Benedikt bedankte sich im Konzerthaus bei ehrenamtlichen Mitarbeitern

6. Februar 2008, 20:24
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Vertreter sozial-karitativer Organisationen: "Papst ist der Erste, der Worte des Dankes in dieser deutlichen Form gesagt hat" - mit Video

Wien - Papst Benedikt XVI. hat bei einer Begegnung mit ehrenamtlichen Helfern aus dem sozialkaritativen Bereich im Wiener Konzerthaus die "ausgeprägte Kultur der Freiwilligkeit in Österreich" gelobt. "Gott sei Dank ist es für viele Menschen eine Ehrensache, sich für andere, für eine Vereinigung, für einen Verband oder für bestimmte Anliegen des Gemeinwohls zu engagieren", sagte der Papst am Sonntagabend bei der letzten Station seines Österreich-Besuchs.

Nächstenliebe sei nicht delegierbar, und weder Staat noch Politik könnten sie ersetzen. An die Politiker appellierte Benedikt XVI., "günstige Rahmenbedingungen" zu schaffen, damit das sozialkaritative Engagement weiter optimiert werden kann. "Ihr Freiwillige seid nicht Lückenbüßer im sozialen Netz, sondern wahrhaft Mitträger am humanen und christlichen Gesicht unserer Gesellschaft", zollte der Papst Anerkennung.

Ehrenamtliches Engagement sei ein "Echo der Dankbarkeit" und "Weitergabe der Liebe", stellte das Kirchenoberhaupt fest und beklagte eine oft anzutreffende "Kultur, die alles verrechnen und auch alles bezahlen will, die den Umgang der Menschen miteinander in ein oft einengendes Korsett von rechten und Pflichten zwingt".

"Tief beeindruckt"

Bei den Vertretern sozial-karitativer Organisationen hat der Auftritt von Benedikt XVI. im Wiener Konzerthaus einen tiefen Eindruck hinterlassen. "Der Papst ist der Erste, der die Worte des Dankes in dieser deutlichen Form gesagt hat", meinten etwa Vertreterinnen des Malteser Hospitaldienstes. Auch Mitglieder nichtchristlicher Organisationen waren von der Ansprache Benedikts beeindruckt. Bei der Abfahrt des Heiligen Vaters verabschiedeten sich die Wiener Sänger mit einem improvisierten Ständchen.

Als äußerst positives Zeichen wertete Carla Amina Baghajati, Pressesprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die Würdigung der Arbeit von christlichen und nichtchristlichen Organisationen durch den Papst. Denn dadurch werde der Schwerpunkt auf das Verbindende der caritativen Arbeit gelegt.

Beeindruckt gab sich auch Generalsekretär Heinz Patzelt von amnesty international Österreich von dem "breiten gemeinsamen Verständnis der freiwilligen Arbeit", vor allem in Zeiten, in denen der Vatikan seine Organisation aufgrund der Aussagen zur Gewalt gegen die Frau kritisiere. Allerdings sei es bitter, dass bis dato alle Religionen kein vollständiges Bekenntnis zu Menschenrechten hätten, merkte Patzelt kritisch an.

Als tolles Zeichen wertete der ehemalige "Licht-ins-Dunkel"-Organisator Kurt Bergmann den letzten Programmpunkt des Papstes. Damit habe er die freiwilligen Dienste an Menschen in Not gewürdigt und anerkannt. Er hofft nun auf die Wirkung der Worte des Papstes auf staatliche Institutionen, spielte Bergmann auf seine Forderung an, Spenden steuerlich absetzbar zu machen.

Großartiger Staatsakt

Als großartigen Staatsakt zugunsten der Freiwilligkeit bezeichnete Caritas-Präsident Franz Küberl die Begegnung des Heiligen Vaters mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern im Konzerthaus. Von seiner persönlichen Begegnung mit Benedikt war Küberl noch sichtlich bewegt. Den Besuch des Pontifex beurteilte Küberl generell als positiv. Es sei Benedikt gelungen, unterschiedliche Schichtungen des Kirchlichen zu transportieren.

Diakonie-Direktor Michael Chalupka zeigte sich vor allem von Benedikts Aussage beeindruckt, dass Nächstenliebe nicht delegierbar sei und gleichzeitig der Staat geeignete Strukturen zu stellen habe. Mit der Ansprache habe der Papst gezeigt, dass es viele Bereiche gebe, wo es keine ökumenische Differenzen gebe. (APA)

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