Rainhard, Benedikt und der Coup des Abtes

6. Februar 2008, 20:24
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Stift Heiligenkreuz: Austropop, Opernklänge und Papst-Show machen die Pilger froh

Die Dramaturgie war nahezu perfekt. Punkt 16.20 Uhr bahnte sich die Sonne ihren Weg durch die Wolken und setzte das Stift Heiligenkreuz ins rechte Licht. Bloß: Papst Benedikt verspätete sich um wenige Minuten – und bei seiner Ankunft war die Sonne schon wieder verschwunden. Wenigstens wartete der Regen, bis Benedikt XVI. in die Stiftskirche eingezogen war. Hierher war er gekommen, „um auf das Leben des Heiligen Benedikt aufmerksam zu machen, nach dem auch die Zisterzienser leben“, wie er in seiner Rede betonte. Und von hier aus wünschte er auch „allen geistlichen Orten in Österreich Fruchtbarkeit und Strahlkraft“.

Dabei hatte es dem Vernehmen nach gerade wegen Abt Gregor Henckel-Donnersmarcks „Coup“, den Heiligen Vater ausgerechnet nach Heiligenkreuz zu holen, einiges an Verstimmung gegeben.

Die Mönche bedankten sich bei ihm mit Gesang und Geschenken, die Gläubigen mit Applaus und Benedetto-Sprechchören. Vom Stiftserker aus segnete der Papst all jene, die Stunden für eine halbe Stunde Papst-Schauen ausgeharrt hatten und er verabschiedete sich mit den Worten „Grüß Gott und auf Wiedersehen, Vergelt‘s Gott“.

Noch ein Foto mit den Mönchen – so hatte es die Dramaturgie von Organisator Pater Karl Wallner vorgesehen – dann wollte der Papst wieder in seine Limousine steigen. Wären da nicht der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll und Wissenschaftsminister Johannes Hahn (beide ÖVP) gewesen: Denn die wollten sich einen kurzen Schwatz samt Shakehands mit Benedikt XVI. nicht entgehen lassen.

Dabei hatten sie bestimmt nicht so lange gewartet wie Frau Eckel. Sie war eine von denjenigen, die sich schon um die Mittagszeit im Stift Heiligenkreuz eingefunden hatten. Da stärkte sie sich mit einem Paar Pilgerfrankfurter und pries die Frequenz, auf die ihr Leben einstellt ist – 93,4, Radio Maria.

Leicht hat man es den Pilgern nicht gemacht, um am „bedeutungsvollsten Sonntag dieses Klosters“ (Pater Berhard Vosicky) teilnehmen zu können. Die Zählkarten für den Eintritt mussten in der Vorwoche persönlich abgeholt werden. Dafür bekam, wer heute da war, das volle Programm: Eine Liveübertragung vom Stephansplatz, gleich drei Messen und nicht zu vergessen – Opernsängerin Anja Silja und Rainhard Fendrich mit „I am from Austria“ und „Weusd’ a Herz hast wia a Bergwerk“.

Die Pfarrgruppe Kaltenleutgeben hatte es bis ins Zentrum des Klosters geschafft. Wie man zu den guten Plätzen im Inneren der Abteikirche kommt? „Das weiß ich selbst nicht“, sagt Organisatorin Waltraud Meijer-Krones zum Standard. Jedenfalls pflegt man gute Kontakte zum Heiligenkreuzer Abt, Gregor Henckel-Donnersmarck. Der führt nämlich des öfteren Glaubensgespräche mit der Pfarrgruppe. Einen Haken hat die Sache mit den zentralen Sitzplätzen aber auch: Die vier Stunden, die man bis zum großen Augenblick zu warten hatte, mussten in der Kirche verbracht werden. Ein Zurück gab es nicht.

Nein zum Papstkult

Aber nicht alle freuten sich so auf den Besuch des Papstes wie die Gläubigen, die sich in Heiligenkreuz versammelten. Eine Religionslehrerin hat ein Transparent aus ihrem Fenster gehängt, das folgende kritische Aufschrift trägt: „Bruder Benedikt ja. Nein zu übertriebenem Personenkult und Papstwahn.“

Heinz Cernoch von der Kaltenleutgebener Pfarrgruppe ist jedenfalls gerne hier vor Ort, wenn er auch einräumt: „Wenn man die fünf Millionen Euro, die der ganze Papstbesuch gekostet hat, für etwas anderes, Karitatives, verwendet hätte, ist das natürlich eine einfache Rechnung, die man so nicht anstellen kann. Aber ich tue mir schon schwer, wenn jemand, der nicht so gläubig ist, das als Gegenargument verwendet.“ (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2007)

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