Übernahme-Ziel von Telekom Austria in Weißrussland steht fest

21. September 2007, 10:51
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MDC/Velcom bestätigt Verkaufspläne Minsks - Konkurrent und Marktführer MTS schließt Verkauf aus - Velcom-Kaufpreis laut Zeitung unter 1,6 Mrd. Euro

Nach Spekulationen in den vergangenen Tagen steht das Übernahmeziel der Telekom Austria in Weißrussland nun fest. Für den weißrussische Marktführer MTS hat der gleichnamige russische Miteigentümer am Dienstagabend einen Verkauf dezidiert ausgeschlossen. "Das weißrussische Projekt ist eines der erfolgreichsten in der MTS-Gruppe. Daher sind wir nicht daran interessiert, unsere Anteile an JLLC MTS (Weißrussland) zu verkaufen", erklärte ein Sprecher der Konzernzentrale in Moskau auf Anfrage der APA.

Bestätigung

Übrig damit die Nummer zwei am Markt - MDC/Velcom. Eine Sprecherin des Unternehmens hat am Dienstag in Minsk auf APA-Anfrage bestätigt, dass die weißrussische Regierung bei einem entsprechenden Angebot bereit sei ihren Mehrheitsanteile zu verkaufen. Vor zwei Wochen hatte die weißrussische Nachrichtenagentur BelTA unter Berufung auf die Pressestelle berichtet, dass die Regierung in Minsk dem Velcom-Miteigentümer, der zypriotischen SB Telecom bereits den Zuschlag erteilt habe. Das wollte die Sprecherin am Dienstag noch nicht bestätigen: "Wir haben nie bestätigt, dass die Staatsanteile bereits an SB Telecom verkauft worden sind", versicherte sie.

Direkte Verhandlungen

Die "Presse" berichtet allerdings am Mittwoch unter Berufung auf Finanzkreise, dass die Telekom Austria die Verhandlungen bereits direkt mit dem neuen Eigentümer führe. Wie berichtet soll auch der österreichische Investor Martin Schlaff als Türöffner dabei sein. Hinter SB Telecom steht der syrische Staatsbürger Id Samauwi, der seit Jahren intensive Beziehungen mit Weißrussland unterhält.

Der bisher in Finanzkreisen kursierende Übernahme-Preis von mehr als 1,6 Mrd. Euro dürfte indes laut Zeitung zu hoch gegriffen sein. Die "Presse" spricht von einer Größenordnung in Höhe von 1,2 Mrd. Euro. Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hatte bei einer Pressekonferenz im April gesagt, dass der damalige 51-Prozent-Staatsanteil zwischen 300 und 500 Mio. Dollar wert sei. Der Velcom-Vorsitzende und frühere Siemens-Manager Kai Übach hat das allerdings nachher relativiert. Den Unternehmenswert zu bemessen, sei relativ kompliziert. "Der Preis wird durch viele Faktoren beeinflusst", so Übach laut BelTA vor Kurzem.

Markt

Velcom verfügt laut J.P. Morgan über 43 Prozent Marktanteil und 2,9 Mio. Kunden. Marktführer MTS kommt auf über 3,6 Mio. Kunden und 52 Prozent Marktanteil.

Die Telekom Austria hatte am Montag bestätigt, dass sie in Verhandlungen über einen Einstieg in Weißrussland stehe. Zum Übernahmeziel und zum Kaufpreis hat die Telekom dabei keine Angaben gemacht. Allerdings betonte das Management, dass sie weiterhin nur "profitabel wachsen" wolle und sich weiter "der in der Vergangenheit wiederholt unter Beweis gestellten Finanzdisziplin verpflichtet" fühle. Die Telekom Austria-Aktie ist am Dienstag um 1,19 Prozent auf 18,73 Euro gestiegen.

In fünf bis sechs Wochen

Für 2. Oktober hat die Telekom Austria eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung angesetzt. Laut "Presse" könnte der Deal in fünf bis sechs Wochen abgeschlossen sein.(APA)

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