Eine Ahnung vom Strom der Zeit

Redaktion, 11. September 2007, 20:17
  • Artikelbild
    foto: der standard/cuhaj

    Der Verbund will Energie aus Wasserkraft nachhaltig nützen und verwendet daher Vorhersagemodelle. Der Zweck? Der Strom-anbieter spart damit Geld.

Mit künstlicher Intelligenz lässt sich Wasserkraft planen und recht genau vorher­sagen, wie viel Energie in Flüssen steckt

Mit künstlicher Intelligenz können Stromanbieter Wasserkraft planbar machen. Sie schauen in die Zukunft und sagen ziemlich genau voraus, wie viel Energie in Flüssen steckt. Auch Wetterfrösche jubeln: Mit dem gleichen Tool lassen sich genauere regionale Prognosen erstellen.

*****

Überraschungen mögen Klaus Hebenstreit und Robert Spolwind ganz und gar nicht. Jedenfalls nicht solche, die sich auf die Entwicklung der Pegelstände von Österreichs Flüssen beziehen. Denn wie viel Strom die beiden Wasserkraftexperten des Verbunds in das österreichische Netz einspeisen können, hängt von der Wassermenge in Donau, Drau oder Inn ab. "Man kann die Energie nur nachhaltig nutzen, wenn man vorher weiß, wie viel Energie im Fluss zur Verfügung steht", sagt Hebenstreit. Strom in Mengen, die zur Versorgung von Millionen von Haushalten ausreichen, habe nämlich die unangenehme Eigenschaft, dass er nicht mehr gespeichert werden könne. Die Kunst sei, gerade so viel zu produzieren, wie auch tatsächlich gebraucht wird. Batterien seien da jedenfalls undenkbar.

Besser planen

Um besser planen zu können, müssen die Stromerzeuger daher jeden Tag aufs Neue anmelden, wie viel Strom sie ins das öffentliche Netz einspeisen wollen. "Große Abweichungen von diesem Wert haben ernst zu nehmende finanzielle Konsequenzen", so Spolwind. "Und zwar auch wenn wir zu viel produzieren." Es kommt daher darauf an, dass sie die Pegelstände möglichst exakt voraussagen können.

Seit ungefähr einem Monat wachen die Experten daher nun mithilfe von künstlichen neuronalen Netzen (KNNs) über die Wasserstände. "Unser Prognosemodell basiert auf verschiedenen Modulen mit unterschiedlicher Vorhersagedauer, die in Kooperationen mit der Universität für Bodenkultur und der Technischen Universität Wien entstanden sind", sagt Hebenstreit, " es hat sich nach wenigen Wochen Einsatz gezeigt, dass wir mit den KNNs noch präziser in unseren kurzfristigen Voraussagen werden können."

In Österreich ist das besonders wichtig, da Strom aus Wasserkraft die tragende Säule der Energieversorgung des Landes ist. Der Anteil liegt bei rund 60 Prozent. Besonders für die so genannten Laufkraftwerke, die rund um die Uhr Strom zur Deckung der Grundlast erzeugen, sei die neue Methode gedacht, so Spolwind. Bei dieser Art der Stromerzeugung versetzt die Energie des strömenden Wassers Turbinen in den Flüssen in Bewegung. Speicherkraftwerke in den Bergen dienen dagegen eher zur Deckung von Bedarfsspitzen. Hier könne länger im Voraus geplant werden, sagt Hebenstreit.

"Mit den ersten Arbeiten zu diesem Projekt haben wir vor rund zwei Jahren begonnen", sagt Thomas Natschläger, der als Experte für KNNs vom Software Competence Center Hagenberg (SCCH) an dem neuen Prognosemodell mitgearbeitet hat. "Diese Methode breitet sich in immer mehr Bereichen aus", so der Experte.

Kein Allheilmittel

Die KNNs seien allerdings kein Allheilmittel, warnt er. Bei der Prognose der Zuflussmengen könne man das Berechnungsverfahren aus zwei Gründen, die auch allgemein gültig seien, sehr gut einsetzen. Zum Ersten sei die Fragestellung entscheidend: Die Netze kommen überall da gut zum Zuge, wo man an einer möglichst exakten Prognose interessiert ist, ohne allerdings im Detail verstehen zu müssen, wie das Ergebnis berechnet wird, erklärt Natschläger. Für einen Prozess zur Papiererzeugung, bei dem man die genauen Rohstoffparameter, wie zum Beispiel Zellulose-, Wasser- und Füllstoffanteil wissen möchte, um ein optimal bedruckbares Papier herzustellen, sei die Methode nicht geeignet.

Bei der Pegelstandsvorhersage sei es durch die Komplexität der Zusammenhänge zudem gar nicht möglich, zu verstehen, welche der Einflussgrößen welche Auswirkungen haben. "Was zählt, ist das Ergebnis der Prognose", sagt Natschläger. Der Rest sei für die Zwecke des Verbundes nicht so wichtig. Zum Zweiten braucht man eine möglichst große Datenbasis, um die Netze trainieren zu können, erklärt der Experte.

Dabei konnten die Experten auf die historischen Daten der Pegelstände, Temperaturen und Niederschläge von über zehn Jahren zurückgreifen. Die zunächst nur grob mathematisch dargestellten Zusammenhänge zwischen diesen Einflussgrößen und der exakten Durchflussmenge und der Fließgeschwindigkeit an der Stelle eines Laufkraftwerkes wurden mithilfe dieser Daten auf die Pegelstandsfrage angepasst. "Wir wussten die genauen Eingabegrößen - und auch die genauen Zuflussmengen nach sechs Stunden. Die Idee ist nun, einen Optimierungsalgorithmus über die groben Formelzusammenhänge laufen zu lassen", sagt Natschläger.

Dabei wird das KNN so angepasst, dass es für unzählige solcher bekannten Datensätze das richtige Ergebnis aufweist. "Man geht dann davon aus, dass das Modell auch Pegelstände, die noch einige Stunden in der Zukunft liegen, präzise bestimmen kann", so der Softwareentwickler. Tatsächlich seien die Ergebnisse im Kurzfristbereich äußerst viel versprechend, sagt Spolwind. Ihr Kurzfristprognosenmodell könne mit neuen Datensätzen zudem fortlaufend verbessert werden. "Zurzeit schauen wir, inwieweit man die KNN auch für Prognosehorizonte von einigen Tagen einsetzen kann", sagt Hebenstreit.

In der Wettervorhersage kennt man die künstlichen neuronalen Netze zwar schon länger, aber erst jetzt beginnt man sie mehr und mehr auch einzusetzen. Wolfgang Traunmüller, Meteorologe bei der Firma Blue Sky Wetteranalysen, arbeitet daran, die Methode für die bessere Vorhersage des lokalen Wetters anzupassen. "Die gängigen meteorologischen Modelle berücksichtigen lokale geografische Rahmenbedingungen nicht oder nur in sehr eingeschränktem Maße. Das gilt insbesondere für das Alpenvorland mit kleinen Nebeninseln oder örtlich begrenzten Starkregengebieten. "Mithilfe der KNNs erreichen wir deutlich bessere Prognosen, vor allem in der Temperatur", sagt Traunmüller. (Denis Dilba/DER STANDARD, Printausgabe, 12.9.2007)

Kommentar posten
14 Postings
Mario Sedlak
Mario Sedlak
 
00
14.9.2007, 22:07
Laufkraftwerke

Laufkraftwerke verwenden nicht direkt "die Energie des strömenden Wassers" sondern sie stauen den Fluss ein wenig und verwenden die Höhendifferenz, um die Turbinen anzutreiben.

mikromalist
 
00
12.9.2007, 10:05
Ganz naiv,

wenn ich bei meinem Fenster hinaus sehe, sehe ich eine momentan "mächtig dräuende" Donau. Ich kann mir vorstellen, dass solche Prognosen nicht nur eine Absatz-Finanz Optimierung unterstützen, sondern auch eine Optimierung der Produktionskette (Donau-Inn-Enns-kraftwerke) bei gleichzeitiger bestmöglcher Vermeidung von Überschemmwungen?
Jedenfalls von mir, bravo Verbund!

Zugegeben, ein Technologiefreak.

gourmet
00
12.9.2007, 10:59

Das ganze nennt sich Kraftwerkeinsatzplanung oder "unit commitment". Es geht dabei darum das Wasser dann abzuarbeiten, wenn es am meisten Geld bringt, unter Beachtung von Nebenbedingungen wie der von Ihnen angesprochene Überschwemmungsschutz. Das ist Aufgrund der langen Fließzeiten ein sehr schwieriges Unterfangen, vom Verbund weiß ich das dort für eine 4 Tage Optimierung im 1h Raster ca. 280k Gleichungen mit 400k Variablen zu lösen sind. Damit das ganze auch sinnvolle Ergebnisse, ist neben zu einer guten Wasserstandsprognose auch eine gute Lastprognose von Nöten.

mikromalist
 
00
12.9.2007, 11:12
Danke! Nur ganz theoretisch.

Die Umkehrung jeder Prognose (eines Input/Output-Zusamnenhanges) ist Steuerung.
A. Ich prognostiziere genau das was ich liefern kann.
B. Ich steuere darauf hin was ich liefern möchte.
Beides unter den Rahmenbedingungen (gesetzliche Maximalpegel,....)

Auch eine aufgefädelte Kette von Produktionseinheiten ist (bei vielen Einflussfaktoren) nicht so leicht zu optimieren.
(nicht lineare Welleneffekte?...)
Prognosen sind ein toller (erster?) Schritt.

Ich bin begeistert.

K.P.S.
190
11.9.2007, 22:12
Wasser ist selbst Treibstoff ....

... insofern ist diese Methode zwar nett, geht aber an sen neuesten Erkenntnissen vorbei, wonach in jedem Liter Wasser leicht löslich 1860 Liter hochbrennbares und sehr energiereiches Gas stecken, das dann nicht explodiert aber in der Verbrennung implodiert und wieder zu Wasser wird. Dieses neue Verfahren wird die Energiewelt auf den Kopf stellen, Öl und Atom entthronen und aus Billigkeitsgründen auch so manches Windrad und die Photovoltaik in den Schatten stellen. Da das Gas anders als alles andere ist, kann man damit zum Beispiel auch unter Wasser schweissen und je nach Material bis zu 5.000 Grad C erreichen. Ideal für stahlverarbeitende Betriebe, für Glaserzeuger, für Juweliere Details bei ses1@gmx.net erfragen !

Charles Duchemin
00
12.9.2007, 13:43
Aber eine Frage hätte ich dann doch noch...

... wenn Ihre Methode so bahnbrechend und revolutionär ist, warum habens es dann notwendig, hier dafür zu werben?

Späthippie in völliger Verblödung
00
12.9.2007, 10:36

Schauberger?

K.P.S.
00
12.9.2007, 11:11
Leider nein Schauberger ....

... Späthippies werden aber trotzdem ihre Freude dran haben. Leider hat der Standard - Zensor meine detailierteren Hinweise auf eine der Reaktionen mit Daten zu Youtube-Filmen, die das belegen, nicht "durchgehen" lassen. 2. Versuch:
http://www.youtube.com/watch?v=IhSP8b1OBAg
Viel Glück !

Charles Duchemin
01
12.9.2007, 00:10
gäähn

und wie bekommens den wasserstoff ohne größerem energieaufwand aus dem wasser?

Erich Hofbauer
00
12.9.2007, 09:28

jo, und damit treibst dann das Wasserauto an

Daddy1951
 
02
12.9.2007, 09:12

Bitte lass ihm doch seine Genialität ;-)

K.P.S.
10
12.9.2007, 06:31
..wenn Sie ausgegähnt haben ...

... werden Sie vielleicht aufwachen und entdecken, dass die Erde doch keine Scheibe ist! Auch die Physiker mussten umlernen und sich von Praktikern überzeugen lassen, dass ihre Ansätze nach den Berechnungen gemäß den thermodynamischen Gesetzen falsch waren, eben weil Wasser nicht neutral sondern selbst auch Energie ist. Vielleicht kann dieses Video Sie munter machen:
http://www.hotlinkfiles.com/browse/sr... ofni/33693
oder das:
http://www.youtube.com/watch?v=QapY-I8tJJI
Guten Morgen Österreich ! Mehr Details auf Anfrage: ses1@gmx.net

MKF1
 
00
12.9.2007, 13:43
rechts oder linksdrehend..

wir reden beide von H2O?
haben die Chemiker einen wesentliche Bestandteil bisher übersehen?
Und auf welches thermodynamische Gesetz, das angeblich falsch ist beziehen Sie sich?
aber wahrscheinlich haben Sie sich nur im Datum vertan, der 1. April tät passen.
Von mir jedenfalls 1.Platz für den Unsinn des Jahres

Grisu der kleine Drache
01
12.9.2007, 11:58

Ich bin Physiker. Und ich habe nicht nur nicht umgelernt, sondern bin überzeugt, dass es sich hierbei um billigste Scharlatanerie handelt.

Basis für Wissenschaft sind überprüfbare Experimente, nicht pseudowissenschaftliches Blabla und Videos auf youtube.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.