Kampf dem Sushi und "zwiebelschneidenden Nazis"

19. Oktober 2007, 00:50
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Rainald Grebes "Volksmusik" reimt Anarchie auf Poesie und rückt im Konzerthaus dem Prekariat und dem Bobo-tum im schwachsinnigen Kostüm zu Leibe - Mit Gewinnspiel für Wien und Linz

Ein vorwurfsvolleres "Lala-lala" hat man wohl selten gehört: Rainald Grebe kleidet seine Alltags-Anarchie gegen Konsumzwang, Angepasstheit und Massenkompatibilität in schlichte, in ihrer subtilen Intelligenz bestechende Reime, dazu knarzt die Gitarre mitunter rockig auf. Manchmal schnitzt der "Urenkel des Dadaismus" – wie etwa in Castingallee, Single in Berlin oder Münze und Scheine – auch eigene, frustrierte Loser-Charaktere, deren Geschichten vom kleinen privaten Untergang sich in witzige Zeilen kleiden.

Die brachiale Komik der Lieder ergibt sich aber erst im Zusammenwirken von Text, Gesang und Musik. Das ist auch der Grund, weswegen ihnen niemand glauben wird - oder bestenfalls peinlich berührt und irritiert den Kopf schütteln - wenn sie ihm begeistert Grebe-Texte rezitieren oder womöglich nacherzählen.

"Paul war früher Grafiker in einer hippen Agentur. Er hing immer nur auf Vernissagen herum mit seiner hippen Oasis-Frisur. Die Agentur war ein hippes Fiasko. Irgendwann war sie nicht mehr da. Der Paul hat das erst nicht so ernst genommen, weil der Ernst noch nie bei ihm klopfen war." (aus: Münzen und Scheine)

Setzt ihnen dann auch noch der Ohrwurmcharakter von Grebes Liedwerken derart zu, dass sie während der Arbeit unvermittelt Textfragmente vor sich her singen, ist es mit ihrem Ruf der Seriosität endgültig vorbei. Eventuell wir man sogar ihre musikalische Zurechnungsfähigkeit in Zweifel ziehen. Aber es hilft alles nichts. Grebe muss sein.

"Er schafft es, gesellschaftliche Themen mit so viel Schwachsinn zu verbinden, dass es einfach Spaß macht", schrieb NewsBerlin. Einen Schwachsinn, den Grebe auf der Bühne zusätzlich in wirklich dämlichen Kostümierungen auslebt – etwa mittels Plüschhuhn am Kopf – ohne dabei auch nur eine Miene zu verziehen.

Gemeinsam mit seiner "Kapelle der Versöhnung" hat Grebe im Frühjahr das Album Volksmusik fertig gestellt, auf dem allerhand dieser frechen, die allgemeine Verlogenheit kritisierenden Lieder zu finden sind und dessen mitsing-freudiges Highlight Single in Berlin ist:

"Ich halts nicht aus, ich halts nicht aus. Diese Arschparade. Alle sind so schön, alle sind so schön, alle sehen so glücklich aus. ich geh da nicht mehr raus. Bin wieder Single in Berlin. Toll. Single in Berlin. Toll. [...] Ich muss mein Leben ändern. Ich mach jetzt Bauchmuskeltraining."

So geht es dahin bis der Frust in der mit der Inbrunst frustrierter Verzweiflung herausgeschrieenen Zeile "Sex wird total überbewertet" gipfelt - eine Beruhigungsfloskel, die sich der Großstadt-Single nicht mal mehr selber glaubt. (Hörprobe auf YouTube .)

Live bietet sich diese Chance bereits kommende Woche in Linz, Wien und Freistadt. Gemeinsam mit Gitarrist Marcus Baumgart stellt Grebe seine Deutschland(!)reise in Liedform vor: "Von Thüringen bis zur Loreley, über den Atlantik an den Nil, vom Reihenhaus ins Auenland", soll die Reise gehen. Dass das auch den Österreichern schmeckt, erklärt Grebe gleich selbst: "Ich bin ein Liebeslied, das überall gefällt. Ich bin ein Reinhold Beckmann-Schlüsselanhänger. Ich duze die ganze Welt. Ich bin massenkompatibel. Massenkompatibel." (kafe)

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derStandard.at/Kultur verlost 5x2 Karten für "Rainald Grebe Volksmusik" in Linz und Wien am 17. bzw. 18.10.2007.
>>>Zum Gewinnspiel
Rainald Grebe Volksmusik
Termine:
17.10.: Österreichpremiere in Linz, Posthof – Beginn: 20 Uhr
18.10. Wien, Konzerthaus Neuer Saal - Beginn: 19:30 Uhr
19.10. Freistadt, Salzhof – Beginn: 20 Uhr

  • Rainald Grebe (Foto: Jim Rakete)Rainald Grebe: "Volksmusik"
Termine:
17.10.: Österreichpremiere in Linz, Posthof – Beginn: 20 Uhr

18.10. Wien, Konzerthaus  Neuer Saal  - Beginn: 19:30 Uhr    
19.10. Freistadt, Salzhof – Beginn: 20 Uhr
    foto: jim rakete

    Rainald Grebe (Foto: Jim Rakete)

    Rainald Grebe: "Volksmusik"
    Termine:

    17.10.: Österreichpremiere in Linz, Posthof – Beginn: 20 Uhr
    18.10. Wien, Konzerthaus Neuer Saal - Beginn: 19:30 Uhr
    19.10. Freistadt, Salzhof – Beginn: 20 Uhr

  • derStandard.at/Kultur verlost 5x2 Karten für "Rainald Grebe. Volksmusik" in Linz und Wien am 17. bzw. 18.10.2007.
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    foto: hoanzl

    derStandard.at/Kultur verlost 5x2 Karten für "Rainald Grebe. Volksmusik" in Linz und Wien am 17. bzw. 18.10.2007.
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