Der Diven unmögliche Ewigkeit

11. September 2007, 17:15
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Alain Buffard und Meg Stuart mit Philipp Gehmacher

Alain Buffard und Meg Stuart mit Philipp Gehmacher ringen in ihren neuen Produktionen um Erinnerung und damit, dass möglicherweise nichts ewig hält.

Die zeitgenössischen Künste widmen sich wieder den Gefühlen des Lebens. Oft ist es nur ein kleiner Sprung, eine Gratwanderung vom Sentiment zur Sentimentalität, von der Emotion zur Emotionalität, vom Pathos zum Pathetischen. Die neuen Arbeiten von Alain Buffard und Stuart/Gehmacher zeigen, wie Liebeslieder und Paartänze in ihrer Melancholie, Sinnlichkeit oder tragischen Komik berühren, ohne in Kitsch abzugleiten.

Bette Davis, Marlene Dietrich oder Gloria Swanson: Wer kennt sie nicht, diese Stars aus den goldenen Zeiten des Kinos? Maria Felix und Dolores del Río hingegen, einst große Filmdiven aus Mexiko, sind heute kaum noch bekannt. Der französische Choreograf Alain Buffard erweckt ihren tragischen Chic über die Verkörperungen von vier höchst charismatischen Darstellern - Vera Mantero, Claudia Triozzi, Vincent Ségal und Miguel Gutierrez - wieder zum Leben.

Sein (Not) a love song ist eine ironische zeitgenössische "Musical-Tragödie", die cineastische Wunderwerke wie Fassbinders Die Sehnsucht der Veronika Voss aufgreift und von Mae West zu Andy Warhol driftet. Der Glamour alter Zeiten spiegelt sich nicht nur in den Kleidern von Chanel, Lacroix oder Yamamoto und in Liebesliedern wider, auch wenn es die vergessenen Diven nie ganz auf den Sunset Boulevard geschafft haben ...

Meg und Philipp

Maybe forever ist ein gemeinschaftliches Stück, in dem die Choreografen Meg Stuart und Philipp Gehmacher ihre künstlerischen Welten zusammenfließen lassen, ohne ihr eigenes Profil zu verlieren.

Die Lieder des Brüsseler Singer-Songwriters Niko Hafkenscheid, der sie auf der Bühne live begleitet, lässt sie zu Wiegenliedern einen Walzer in ein "versprochenes Land" tanzen. In Janina Audicks Set sehen Stuart und Gehmacher wie winzige Statuetten aus, die zwischen Intimität und Distanz spielen. (Nicole Haitzinger, DER STANDARD/Printausgabe, 11.09.2007)

TIPP 2008: Am 15.+16. Februar ist Sasha Waltz im TQW mit "Travelogue I" zu Gast.
  • Diven können vergessen werden, doch die Diva als Typus ist unsterblich: Also lässt Alain Buffard sie tanzen.
    foto: domage

    Diven können vergessen werden, doch die Diva als Typus ist unsterblich: Also lässt Alain Buffard sie tanzen.

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