Geistesblitz: Der Zauber der Zellteilung

11. September 2007, 20:49
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Der Zellbiologe Mark Petronczki macht international Karriere: er ist Gruppenleiter am Londoner Institut von Cancer Research UK

Die Zellteilung durch das Mikroskop anzuschauen, sei aufregend und wunderschön. Augenzeuge Mark Petronczki widmet sich ihrer Erforschung aber auch deshalb, weil sie die Basis des Leben ist: "Vermutlich hat sich die erste Zelle auf diesem Planeten anders geteilt als Tiere, Pflanzen oder Bakterien heute. Aber sie musste es tun, um sich zu vermehren."

Den neuen Gruppenleiter am renommierten Londoner Institut von Cancer Research UK interessiert, wie die letzte Phase der Zellteilung, die Zytokinese, mechanistisch funktioniert. Denn nach der Trennung des genetischen Materials, muss sich auch das Zellinnere samt Hülle "in einem genau regulierten Prozess trennen", so der Zellbiologe.

Er will herausfinden, welche Moleküle und Signalwege eine Rolle spielen und welche Folgen Fehler haben. Denn wer die Zellteilung blockieren oder beeinflussen kann, verfolgt einen viel versprechenden Ansatz bei der Therapie von Krebserkrankungen.

Die Grundlagen für das Fach Genetik wurden schon im Gymnasium gelegt. Nach dem Studium an der Uni Wien nützte der Oberpullendorfer die Zeit bis zur weiteren Karriere am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) für einen Aufenthalt im Wellcome Trust Institut in Cambridge. Dort schnupperte Petronczki dann rund 15 Stunden pro Tag in das Forscherdasein hinein.

Das IMP arbeitet mit exzellenter Ausrüstung, Möglichkeiten und Mitteln, denn Boehringer Ingelheim finanziert einen Großteil der Forschung: "Der Erfolgsdruck ist hoch, aber die Atmosphäre und der Output stimmen", so der 30-Jährige.

Der Aufstieg zum Gruppenleiter ist ein großer Karrieresprung und zugleich "Riesen-Herausforderung und Chance". Die Arbeitsinhalte werden sich verschieben: Nahmen Forschung und Experimente bisher 100 Prozent der Zeit ein, sinkt der Anteil in Zukunft wohl auf die Hälfte. Der junge Teamleiter ist froh, dass er sich zunächst voll auf den Aufbau seiner Gruppe mit guten Leuten konzentrieren kann, denn die Forschungsmittel sind für die ersten Jahre gesichert.

Der unaussprechliche Nachname hat ihn nicht vom Publizieren in Topjournalen abgehalten. Neben Kreativität, Glück und Durchhaltevermögen hält er die Fähigkeit, neue Querverbindungen zwischen bekannten Fakten herzustellen, für wichtig.

Forscher herein holen

Auch seine Frau, die in England als PostDoc anfangen wird, lernte er am IMP kennen, wo er sich sieben Tage die Woche aufhielt: "Seit ich Familie habe, teile ich meine Zeit besser ein." War ihm anfangs nur die wissenschaftliche Erkenntnis wichtig, ist es heute auch "ein gutes Gefühl, Prozesse aufzuklären, deren Verständnis dem Wohl der Menschen dienen könnte". Selbst Teil des Brain Drain plädiert er dafür, zum Ausgleich junge internationale Spitzenforscher nach Wien zu holen. IMP und IMBA waren darin Vorreiter, die Max F. Perutz Laboratories der Uni Wien sieht er auf einem guten Weg.

Seine neue Arbeitsstätte liegt nördlich von London neben einem Teich, wo sich Enten und Hasen Gute Nacht sagen. Dort wird der ehrgeizige Sandplatz-Tennisspieler Aufschlag und Volley verbessern müssen, um auch auf dem Rasen zu reüssieren. Außerdem hört er gerne Musik und geht mit seinem 18 Monate alten Sohn viel in Park und Zoo. Ob sich da bereits eine Leidenschaft für Biologie abzeichnet? (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2007)

  • Erst 30 und schon Gruppenleiter an einem Top-Institut: Mark Petronczki.
    foto: der standard/imp/imba

    Erst 30 und schon Gruppenleiter an einem Top-Institut: Mark Petronczki.

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