Nachlese 2007 - Kopf des Tages: Cate Blanchett

9. September 2007, 19:51
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Bob Dylan ist eine nervöse Frau - Coole Pose: Cate Blanchett wurde für ihre Dylan-Rolle prämiert

Angst soll ja Motor für viele Dinge sein. Wenn Cate Blanchett also auf der Pressekonferenz in Venedig auf die Frage, wie sie auf das Angebot, Bob Dylan zu spielen, reagiert hätte, rasch antwortet: "Mit Angst!" - dann muss sie eben jene förmlich zu Höchstleistungen angetrieben haben. In dem von Todd Haynes inszenierten Film "I'm Not There" über den US-Musiker ragt ihre Performance über die der fünf anderen Darsteller hinaus.

Dabei ist die Rolle für die 1969 in Melbourne, Australien, geborene Darstellerin gar nicht so typisch. Selten sieht man sie in einer Rolle ganz aufgehen. Method-Acting, die von US-Schauspielerkollegen bevorzugte Schule, ist ihr vollkommen fremd: Sie wolle nicht für eine Rolle hungern, sagte Blanchett einmal in einem Interview, "bis auch die Gehirnzellen einschrumpfen. So wird man nie arbeiten können."

Und doch sieht Blanchett Bob Dylan schon äußerlich am ähnlichsten. Sie spielt den Folk- und Rockmusiker in "I'm Not There" in seiner unbeständigsten Phase: Nervös, von lästigen Journalisten schnell gereizt, meist etwas drogenumwölkt und deshalb auch kaum zu fassen. Nun könnte ihr ein ähnlicher Siegeszug bevorstehen wie Helen Mirren, die im vergangenen Jahr als "Queen" auf der Mostra mit der Coppa Volpi die erste von vielen Auszeichnungen gewann.

Blanchett studierte zunächst Wirtschaft und Architektur, wechselte dann aber auf die Schauspielschule von Melbourne und spielte am Anfang ihrer Karriere mit Erfolg am Theater. Erstmals international auf sich aufmerksam machte sie neben Ralph Fiennes in dem romantischen Drama "Oscar and Lucinda". Danach ging es schnell: Für "Elizabet"h erhielt sie als kühle Tudor-Königin ihre erste Oscar-Nominierung, fünf Jahre später gewann sie ihn dann für ihre Verkörperung von Katherine Hepburn in Martin Scorseses "The Aviator". Wie ihren Part als Dylan interpretierte sie schon diese Rolle mit einer exzessiven Note - so als würde sie die Künstlichkeit ihrer Darstellung betonen wollen.

Blanchetts Karriere verläuft sehr konsistent. Sie hat mit Regisseurinnen und Regisseuren wie Sally Potter, Wes Anderson, Jim Jarmusch und zuletzt auch mit Steven Soderbergh gearbeitet. Es mag falsche Bescheidenheit sein, wenn sie von sich behauptet, sie habe nie den Wunsch gehabt, irgendwohin zu gelangen. Denn dafür ist sie eindeutig zu weit gekommen.

Die Art und Weise, wie sie ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit schützt, zeigt zumindest, dass sie nicht auf schnell vergänglichen Ruhm aus ist: Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Drehbuchautor Andrew Upton, lebt sie zurückgezogen als Mutter zweier Söhne in England. Und wie hat sie sich da auf Bob Dylan vorbereitet? "Ich habe meine Brüste abgebunden und bin einfach raus ins Licht!" (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.9.2007)

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