Tanz mit tollen Partnern

11. September 2007, 16:56
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TQW-Intendantin Sigrid Gareis blickt in die Zukunft

Sigrid Gareis hat, sagt sie mit gesenkter Stimme, ein Problem: "Die österreichische Tanzszene ist so gut geworden, dass wir mit dem Programmieren nicht mehr hinterherkommen." Das Tanzquartier Wien sei mit Premieren heimischer Choreografien bis 2009 ausgebucht. Und: "Die Gagen, die wir an heimische Produktionen zahlen, sind zusammengerechnet bereits deutlich höher als die an Gastspiele von außerhalb. Und das ist unter vergleichbaren Häusern in Europa wohl einzigartig."

Als wichtigste österreichische Tanz-Institution mit Jahresprogramm und ausgeprägtem Profil steht das TQW unter kritischer Beobachtung. Die Intendantin meint entspannt: "Das Haus hat sich bestens behaupten können. Ich möchte, dass wir offen und überraschend bleiben und nicht so einfach dechiffrierbar sind. In den vergangenen Jahren haben wir sehr viel damit erreicht, dass wir uns mit anderen Sparten ausgetauscht haben. Ganz klar werden wir weiter die Relevanz unserer Sparte und eine verlässliche Grundqualität zeigen."

Das Publikum habe nie ausgelassen, und das TQW verzeichne auch in der vergangenen Saison ein Besucherplus von fünf Prozent. Mit Blick auf die Kulturpolitik fügt sie an: "Der Bund hat jetzt erfreulicherweise ein offenes Ohr für uns. Und wir hoffen sehr, dass Wien die Theaterreform fortführt - dass nichts mehr zurückgenommen wird, sondern der Reformwille weitergeht."

Zu den wichtigen Schwerpunkten in der beginnenden Saison zählt Gareis FranceDanse Europe/Autriche: Nouvelle Vague: "Damit möchten wir in zwei Wochen die neuesten Tendenzen aus Frankreich nach der Generation der Konzeptualisten vorstellen."

French Connection

Die Kooperation mit Frankreich sei besonders fruchtbar. Bereits im Herbst steigt das Mode- & Choreografie-Projekt 2nd skin, das 2005 in Dresscode einen Vorläufer hatte, mit einem Labor: "Kuratiert ist das Projekt zusammen mit dem Modebüro Unit F aus Wien und Les Subsistances mit der Modeschule in Lyon. Im Frühjahr geht es dort weiter, und der Haupt-Act findet im Herbst 2008 bei uns statt." Unter den österreichischen Teilnehmern: Anne Juren und Chris Haring.

Zu den Wiener Kooperationspartnern zählen das Mumok und Wien Modern. Gareis: "Das Mumok ist sehr inhaltlich orientiert und ein hervorragender Partner. Wir werden im April unsere Zusammenarbeit fortsetzen. Wieder Rekonstruktionen geben, die aber mehr ins Zeitgenössische zielen. Es geht um Komik als tragendes Element, um Zufall, Peinlichkeit und intelligentes Scheitern." Das Interesse des TQW an Rekonstruktionen zeige sich ebenso bei Trisha Brown und Frans Poelstra mit Robert Steijn.

Die Saison ist reichhaltig. Gemeinsam mit Wien Modern wird der erste choreografische Versuch des Hamburger Elektrofuturisten Felix Kubin präsentiert, der schon zur Saisoneröffnung einen ersten Einblick in sein Projekt über Bedienungsanleitungen ich will aufwärts ich will abwärts zeigt, das später, am 3. November, in der TQW / Halle G uraufgeführt wird.

Ein weiterer Tipp der Intendantin: Im Dezember gibt es eine Nachwuchswoche. Da legt Gareis auch noch nach: "Und im Frühling 2008 geben wir das Original-Set von Meg Stuarts Improvisationscoup Auf den Tisch! an die jungen Künstler weiter - genau so, wie es im März 2006 in der Halle E aufgebaut war: Der gesamte heimische Nachwuchs bekommt diesen Riesentisch und die Mikros, dann werden wir sehen, was passiert!" (Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe, 11.09.2007)

TIPP 2008: Vom 10. bis zum 21. März erstellt der österreichische Choreograf Philipp Gehmacher als Künstlerkurator ein ganz besonderes Programm für das Tanzquartier.
  • Gareis meint: "Weiter mit der Theaterreform!"
    foto: burianek

    Gareis meint: "Weiter mit der Theaterreform!"

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