VMware integriert Virtualisierung direkt in die Hardware

10. September 2007, 06:01
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ESX Server 3i kommt mit 32 MByte schlankem Hypervisor ohne Basis-Betriebssytem aus - Dell, IBM und HP wollen noch dieses Jahr erste Produkte auf den Markt bringen

Im Vorfeld der eigenen Hausmesse VMWorld hat der Softwarehersteller VMware mit dem ESX Server 3i ein neues Produkt angekündigt, das die Virtualisierungswelt nachhaltig verändern soll: In Zusammenarbeit mit zahlreichen großen Server-Herstellern soll der Hypervisor direkt in die Hardware der Geräte integriert werden - ein Basis-Betriebssystem ist so nicht mehr vonnöten.

Simpel

"Mit dem heutigen Tag läutet VMware eine neue Ära ein, in der Virtualisierung nicht mehr von der Hardware getrennt ist - es ist einfach die Art wie Standard-Industrie-Server funktionieren", zeigt sich Raghu Raghuram, Vizepräsident für Produktmarketing von der Tragweite der Ankündigung überzeugt. Die eigenen Kunden könnten künftig einfach ihren Server einschalten und in einen voll funktionsfähigen Hypervisor booten, um so schnell und einfach die Vorteile von Virtualisierung zu nutzen.

Reduktion

Möglich wird dies, da man die benötigten Grundlagen für den Hypervisor erheblich reduzieren konnte, so Martin Niemer von VMware gegenüber dem WebStandard. Bisher bestand die Software immer aus zwei Komponenten: Dem eigentlichen vmkernel und einer Service-Konsole, die auf einem Red Hat-Linux basierte.

Geschrumpft

Mit dem ESX Server 3i ist es dem Unternehmen nun gelungen, gänzlich auf den zweiten Teil zu verzichten, was den Ressourcen-Bedarf erheblich reduziert: Statt einem 2 GByte umfassenden Paket kommt man nun mit dem 32 MByte großen vmkernel aus, der künftig in einer Art BIOS direkt mit der Hardware ausgeliefert werden soll. Die Funktionalität der Service-Konsole fällt damit zwar weg, kann aber von außen durch den Zugriff per Remote Shell ersetzt werden.

Vorteile

Niemer sieht in diesem Zugang einige zentrale Vorteile: So werde die Sicherheit erhöht, da man sich nicht mehr um Patches für das Red Hat-System kümmern müsse - ein Bereich der bisher den Großteil der Updates ausgemacht habe. Auch würden so plattenlose Server möglich, etwas das unter anderem Vorteile in Hinblick auf den Stromverbrauch bringe.

Basis

Der ESX Server 3i versteht sich als Basis-Produkt, welches nur den eigentlichen Hypervisor anbietet, darauf basierend könne man aber auch die gesamte Palette an Services der VMware Infrastructure 3 einsetzen. Dazu gehören etwa das VirtualCenter, VMotion, der Distributed Resource Scheduler, die High Availability-Tools und das VMware Consolidated Backup.

Auslieferung

Die ersten Server mit der integrierten Virtualisierungslösung sollen noch vor Ende des Jahres auf den Markt kommen, VMware konnte dafür Dell, IBM und HP gewinnen. Weitere Hersteller sollen im Laufe des kommenden Jahres folgen. Dass VMware an einer entsprechenden Lösung war schon vor einigen Monaten gerüchteweise kolportiert worden, vor einigen Tagen hatte dann XenSource eine ähnliche Verbindung zwischen dem eigenen Hypervisor und der Hardware angekündigt. Allerdings soll bei XenSource das Ganze auf einem mit 4 GByte recht umfangreichen Flash-Speicher platziert werden, der extern per USB angehängt wird.

OS-Fragen

Die jetzige Ankündigung ist wohl auch als Antwort auf die in letzter Zeit vermehrt aufgeworfene Frage zu verstehen, wie das Unternehmen darauf reagieren will, dass - andere - Virtualisierungstechnologien zunehmend ein fixer Bestandteil der großen Betriebssysteme werden: Man setzt schlicht eine Ebene tiefer an. (Andreas Proschofsky aus San Francisco)

  • Ganz im Mittelpunkt: Der Hypervisor. Transparent auf der am Dienstag startenden VMworld
    foto: andreas proschofsky

    Ganz im Mittelpunkt: Der Hypervisor. Transparent auf der am Dienstag startenden VMworld

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