Non-Profit-Arbeitgeber im Wettbewerb

3. Jänner 2008, 13:24
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Karrieresprungbrett oder Sackgasse: Der Weg in und aus dem Nonprofit-Sektor sei im Wandel – dies war ein diskutiertes Thema im aktuellen Karrierenforum.

Personalsuche für und Führung in Non-Profit-Organisationen gestalten sich in der Regel nicht weniger professionell, aber dennoch etwas anders als in Profit-Unternehmen. Professionalisierungsschub bei gleichzeitig schiefer Optik auf das Image: NPOs im Wandel.

Fragen

In welchem Spannungsfeld stehen Personalmanagement und Führungskräfte in Non-Profit-Organisationen (NPO)? Welche Auswirkungen hat das auf die Bereiche Recruiting, Personalentwicklung oder Gehaltssystem?

Fragen, die im aktuellen Karrierenforum beantwortet wurden. Es diskutierten: Martin Mayer, Managing Partner der Iventa Management Consulting, Elfriede Riesinger, Geschäftsführerin Personal der NÖ Landeskliniken Holding, Michael Meyer, Vorstand des NPO-Instituts der Wirtschaftsuniversität Wien, Hans Peter Halouska, Generalsekretär des ÖAMTC, Hans Garstenauer, Personalleiter bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) und Klaus Rosino, kaufmännischer Leiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV).

Was eine NPO ist

Zunächst eine Begriffsklärung von wissenschaftlicher Seite. Einige "Basics": Eine NPO unterliege dem Verbot der Gewinnausschüttung, so Michael Meyer, so etwa aufgrund der hier verbreiteten Vereinsstruktur. Eine NPO sei eine formale Organisation, keineswegs eine Selbsthilfegruppe, und sie zeichne sich durch Selbstständigkeit aus – die "echte" Non-Profit-Organisation dürfe nicht durch den öffentlichen Sektor dominiert werden. Der Anteil der Hoheitsaufgaben dürfe nicht mehr als zehn Prozent betragen. 55 Prozent der in NPOs beschäftigen Personen seien im sozialen Bereich tätig, so Meyer weiter, der Rest teile sich in die Bereiche Kunst, Sport oder Tourismus auf.

Imagefrage

Der Professionalisierungsschub der letzten zehn bis 15 Jahre stellt viele NPOs heute in ein neues Licht. Die rasche Entwicklung des Sektors lässt das NPO-Image seinem – oft viel weiter als zuweilen vermutet entwickelten – Ist-Zustand ein wenig nachhinken: So agieren moderne NPOs operativ wie Profit-Unternehmen, schieben aber das Image des wirtschaftlichen Erfolgs als "No, no" zuweilen immer noch vor sich her. So zumindest das Bild von nicht wenigen Bewerbern. Es stand die Frage im Raum, ob sich einfach zu wenige Non-Profit-Organisationen darum bemüht haben, dieses Image nach außen hin zu korrigieren.

"Bei uns wäre es nicht verboten, wirtschaftlich erfolgreich zu sein", grinst Elfriede Riesinger. Und Professionalisierung sei in der ab 2008 mit 27 Kliniken und 18.000 Mitarbeitern zählenden NÖ Landeskliniken Holding unabdingbar. "Das ist die Voraussetzung für Qualität", so Riesinger weiter.

Personalsuche

Ziehen NPOs en gros die so genannten Gutmenschen an? Mitnichten. Wenngleich, so Martin Mayer, die Personalsuche in NPOs anders zu strukturieren sei als in Profit-Unternehmen. Die Rahmenbedingungen seien rigider, und die intrinsische Motivation der Kandidaten sei generell viel höher als bei jenen, die sich für Stellen in Profit-Unternehmen bewerben.

Bewerbungsmotivation

Man müsse die Gründe, warum sich eine Person für das Unternehmen bewirbt, so Klaus Rosino, genau analysieren. Die Schwierigkeit beim Recruiting in seinem Fall sei einerseits, dass das Kuratorium für Verkehrssicherheit oft stark in ein "behördliches Eck" gedrängt werde und andererseits auch – in unterschiedlichster Weise zum Beispiel durch Verkehrsunfälle – betroffene Menschen anziehe. Oft stehe man vor der Frage, "verdeckt oder nicht verdeckt" Stelleninserate zu schalten, so Rosino weiter. Die Bewerbungsmotivation genau zu prüfen sei auch im Gesundheitsbereich, wo Beruf auch als Berufung gesehen werde, sehr wichtig, so Riesinger. Eine der Schwierigkeiten im Rahmen des Recruitings bei der FMA, so Hans Garstenauer, sei, dass die "Marke" FMA erst seit fünf Jahren existiere – die Institution an sich sei noch erklärungsbedürftig. Garstenauer: "Wir sind mit behördlichen Aufgaben betraut, bieten aber keine Beamtenlaufbahn. Wir haben zwar einen behördlichen Auftrag, wollen aber auch nicht jene anziehen, die sich von dieser behördlichen Seite angezogen fühlen."

Schwierig könne die Recruiting-Situation auch bei jenen Personen werden, die etwa 20 Jahre lang im Profit-Bereich gearbeitet haben und nun etwas "für die Gesellschaft tun wollen". Hier bestehe manches Mal die Gefahr, "dass Leute angesprochen werden, die im Profit-Bereich gescheitert sind und die denken, dass sie im NPO-Bereich mehr Erfolg haben könnten, weil sie ihn vielleicht als weniger erfolgsorientiert einstufen", so Garstenauer.

Führungsfrage

Wo aber ist das Führen leichter? In Non-Profit-Organisationen, so Hans Peter Halouska, seien zumindest die Rahmenbedingungen für Führungskräfte komplizierter, man müsse extrem sauber arbeiten. Denn "wenn irgendetwas passiert", so Halouska weiter, "dann leidet die Marke mehr als in anderen Unternehmen."

Durch komplexere, rigidere Rahmenbedingungen seien Ziele in NPOs auch schwieriger zu erreichen als in Profit-Unternehmen, schließt sich Garstenauer an. Die gesetzlichen Vorgaben würden den Handlungsspielraum einfach enger machen.

Im Rahmen des Führungskräfte-Recrutings seien aber auch NPOs der freien Marktwirtschaft ausgesetzt. Halouska: "Wir sind eine gemeinnützige Organisation – es gibt aber keinen 'gemeinnützigen' Arbeitsmarkt. Wir müssen marktgerechte Gehälter zahlen." Es gebe aber, so Halouska weiter, eine Grenze zur "Unsittlichkeit".

Gehälter

Die Spielräume bei den Gehältern in NPOs, schließt sich Martin Mayer an, sei weitaus geringer als in Profit-Unternehmen – es werde auch nichts über Dienstautos oder Ähnliches kompensiert. Auch die Bonus-Orientierung sei nicht derart ausgeprägt wie in Profit-Unternehmen. Mayer: "Das Gehaltssystem ist zwar rigider, wird aber dadurch berechenbarer – ein extremes Hinunterfallen ist schwieriger, auch im Top-Bereich."

Angeregt war auch die Diskussion rund um "frühere" und aktuelle Karrierewege in, aber auch aus Nonprofit-Organisationen. Viele Führungskräfte werden in Profit-Unternehmen groß und wechseln danach in eine NPO, zeichnet Mayer einen nicht selten eingeschlagenen Weg auf der Suche nach "mehr Sinn in der Tätigkeit". Auf einer Ebene darunter aber, so Mayer weiter, werde der Sidestep in eine NPO oft als "Ende des Karriereweges" gesehen. Mayer: "Viele wollen aus dem NPO-Sektor wieder raus, tun sich aber sehr schwer damit. Und viele wollen genau aus dieser Sorge heraus erst gar nicht in den NPO-Sektor hinein." Die Suche gestalte sich entsprechend schwierig.

Junge Mitarbeiter

Hans Garstenauer sieht das vor allem bezogen auf jüngere Mitarbeiter der FMA anders: "In den vergangen Jahren haben wir sehr viele junge Akademiker aufgenommen. Leute, die, wenn sie sich wieder entschließen, auf den Arbeitsmarkt zu gehen, sehr gefragt sind aufgrund ihrer Expertise. Ich habe eher den Eindruck, dass eine Karriere bei der FMA von vielen eher als Karrieresprungbrett wahrgenommen wird."

Barrieren abbauen

Am "Karrieremarkt NPO" gebe es in der Tat Barrieren, die es abzubauen gelte, so Meyer, Erkenntnisse aus einer Karrierestudie zitierend. Die Motivlagen, in eine Non-Profit-Organisation zu gehen, seien unterschiedlich – das Gutmenschentum könne man dabei fast ausschließen.

Menschen, die beschließen in eine NPO zu gehen, wollen nicht die Welt und die Gesellschaft, sondern einen "wohldefinierten Bereich" verändern. Für junge Menschen rücken NPOs als potenzielle Arbeitgeber immer mehr in den Fokus. Und es seien beileibe keine Menschen, die sich dem Wettbewerb nicht aussetzen wollen, so Meyer weiter. Im Gegenteil. Meyer: "Diese Menschen haben einfach nur eine positiv andere Einstellung zu Arbeit und Beruf." (Der Standard, Printausgabe, Heidi Aichinger, 8./9.9.2007)

  • Es diskutierten:
Martin Mayer, Managing Partner, Iventa Management Consulting
Elfriede Riesinger, Geschäftsführerin Personal, NÖ Landeskliniken Holding
Michael Meyer, Vorstand NPO-Institut, Wirtschaftsuniversität Wien
Hans Peter Halouska, Generalsekretär ÖAMTC
Hans Garstenauer, Abteilungsleiter Personal, Finanzmarktaufsicht
Klaus Rosino, kaufmännischer Leiter, Kuratorium für Verkehrssicherheit
    foto: standard/andy urban

    Es diskutierten:
    Martin Mayer, Managing Partner, Iventa Management Consulting
    Elfriede Riesinger, Geschäftsführerin Personal, NÖ Landeskliniken Holding
    Michael Meyer, Vorstand NPO-Institut, Wirtschaftsuniversität Wien
    Hans Peter Halouska, Generalsekretär ÖAMTC
    Hans Garstenauer, Abteilungsleiter Personal, Finanzmarktaufsicht
    Klaus Rosino, kaufmännischer Leiter, Kuratorium für Verkehrssicherheit

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