"Die Bank ist im Dilemma"

9. Oktober 2007, 13:15
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Der Aufsichtsratschef der Meinl Bank, Walter Jakobljevich, wusste weder von Rückkäufen noch von MEL-Eigenheiten und verlangt im Interview Offenlegung von MEL und Bank

STANDARD: Die Meinl Bank, deren Aufsichtsratspräsident Sie seit sechs Jahren sind, ist in der Klemme, die Bankenaufsicht macht eine Vorortprüfung. Wie würden Sie die Situation beschreiben?

Jakobljevich: Die Bank ist in einem fürchterlichen Dilemma. Und das wurde völlig überflüssigerweise ausgelöst, durch diese Aktienrückkauf-Geschäfte der MEL, die eine ungute und ungeschickte Sache sind. In diesen Strudel ist die Bank geraten, obwohl sie gar nichts damit zu tun hat.

STANDARD: Die Meinl Bank ist Marketmaker für die Papiere der Meinl European Land (MEL), der Meinl Airport International und der Meinl International Power. Sie verdient mit Platzierungen und den entsprechenden Fees viel Geld.

Jakobljevich: Trotzdem sind die Geschäfte der MEL weit weg von uns.

STANDARD: Wussten Sie von den Rückkäufen und der MEL-Konstruktion, Stichwort Jersey, Zertifikate und Partly Paid Shares?

Jakobljevich: Nein, von all dem habe ich nichts gewusst. Die MEL hätte sagen müssen, was los ist, aber das ist nicht unsere Sache. Mir hat man auf meine entsprechenden Fragen gesagt, dass das rechtlich alles einwandfrei ist. Ob es klug ist, so vorzugehen, ist eine andere Sache. Ich halte es eher für ungeschickt.

STANDARD: Die Nähe der Bank wollen Sie wegdiskutieren?

Jakobljevich: Man soll vergleichen, ob diese Honorare und Fees angemessen waren. Das wird ja auch geschehen. Es wird sicher bald eine Aufsichtsratssitzung stattfinden.

STANDARD: Wissen Sie, wem die 150 Millionen Partly Paid Shares der MEL gehören?

Jakobljevich: Nein, keine Ahnung. Ich nehme an, dass die MEL Angst vor einer feindlichen Übernahme hatte und deswegen zu dieser Konstruktion gegriffen hat. Ich erwarte jedenfalls, dass MEL- und Bankvorstand jetzt eine Erklärung abgeben. Aber noch einmal, mit der Bank hat das nichts zu tun, die ist sozusagen eine Familiengesellschaft. Das Problem ist aber, dass der Name Meinl kaputt ist. Und dass bei der MEL jetzt Übernahmegefahr besteht.

STANDARD: Die Bank gehört einer Stiftung der Meinls. Welcher?

Jakobljevich: Das weiß ich nicht, das interessiert mich auch nicht. Ich sitze in der Hauptversammlung Rechtsanwälten gegenüber.

STANDARD: Interessant. Ihr Aufsichtsratskollege Alfred Reiter ist zurückgetreten. Ist Ihr Vertrauen intakt?

Jakobljevich: Wohl fühle ich mich nicht, aber ich bin kein Mann, der alles hinwirft. Ich verlange Offenlegung. Wissen Sie: Julius Meinl ist ein genialer Mann.

STANDARD: Dessen Bank im Visier der Aufsicht steht, und die Meinl-Aktionäre bluten.

Jakobljevich: Bei diesen Konstruktionen wurde Meinl sicher von Steuerberatern und Anwälten beraten, das ist nicht auf seinem Mist gewachsen. Ich bin sicher, es wird sich alles erklären lassen, das war sicher keine Gaunerei.

STANDARD: Ist die Bank gefährdet? Es drohen Schadenersatzklagen.

Jakobljevich: Die Bank ist sicher nicht gefährdet. Die MEL-Kurse sind im Keller, aber sie sind irreal und werden steigen. Und wenn inzwischen Anleger klagen, müsste man ihnen eben sagen: „Ihr habt zu früh verkauft.“ (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.9.2007)

ZUR PERSON: Walter Jakobljevich (82) ist Aufsichtsratschef der Meinl Bank und im Aufsichtsrat der Julius Meinl AG. Er ist im Vorstand vieler Privatstiftungen, war lange Vertrauter des verstorbenen Industriellen Herbert Turnauer.
  • Walter Jakobljevich
    foto: standard/profil/wobrazek

    Walter Jakobljevich

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