Der Morgen nach Benedikt

6. Februar 2008, 20:24
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Heikle Themen der Kirche blieben beim Besuch von Papst Benedikt XVI. weitgehend ausgeklammert - Lediglich die Abtreibung wurde thematisiert

Heikle Themen hatte der Papst weit gehend ausgespart - kein Wort zum Pflichtzölibat oder zum Priestermangel. Lediglich seine Rede in der Hofburg, in der er die Abtreibung thematisierte, sorgte kurzfristig für politische Aufregung. Der Andrang hielt sich in Grenzen.

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Der Papst hat keinen enttäuscht. So viel steht nach drei Tagen Benedikt XVI. in Österreich fest. Für die, die zum Heiligen Vater pilgerten, wurde es das erhoffte Glaubensfest, für die heimische Kirche begann nach dunklen Jahren der Krise eine neue Zeitrechnung, und selbst die schärfsten Kirchenkritiker können sich bestätigt fühlen. Erhoffte (Problem-)Themenbereiche wie den Pflichtzölibat, das Frauenpriestertum oder den Priestermangel sparte der Papst in seinen insgesamt sieben Reden konsequent aus - wie von den Kritikern eben bereits im Vorfeld erwartet.

Der Startschuss für den päpstlichen Reigen fiel am Freitag eher lau aus. Der Draht nach oben war gerissen, Petrus hatte kein Einsehen mit seinem legitimen Nachfolger auf Erden. Statt der erhofften 25.000 Jünger trotzten nur rund 7000 Wind und Regen und bejubelten den Papst Am Hof. Und man zeigte sich bereits zum Auftakt selbstkritisch. Die Kirche in Österreich sei durch "notvolle, schmerzliche Zeiten gegangen", erinnerte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn im Hinblick auf die "Turbulenzen" seit Mitte der Achtzigerjahre. Es gebe die Gefahr der Mutlosigkeit, der Resignation, der Hoffnungslosigkeit.

Nach der Begegnung Am Hof dann ein erster stiller Höhepunkt: Am Judenplatz verneigte der Papst sich beim Holocaust-Mahnmal vor den Opfern der Shoah. Dem Gedenken folgte am Abend in der Hofburg der erste innenpolitische (künstliche) Aufreger. In seiner Rede vor der geschlossen anwesenden Regierungsmannschaft sparte Benedikt XVI. nicht mit Kritik. Und wurde mit einer Passage zum Thema Abtreibung (siehe unten) gründlich missverstanden. Zusammengefasst mahnte der Papst die Politik, dafür zu sorgen, dass die als "Unrecht" im Gesetz definierte Fristenlösung auch in den Köpfen stets so gesehen wird - trotz Straffreiheit.

Problem-Verweigerung

Doch zu diesem Zeitpunkt war der Medienzug bereits abgefahren. Schlagzeilen wie "Benedikt fordert von Politik Abtreibungsverbot" veranlassten Vatikan-Pressesprecher Federico Lombardi zu einer nächtlichen Gegendarstellung. Nüchtern betrachtet war die päpstliche Hofburg-Rede ein glühendes Manifest für ein gemeinsames Europa - so realitätsnah, dass selbst die größten Benedetto-Kritiker verstummten. Und ein Nein zu Abtreibung und aktiver Sterbehilfe - was kaum verwundert. In der Aufregung ging dabei ein spannendes Detail fast unter: Der Papst erinnerte beim Thema Abtreibung auffallend deutlich daran, dass es vor allem auch Aufgabe der Kirche sei, sich um betroffene Frauen verstärkt zu kümmern.

Die weiteren Tage waren von dem geprägt, was die Kirche besonders gut kann: feiern. Mariazell wurde zum nassen Fest mit rund 33.000 Pilgern. In seiner Predigt forderte der Papst, Europa müsse kinderfreundlicher werden: "Europa ist arm an Kindern geworden. Wir brauchen alles für uns selber, und wir trauen wohl der Zukunft nicht recht".

Bei der Vesper mit Priestern und Ordensleuten in der Basilika von Mariazell verlor der Papst kein Wort zur Zölibatsproblematik, zum Priestermangel oder zur Überalterung des Klerus in Österreich. Vielmehr forderte er einen "demütigen kirchlichen Gehorsam" ein. Die Messe am Sonntag im Stephansdom wurde zu einem Plädoyer für den Tag des Herrn. Benedikt XVI. rief in seiner Predigt einmal mehr die Bedeutung des freien Sonntags in Erinnerung.

Letztlich hat der Besuch von Benedikt XVI. vor allem eines gebracht: Stärkung in alle Richtungen. Den tausenden Pilger in ihrem Glauben, den Gegner in ihrer Kritik und der heimischen Kirche in ihrer Hoffnung, dass irgendwann keiner mehr das Gras abmäht, das mühsam über die Affäre Groër wächst. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2007)

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    Papst Benedikt XVI. mit den Spitzen des Klerus während der Eucharistiefeier am Sonntag im Dom zu St. Stephan.

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