raptor orientiert.

    Ökologie ganz oben

    Winterkorn bekräftigte, dass bei VW Ökologie schon immer „an oberster Stelle“ stehe, ohne dass man in Aktionismus verfalle. Er verwies auf die (vom Markt abgelehnten) 3-Liter-Autos von VW und Audi sowie den Ausbau der Energiesparstrategie bei den Konzernmarken ("BlueMotion" etc.).

    Ultrakompakte Ansage

    Die Kleinwagen-Studie "Up!" – 3,45 Meter kurz, Platz für vier – ist Vorbote einer Modellfamilie ultrakompakter VW-Fahrzeuge und Winterkorns erstes eigenes Projekt seit seiner Regentschaft in Wolfsburg.

    Angepeilt sind einerseits Verbrauchswerte von unter drei Litern auf 100 Kilometern, andererseits sollen sie in Europas engen Städten reüssieren, wie auch in Riesenmärkten wie China und Indien, die sich rasant entwickeln. (Andreas Stockinger und Leo Szemeliker aus Frankfurt, 12.9.2007)

    Lesen Sie ab sofort auf derStandard.at/Automobil sowie am Freitag im Automobilteil des STANDARD alles zu den neuen Modellen auf der IAA.

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      Wenn das Herbstlaub raschelt, dann kann es nur ein Auto sein. Zumindest auf der IAA 2007.

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      Der Flextreme. GMs Stromlinie mit Elektromotor.

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      Smarte Rollschuhe, rollender Smart: in London mit Elektroantrieb zu erleben.

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      Mercedes F700, ein Forschungsfahrzeug in der Größe einer Luxuslimousine.

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