Das Eva-Prinzip und die NDR-Logik

17. November 2007, 17:55
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Frau Herman ist sehr blond und nicht sehr helle und taugt deswegen bestens als Opfer der symbolischen Antifa - Von Henryk Broder

Was also tat Eva Herman, um das abrupte Ende ihrer Anstellung zu provozieren? Nach der Kündigung erklärte Hermanns Vorgesetzter beim Fernsehen: "Frau Herman steht es frei, ihren ,Mutterkreuzzug' fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren." Ihre Äußerungen wirkten polarisierend.

Nun heißt der Beruf, den sie ausübte, zwar "Moderatorin". Er hat aber, zumindest wenn es um das Betreiben von Talkshows geht, wenig mit Mäßigung zu tun, um so mehr aber mit dem Erfinden, der Organisation und dem Anheizen von allzu oft nur scheinbaren Konflikten - also sehr dezidiert mit dem "Polarisieren". Wenn der Norddeutsche Rundfunk ihr nun vorwirft, sie sei aus ihrer "Rolle als Moderatorin" gefallen, verfälscht der Sender eine Aufgabe, von der alle wissen, das sie sehr viel mehr mit dem Abbau von Hemmungen zu tun hat als mit der pastoralen Besonnenheit, die er jetzt scheinheilig verlangt. Anders gesagt: den tiefen Graben, der sich zwischen Eva Herman, der Angestellten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, und Eva Herman, der Buchautorin und Fanatikerin der Mutterschaft, ziehen soll - es gibt ihn nicht. Alles, was sie tut, besteht darin, dem medialen Prinzip des entfesselten Geplappers zu gehorchen. Ihr fataler Irrtum aber bestand darin zu meinen, ihre Enthemmung nicht nur zugunsten des Senders, sondern auch um ihrer selbst willen betreiben zu dürfen. (Thomas Steinfeld in der "Süddeutschen")

Heute hat sich Renate Künast für einen Boykott des Eva Herman-Buches "Das Arche Noah Prinzip" ausgesprochen, weil Eva Herman auf einer Pressekonferenz ein paar positive Bemerkung über die Familienpolitik im Dritten Reich gemacht hat, ohne zu sagen, dass der Autobahnbau und die Massenmotorisierung schwere Öko-Fehler waren. Frau Herman ist sehr blond und nicht sehr helle und taugt deswegen bestens als Opfer auf dem Altar der symbolischen Antifa, die umso mehr gedeiht, je weniger Fa es gibt. Und während die deutsche Wirtschaft weiter Geschäfte mit dem iranischen Präsidenten macht, ohne sich daran zu stören, was er über den letzten Holocaust sagt, derweil er den nächsten plant, darf Eva Herman nicht einmal mehr eine alberne Talk-Show moderieren. (Henryk M. Broder im Onlineportal "Achse des Guten"/DER STANDARD; Printausgabe, 12.9. 2007)

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    "Als TV-Moderatorin nicht länger tragbar": Buch-Autorin Eva Herman.

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