Zum Affentanz in die Schweinedisco

11. September 2007, 16:47
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Eine punkfuturistische Saisoneröffnung

Mit einer ganzen Reihe von Events von Party über Vortrag und Massenstepptanz bis zu dem Regiedebüt von Radiomacher Fritz Ostermayer startet das Tanzquartier Wien in seine neue Saison.

Rettet die Mäuse oder Conducting Kafka While Whistling Against Interpretation heißt Ostermayers Tanz- und Singspiel, mit dem er Josefine, der Mäusesängerin aus einer Kurzgeschichte von Franz Kafka, als "Urmutter des Punk" huldigt.

Sie kann nicht singen, diese Maus, aber sie stellt sich dennoch auf die Bühne. "Es ist Josefines stolze Selbstermächtigung, die ihren Dilettantismus in den Rang von Konzept-kunst erhebt", sagt Ostermayer und nimmt sich ein Beispiel: "Mit der gleichen Trotzigkeit machen wir aus unserer tänzerischen Not eine Tugend und ermächtigen uns selbst zu schamlosen Ausdruckstänzern auf dem Tanzboden der Peinlichkeit."

Unter das illustre Mäusevolk mischen sich unter anderen Hans Schabus, Sabina Holzer, Frans Poelstra, Soap & Skin und Christoph Grissemann. Professionelle Choreografiehilfe kommt dabei von Chris Haring und Barbara Kraus.

Ebenfalls erstmals in die Rolle des Choreografen schlüpft der Hamburger Elektrofuturist und Hörspielmacher Felix Kubin bei seinem Stück ich will aufwärts ich will abwärts. Premiere ist im November, doch zum Eröffnungswochenende wird der Probenraum bereits für erste Neugierige geöffnet. Instruktionen und Bedienungsanleitungen, die wie unsichtbare Codes unseren Alltag durchdringen, sind der Stoff, aus dem Kubins Werk gewebt sein wird. Zum feierlichen Schluss dieses Eröffnungsakts darf dann wieder getanzt werden: zu Ostermayers Affentanz in der Schweinedisco nach dem Motto: "Dress like your favorite human, behave like your favorite beast!" (Judith Helmer, DER STANDARD/Printausgabe, 11.09.2007)

VORTRAG: Über "Performance und Popkultur" spricht Gabriele Klein, Soziologin und Tanzwissenschafterin an der Universität Hamburg, in den TQW / Studios. 13. 9., 18.30
  • Das singende Kafka-Mäuschen Josefine wagt dank Fritz Ostermayer einen tugendhaften Stimmwurf auf dem Tanzboden der Peinlichkeit.
    foto: ostermayer

    Das singende Kafka-Mäuschen Josefine wagt dank Fritz Ostermayer einen tugendhaften Stimmwurf auf dem Tanzboden der Peinlichkeit.

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