Die Perlen Europas zum Grünen Band verknüpft

11. September 2007, 11:53
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In dem Niemandslang entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs konnte sich fast 40 Jahre lang die Natur erholen

22 europäische Staaten bilden entlang ihrer Grenzen zum Osten und Westen das Grüne Band Europas. Dies ist ein Naturschutzgebiet entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs, das in den kommenden Jahrzehnten Naturschutz und Ökotourismus möglich machen soll.


Graz - Eine Perle nach der anderen aufgefädelt ergibt ein Perlenband. Das Band, von dem die Rede ist, ist das "Grüne Band Europas". Es verbindet Schutzgebiete und bisher kaum berührte Lebensräume entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs in insgesamt 22 Staaten, die in den vergangenen Jahren wiederentdeckt wurden.

Über die Länge des Bandes gibt es unterschiedliche Angaben. Das gesamte Band hat zwischen 6300 und 8400 Kilometer und erstreckt sich vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer. Der österreichische Teil sei 1200 Kilometer lang, sagt Johannes Gepp, Obmann des steirischen Naturschutzbundes. "Überall dort, wo sich West und Ost gegenüberstanden, und am Balkan", erklärt Gepp, verlaufen die Naturschutzgebiete, die nun vermessen werden sollen, um eine einheitliche Basis zu den Schutzbemühungen zu erhalten. "In der Anordnung ist es das größte Naturschutzprojekt der Erde", erläutert er.

Fast 40 Jahre lang konnte sich in den Grenzgebieten, die Niemandsland und teilweise vermint, mit Stacheldraht umzäunt oder durch Mauern voneinander getrennt waren, die Natur erholen. Es konnten Augebiete, Teich- und Heidelandschaften oder Moore entstehen, beziehungsweise erhalten bleiben, die es in der bewirtschafteten und ausgebauten Landschaft Europas nicht mehr gibt. Auf österreichischer Seite wurde auch eine so genannte Lückenanalyse durchgeführt, um herauszufinden, wo die schönen Wälder, Flüsse, Nationalparks und Schutzgebiete sind und wo sie durch Äcker oder Autobahnen unterbrochen werden. Damit ein durchgehendes Band entstehen und die Wanderung von Tieren in diesen Bereichen auch stattfinden kann, können Grünbrücken über die Autobahn gebaut werden, oder es kann eingeleitet werden, dass aus Maisfeldern Blumenwiesen werden.

Ein schwieriges Unterfangen, wie auch Gepp bemerkt, denn viele der Flächen befinden sich in Privatbesitz. "Die Deutschen tun sich da leichter, weil deren Grünes Band Staatsbesitz war und dieser dem Naturschutz gewidmet wurde", erklärt er. Der deutsche Teil ist auch 42 Milliarden Euro wert. In Österreich müssten die Verhandlungen mit den Grundbesitzern friedlich begonnen werden, "das ist noch eine lange Aufgabe", meint der Naturschutzbund-Obmann. Radweg nach Istanbul

In ganz Europa werde das bestimmt noch Jahrzehnte dauern, "aber das Ziel ist einmal vor Augen". Es könne auch ein Gebiet von der Grenze verlegt werden, damit eine Wanderung der Arten möglich ist - doch auch die Tiere entscheiden sich nicht von heute auf morgen, dass sie siedeln möchten. "Es kann noch Jahrhunderte dauern, bis sich beispielsweise ein Reh nach Tschechien verirrt", sieht Gepp keinen Zeitdruck. Das Schaffen von Übergängen nennt sich auch "Biotopverbund", der wegen seiner Bedeutung für die Zukunft - Gen-Austausch der einzelnen Arten - als das "ökologische Rückgrat" gesehen wird.

Das Grüne Band ins Leben gerufen haben deutsche Naturschützer, im Zuge der Osterweiterung wurde dann auch das Umweltbüro der Vereinten Nationen IUCN darauf aufmerksam. Dieses bat den Österreicher Alois Lang, die Gebiete zu koordinieren (siehe Artikel unten). Lang lenkt in den kommenden Jahren von Belgrad aus die Geschicke des Projekts, das Gepp auch als Friedensprojekt sieht. Gepp ist sich dessen bewusst, dass andere Staaten größere Sorgen als den Naturschutz haben, doch er sieht die Zeit des Ökotourismus gekommen. "Ein Ziel könnte sein, dass man von Berlin nach Istanbul mit dem Rad fahren kann." (Marijana Miljkovic/Der Standard/Printausgabe/11.09.2007)

Foto: Thomas Böhm

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  • Der Neusiedler See ist Teil des Grünen Bandes. Ziel des europäischen Umweltprojektes ist, das Grün an den Grenzen zwischen Ost und West zu erhalten und den Ökotourismus zu beleben.
    foto: österreich werbung

    Der Neusiedler See ist Teil des Grünen Bandes. Ziel des europäischen Umweltprojektes ist, das Grün an den Grenzen zwischen Ost und West zu erhalten und den Ökotourismus zu beleben.

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