Grenzenloses Vorbild

11. September 2007, 12:00
posten

Das Grüne Band läuft durch den See

Illmitz, Sarród - Das europäische "Green Belt"-Projekt hat seinen Ausgangspunkt zwar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, das Vorbild dazu findet sich aber zweifellos am Ostufer des Neusiedler Sees, wo nicht nur der Naturschutz eine lange Tradition hat.

Offiziell wurde der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel im Jahr 1993 ausgerufen. Da die Ungarn schon zwei Jahre zuvor einen Teil des angrenzenden Feuchtgebiets zum Fertö-Hanság Nemzeti Park erklärt hatten, waren die Naturschutzanstrengungen von vornherein grenzüberschreitend angelegt.

Nicht ganz zufällig gerade hier, wo der Eiserne Vorhang in vielerlei Hinsicht brüchiger war als anderswo. Seit 1921 amtiert zum Beispiel - notgedrungen - die österreichisch-ungarische Gewässerkommission, die unter anderem festzulegen hat, wann der Stoppel der Einserkanal-Schleuse aus dem Neusiedler See gezogen werden soll.

Die grenzüberschreitende Kooperation begann 1993 also nicht bei null, sodass die gemeinsamen Bemühungen bald auch europaweit Aufmerksamkeit fanden.

Dass der Illmitzer Alois Lang zum Chefkoordinator der "Green Belt"-Projekte berufen wurde und sein diesbezügliches "field office" in der ungarischen Nationalparkzentrale in Sarród aufgeschlagen hat, ist wohl auch eine Anerkennung des integrativen Ansatzes.

Denn sowohl auf österreichischer als auch auf ungarischer Seite galt von Anfang an, den Naturschutz auch als regionalökonomischen Hebel zu verwenden. Der Nationalpark wirkt mittlerweile nicht nur in Tourismus und Gastronomie als Impulsgeber, sondern mit dem Schilf des Sees auch in der Debatte um die erneuerbare Energie oder naturnahe Bau- und Dämmstoffe. (wei/Der Standard/Printausgabe/11.09.2007)

  • Die Graugans zählt zu den Bewohnern des Nationalparks Neusiedlersee Seewinkel.
    foto: nationalpark neussiedlersee seewinkel

    Die Graugans zählt zu den Bewohnern des Nationalparks Neusiedlersee Seewinkel.

Share if you care.