Erd-Teleskop schießt bessere Bilder als Hubble?

11. September 2007, 22:17
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"Lucky-Kamera" liefert mit neuer Technik die bislang schärfsten Himmels-Aufnahmen - aber nur unter bestimmten Umständen

Frankfurt/Pasadena - Oft sind die Dinge nicht so klar und scharf, wie sie zunächst scheinen: Astronomen des California Institute of Technology und der Universität von Cambridge in Großbritannien haben diese Woche eine Digitalkamera in Verbindung mit dem Hale-Teleskop der Sternwarte Palomar in Kalifornien vorgestellt, die in Kombination von der Erde aus angeblich doppelt so scharfe Bilder liefern sollen wie das "Hubble"-Weltraumteleskop.

Hubble-Wissenschafter sahen sich das genauer an und relativierten schließlich die Aussagen der kalifornischen und britischen Astronomen: Die Umstände unter denen die Aufnahmen jeweils entstehen, lassen sich nicht so einfach vergleichen.

Was bedeutet Schärfe?

Mit Bildschärfe ist insbesondere bei astronomischen Aufnahmen die Auflösung gemeint. Astronomen messen diese Bildschärfe üblicherweise in Bogensekunden. Ein rund zwei Kilometer großer Krater auf dem Mond misst von der Erde aus betrachtet eine Bogensekunde. Das Auflösungsvermögen eines Teleskops wird demnach in Bruchteilen von Bogensekunden angegeben - je kleiner diese sind umso besser.

Die nun vorgestellte Kamera funktioniert nach dem Prinzip der Adaptiven Optik (AO); die "Lucky Imaging" genannte Technik soll gewährleisten, dass die durch die Erdatmosphäre verursachten Verzerrungen und Unschärfen minimiert werden. Laut dem britischen Astronomen Craig Mackay, einem der Konstrukteure, kann die Kamera unter bestimmten Umständen bis zu 50 Milli-Bogensekunden auflösen. Im Vergleich dazu, so Mackay, sei die Auflösung des Hubble-Teleskops normalerweise bei rund 100 Milli-Bogensekunden angesiedelt.

Super-Schärfe durch Bilder-Kombination

Genauer betrachtet schießt die "Lucky-Kamera" bis zu 20 Bilder pro Sekunde. Ein Computer fügt danach die Aufnahmen zu einem super-scharfen Bild zusammen, dabei nimmt sich das Herzstück des Gerätes, ein spezieller Software-Detektor, jedes einzelne Bild vor und untersucht es auf Rauschen und Verzerrungen; nur die besten Aufnahmen werden schließlich für das fertige Bild heran gezogen.

Matt Mountain, Direktor des Space-Telescope Science Institute in Baltimore, sieht vor allem hier den großen Unterschied zwischen dem Hubble- und dem Hale-Teleskop. Man müsse schon sehr lange warten, um ein passables Bild zu erhalten; immerhin würden bis zu 99 Prozent der in rascher Folge geschossenen Aufnahmen wieder verworfen. Die angegebene überragende Schärfe könne die "Lucky-Kamera" schließlich nur dann erreichen, wenn sie einen sehr schmalen und besonders hellen Ausschnitt am Himmel anvisiert. Gehe es darum einen größeren, dunkleren Bereich am nächtlichen Firmament abzubilden, dann sei das Hubble-Teleskop weiterhin der klare Gewinner, erklärt Mountain.

Schärfsten astronomischen Aufnahmen bisher

Jene von Lucky-Team publizierten Bilder entsprechen allerdings genau diesen Kriterien. Der Katzenaugen-Nebel (siehe Bild links), ein Planetarischer Nebel mit einem Durchmesser von 20 Bogensekunden, stellt demnach den idealen Kandidaten für die neue Technik dar. Mountain gibt zu, dass einige der präsentierten Beispiel-Aufnahmen tatsächlich jene vom Hubble-Teleskop übertreffen würden - und die schärfsten je gemachten astronomischen Aufnahmen seien. Dies könne jedoch keinesfalls für alle vom Hale-Teleskop geschossenen Bilder gelten.

Die "Lucky-Kamera" sei eine herausragende technische Entwicklung mit großem Potenzial, die in der astronomischen Forschung sehr hilfreich sein wird. Das Hubble-Teleskop könne es jedoch auch in Zukunft nicht ersetzen, meint auch Craig Mackay vom Entwickler-Team aus Cambridge. (APA/red)

  • Der Katzenaugen-Nebel, aufgenommen mit der neuen "Lucky-Kamera"-Technik am Palomar-Observatorium in Kalifornien.
    foto: stsci/cambridge/caltech

    Der Katzenaugen-Nebel, aufgenommen mit der neuen "Lucky-Kamera"-Technik am Palomar-Observatorium in Kalifornien.

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