"Ich will, dass die Tänze mir gehören"

11. September 2007, 16:53
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Auf der Suche nach den neuesten Tendenzen in der zeitgenössischen französischen Choreografie lädt das TQW junge, international noch wenig bekannte Künstler ein

Um das Unbekannte geht es dem Tanzquartier, wenn es einer Einladung von Culturesfrance folgt, repräsentative Exponenten des zeitgenössischen französischen Tanzes vorzustellen. So werden - in Kooperation mit Dschungel Wien - vom 2. bis 14. Oktober unter dem Titel FranceDanse Europe / Autriche: Nouvelle Vague im Sinn der Findung von Ausgangspunkten zu assoziativer Zukunftsmalerei die Werke vorrangig junger, jenseits der Grenzen ihres Heimatlandes eher unbekannter Choreografen vorgestellt.

Methodisch ist dies der Versuch einer Recherche, die aus dem Herumschichten und -stochern in einem sich erst gestaltenden und wandelnden Gewühl konzeptueller und inszenatorischer Energien zukunftsweisende Verknüpfungen, Strömungen und Schlüsse zu "neuesten Tendenzen" des reichhaltigen FranceDanse ziehen möchte.

Vincent Dupont

Eigentlich als Schauspieler ausgebildet, konzipierte Dupont, der an zahlreichen Filmen - etwa solchen von Claire Denis - beteiligt war, Jachères improvisations, eine Fünf-Personen-Improvisation um Texte von Christophe Tarkos. Dabei verarbeiten die Tänzer Vorstellungen von Nähe und Distanz. Das Publikum ist, um die räumlichen Bewegungen und die Experimente mit Geräuschen (Musik von Thierry Balasse) mitverfolgen zu können, mit Headsets ausgestattet.

Julia Cima

Gegen die Herausforderung "absoluter Interpretation" tritt Julia Cima mit Visitations an. Visitations ist eine Solo-Reihe, in der Cima Performances aus unterschiedlichen Ländern und Zeiten bearbeitet. "Ich will, dass diese Tänze mir gehören", sagt die zur Jazztänzerin ausgebildete Cima, "auch wenn sie weder von mir noch für mich gemacht wurden." So etwa Valeska Gerts Der Tod aus dem Jahr 1925 oder eine Darstellung von Igor Strawinskys Frühlingsopfer aus Archivaufnahmen und Rekonstruktionen und Dominique Bagouets Le Crawl de Lucien aus dem Jahr 1985. Dazu stellt Cima zwei eigene "Stücke", beides Improvisationen: The tongue und "!".

Anne Nguyen

In ihrem halbstündigen Solo Square Root folgt die französisch-, vietnamesisch- und spanischstämmige Tänzerin Nguyen, die in Paris lebt und mit mehreren französischen Tanzpreisen bedacht wurde, der Entschlüsselung ihrer Wurzeln und findet dabei den wunderbaren Begriff des "urbanen Universums", in dem sie aufgewachsen ist.

Hamid Ben Mahi

Ben Mahi kennt man wohl eher als HipHop-Künstler der frühen Stunde - seine choreografische Zusammenarbeit mit Michel Schweizer ist dementsprechend von dieser Musik, sein Tanz von intensiver, harter Körperlichkeit geprägt. Chronic(s) (aus 2002) ist ein Solo, in dem er tanzend und sprechend sein Leben auf die Bühne stellt.

Prunenec/Wampach

Mit einem Doppelabend findet FranceDanse in dieser Edition seinen Ausklang: effroi heißt die vom Mythos des Orpheus inspirierte Arbeit von Sylvain Prunenec, der als Filmschauspieler etwa mit Jacques Martineau drehte. Bascule lautet der Titel von David Wampachs Ausloten von Tiefe und Relationen der Balance - in ständiger Annäherung von Bewegung, Geräusch und Wiederholungen. (Isabella Hager, DER STANDARD/Printausgabe, 11.09.2007)

TIPP 2008: Von 17. bis 19. Jänner zeigt Boris Charmatz sein Stück "Quintette cercle".
  • Nach der Woge des Konzeptualismus folgen nun neue Ideen: etwa von Sylvain Prunenec.
    foto: lopez

    Nach der Woge des Konzeptualismus folgen nun neue Ideen: etwa von Sylvain Prunenec.

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