Entführungen oder Einsamkeit

11. September 2007, 17:09
posten

Julius Deutschbauer und Barbara Kraus

Toastbrot, Milch und Nutelladosen gleichermaßen werden, als Antipoden zu gewichtigen Family-Großrationen, als so genannte Single-Packungen vorgeführt. Denn wie der urban entfremdete Mensch weiß: Immer mehr Personen leben in Single-Haushalten.

"Ich bin mein einziger Gesprächspartner", fällt dem Künstler Julius Deutschbauer dazu ein, bei der Langen Nacht der Museen präsentiert er sein Modell der "Genossenschaft Einer". Selbstgespräche vor dem Spiegel werden von derart sozialistisch organisierten Einzelgängern müde als Anfängertum belächelt: Hier hebt Deutschbauer die Versingelung auf eine geradezu professionelle Kunstebene.

Der Haupthof des Museumsquartiers wird von ihm zum Singlevergnügungspark erklärt, neben Einsamkeitsfilmen bietet er darin die Lektüre von Schriften wie Hundert Jahre Einsamkeit, fordert zum Poker- und Schachspiel mit sich selbst auf und dokumentiert das Geschehen in "Selbstinterviews".

Geselliger legt die österreichische Künstlerin Barbara Kraus ihr Stück If silence could speak and someone would listen an. In diesem "Schreib-, Erzähl- und Hörprojekt" verarbeitet Kraus zum einen Schweigeerfahrungen, zum anderen Erzählungen ihrer Freunde und Kollegen - die sie an Orte persönlicher Erinnerungen entführt und dazu animiert hat, über Entscheidungen, Vergessenes und Verschwiegenes zu sprechen.

An drei Abenden präsentiert sie ein Substrat des Gesammelten. Hundert Kopfhörer hängen von der Decke, aus den verpolsterten Lautsprechern hört man die von ihr "Entführten" ihre neu gefundenen Geschichten erzählen. (Isabella Hager, DER STANDARD/Printausgabe, 11.09.2007)

TIPP 2008: Am 10. April zeigt Saskia Hölbling "secret sight".
  • Über die Legenden eines Lebens als Single sinniert Julius Deutschbauer als "Der einsame Schlucker".
    foto: ropac

    Über die Legenden eines Lebens als Single sinniert Julius Deutschbauer als "Der einsame Schlucker".

Share if you care.