Opec pumpt zusätzliches Öl

25. Oktober 2007, 19:38
51 Postings

Die Organisation Erdöl exportierender Länder will durch Mehrproduktion die zuletzt von Preisanstiegen gekennzeichneten Ölmärkte beruhigen

Wien – Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will die Märkte im angehenden Winterhalbjahr mit zusätzlichem Erdöl versorgen und damit zu einer Beruhigung der zuletzt recht angespannten Preissituation beitragen. Nach siebenstündiger Sitzung wurde beschlossen, dass zusätzlich eine halbe Million Fass (159 Liter) täglich produziert werden soll. Von der zusätzlichen Fördermenge entfallen 350.000 Barrel auf Saudi-Arabien, 150.000 auf die übrigen Mitglieder.

Im Vorfeld der Konferenz hatte sich nur zunächst nur Saudi-Arabien bereit gezeigt, den Förderhahn weiter aufzudrehen. Dies hatte unter anderem die Internationale Energieagentur unter Hinweis auf absehbare Engpässe gegen Jahresende verlangt. Im Verlauf der Sitzung, die Dienstagvormittag in Wien begonnen hatte, schwenkten dann auch Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait auf die Seite von Saudi-Arabien. Strikt gegen eine Produktionsausweitung sollen sich der Iran, Venezuela und einige afrikanische Förderländer ausgesprochen haben. Nach der Erhöhung wird ab November die neue Gesamtgrenze der Opec-Ölförderung bei 27,25 Mio. Fass täglich liegen.

Signal verstanden

"Die Märkte haben das Signal verstanden", sagte Esam Ul Haq, Analyst im Wien-Büro des international tätigen Ölhändlers PVM, im Gespräch mit dem Standard. Schon Dienstagnachmittag, als sich Gerüchte um eine Ausweitung der Produktion verdichtet haben, gaben die Ölpreise auf breiter Front nach. Die für Europa maßgebliche Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober verbilligte sich um gut 20 Cent auf 75,27 Dollar. Noch Dienstagmorgen sind die Ölpreise nach Anschlägen auf Erdöl- und Erdgasleitungen in Mexiko gestiegen. Mit der Öffnung der Förderhähne will die Opec Sorgen der Industrieländer über den hohen Ölpreis besänftigen. Druck auf die Opec kam zuletzt aus den USA, die nach der Krise um Hypothekarkredite in hohen Ölpreisen zusätzliche Belastung für das Wachstum befürchten. Die zehn Opec-Staaten, die an die Quotenvorgaben (siehe Grafik) gebunden sind (alle zwölf außer dem Irak und dem erst im vergangenen Dezember dazugestoßenen Angola), fördern derzeit bereits rund eine Million Fass pro Tag mehr als vorgesehen. Die offizielle Quote lag bisher bei 25,8 Mio. Barrel, gefördert wurden im August 26,7 Mio. Die zwölf Mitglieder kontrollieren ein Drittel der weltweiten Produktion.

Angespannte Situation

Angespannt ist derzeit auch die Situation bei den Tankstellen: Die Treibstoffpreise sind in Österreich seit Anfang September um rund 1,5 Cent nach oben gegangen. So kostete Eurosuper 95 am 3. September an den Zapfsäulen durchschnittlich 1,142 Euro, diesen Montag waren es bereits 1,157 Euro. Diesel kostete zu Monatsbeginn 1,041 Euro, jetzt 1,058 Euro. Wobei Diesel nach Angaben des ARBÖ vor einer Woche mit 1,060 Euro noch etwas teurer war (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.9.2007)

  • Download
  • Bild nicht mehr verfügbar

    In New York hatte US-Öl am Montagabend im Verlauf schon beinahe die bisherige Rekordmarke von 78,77 Dollar Anfang August geknackt.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.