Hollywood auf der Spielkonsole - "Heavenly Sword" im Test

25. Oktober 2007, 08:37
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"Heavenly Sword" bringt Fantasy-Action auf die PlayStation 3 und reizt Technik zum ersten Mal ein wenig aus

Ein halbes Jahr nach Einführung der PlayStation 3 in Europa will Sony mit Fantasy-Action neue Akzente setzen und im Wettbewerb mit der Xbox 360 und der Nintendo-Konsole Wii aufholen. Am 19. September erscheint "Heavenly Sword" mit dem Anspruch, die Grenzen zwischen Videospiel und Kinofilm weiter aufzuheben. Wegen intensiver Gewaltszenen ist das Spiel erst für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben.

"Der Herr der Ringe"

In der Rolle der rothaarigen Nariko tauchen die Spieler hier in eine 3D-Szenerie ein, die an die Film-Trilogie "Der Herr der Ringe" erinnert. Tatsächlich wurde das Videospiel von den WETA-Studios produziert, die auch an dem Kino-Blockbuster mitgewirkt haben. Für die dramatische Regie zeichnet Andy Serkis verantwortlich, der im "Herrn der Ringe" das Hobbit-Wesen Gollum spielte. Die Technik der digitalen Bewegungserfassung ("Motion Capture") gibt den Hauptfiguren eine teilweise erschreckend realistisches Aussehen.

Nariko, die Tochter des Clan-Häuptlings Shen kann es nicht verhindern, dass ihr Vater in die Gefangenschaft des bösen Königs Bohan gerät. Um ihn zu befreien, muss sie sich in ein Gemetzel nach dem anderen stürzen. Mit dem "himmlischen Schwert" in der Hand tötet sie zahllose Pixelkrieger und Monster, wobei mit zunehmender Erfahrung neue Methoden des Zuschlagens freigeschaltet werden, die sich nach Tempo, Reichweite und Stärke unterscheiden. Mal geht es gegen ganze Armeen, wobei die Sollanzeige von 700 zu tötenden Kriegern doch ziemlich geschmacklos wirkt. Dann wieder muss die spärlich bekleidete Schöne einzelne Rivalen niederringen wie Bohans General "Fliegender Fuchs" oder die unangenehme Kampfnixe "Fischschwanz".

Zwischenszenen

Zur Erholung für die pausenlos am Controller zuckenden Finger gibt es filmische Zwischenszenen. Außerdem darf Nariko auch immer wieder ungestört durch die bizarren Landschaften und Festungen laufen und muss dann mit Tricks verschlossene Tore öffnen. Gekonnt umgesetzt wurde die Aufgabe, einen Gong mit einem Schild zu treffen. Dabei schleudert der Spieler die Scheibe los und verfolgt diese bis ins Ziel, wobei die Flugrichtung mit Bewegungen des SIXAXIS-Controllers gesteuert werden kann.

Auch Schwerter und alle möglichen anderen Gegenstände können auf diese Weise geworfen werden, wobei die Kamera das Wurfgeschoß begleitet. Besonders eindrucksvoll ist dies mit den Pfeilen, die von Narikos Adoptivschwester Kai abgeschossen werden. Die Regenwürmer verspeisende, katzenähnliche Kai ist eine reizvolle Nebenfigur in der mit merkwürdigen Gestalten reich ausgestatteten Fantasy-Welt. Der alte Shen kapituliert vor so viel Mädchen-Power: "Ich habe Hunderte Männer in den Krieg geführt, warum hören nur diese beiden Mädchen nicht auf mich?"

Dabei ist Nariko eine tragische Heldin. Sie sollte nach einer göttlichen Verheißung eigentlich als Bub zur Welt kommen und wurde deshalb von ihrem Clan immer als Fluch betrachtet. Und das eigentlich für ein göttliches Wesen bestimmte Schwert hat die fatale Eigenschaft, die Lebenskraft jedes Sterblichen auszuzehren, der es benutzt.

Annähernd

"Heavenly Sword" ist wohl das erste Videospiel, das die technischen Möglichkeiten der PlayStation 3 annähernd auszureizen versteht. Die Bewegungen sind teilweise atemberaubend schnell, die Grafik der betörenden Märchenlandschaft wirkt sehr überzeugend. Vermisst wird nur eine Zoom-Funktion, um die Figuren und Szenen noch direkter betrachten zu können. Viel Mühe verwandten die Entwickler auch auf die Soundkulisse und die größtenteils überzeugenden Dialoge.

Das Spiel erscheint auf einer Blue-Ray-Disc, beim ersten Start wird ein Teil der Daten auf die Festplatte kopiert. Dennoch kommt es zwischen den einzelnen Abschnitten zu längeren Ladezeiten. Wenn man einen Abschnitt nach der Meldung "Sie haben versagt" noch einmal bestehen muss, kann man so erst einmal durchatmen. Das Videospiel des Entwicklerstudios Ninja Theory wird von Sony Computer Entertainment vertrieben und kostet rund 70 Euro.(Von Peter Zschunke/AP)

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