Krabbeln und abstrampeln

13. September 2007, 11:26
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Mountainbiken am Gardasee mit dem Kleinkind im Anhänger

"Zum Mountainbiken an den Gardasee? Jederzeit! Wie, ihr nehmt eure Zwerge mit?" Den alten Sportsfreunden - genauer: den kinderlosen unter ihnen - kam dann kurzfristig doch etwas dazwischen. Jahrelang standen anspruchsvolle Touren auf dem Programm und nun soll daraus ein Familienausflug mit Kleinkindern zwischen neun und 19 Monaten im Fahrradanhänger werden? Zugegeben: Auch die drei Elternpaare waren nicht sicher, ob das ein gelungener Bike-Urlaub werden konnte.

Dreierlei ist dafür Voraussetzung: ein wendiger Fahrradanhänger mit guter Federung. Kurze Touren auswählen, auf dass die Kids nicht allzu lang ihrer natürlichen Bestimmung - krabbeln, laufen, die Welt entdecken - entzogen werden. Und: Losfahren, wenn sie bereit für ihren Mittagsschlaf sind. Den können sie ruhig im schunkelnden Fahrradanhänger halten.

Was einfach klingt, erfordert bei drei Kindern mit unterschiedlichen Schlafenszeiten ein ausgefuchstes Zeitmanagement. Während Felix die Augen bereits um elf Uhr schwer werden, zelebriert Jana noch ihre persönliche Pasta-Party. Theo nutzt die Zeit, um sich noch einmal so richtig auszukrabbeln. Jana, endlich mit ihren Nudeln fertig, will jetzt schlafen - und zwar pronto. Erst aber braucht Felix noch eine frische Windel. Die Zeit läuft. Schnell noch die Sicherung der Anhängerkupplung kontrollieren, die Tachos eichen und los geht's. Die Eltern, noch keinen Höhenmeter gefahren, schwitzen bereits. Zwei Minuten später liegt Mittagsruhe über den Anhängern.

Wieder der Nase nach

Beim Pedalieren nach Riva macht es sich dann allmählich breit - das herrliche Gefühl, wieder auf dem Mountainbike zu sitzen. Die Berge, der tiefblaue See, die einzigartige Brise um die Nase - wie früher. Klar, die Touren mit Kind sind andere. Wurzelige Trails und geröllige Downhills sind selbst mit einem gut gefederten Anhänger nicht fahrbar - jedenfalls nicht guten Gewissens. Sportlich ist Hänger-Biken aber in jedem Fall: Die rund 25 zusätzlichen Kilos von Anhänger samt Kind machen jeden Anstieg gleich um ein paar Prozentgrade steiler. Und Routen, die neben dem Trainingseffekt auch landschaftliche Highlights garantieren, bietet die nördliche Gardasee-Region genug.

Zum Beispiel jene ab Riva auf der alten Ponale-Straße. Die Schotterauffahrt, einst eine Militärroute und lange Zeit einzige Verbindung ins Ledrotal, schmiegt sich in Serpentinen stets am Fels entlang und gilt als eine der schönsten Mountainbike-Strecken in Europa. Lange Zeit war sie wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Seit drei Jahren ist sie - auf ausgebessertem Belag und gesichert mit Netzen - wieder befahrbar.

In der Mittagshitze sind vergleichsweise wenige Biker unterwegs, einige bereits wieder auf dem Rückweg nach Riva. Begeistert sind sie vermutlich nicht, ihre rasante Abfahrt für die Anhängerkolonne zu bremsen. Respekt zollen sie ihr dennoch. Der Anstieg geht wahrlich in die Beine, doch dafür wird man allenthalben mit Blicken über den felsigen Abgrund auf das funkelnde Wasser belohnt.

Nicht alles verschlafen!

Felix und Jana schlafen friedlich, Theo ist aufgewacht und fordert sein Kuscheltuch ein. Nach knapp drei Kilometern gabelt sich der Weg. Rechts führt ein asphaltiertes Sträßchen weiter bergauf zum Ledrosee - eine mit Anhänger ebenso schweißtreibende wie lohnenswerte Route, die auf kurzzeitig sehr steilen Abschnitten durch verschlafene Dörfer und üppige Wiesen führt. Kleines Manko: Ein kurzer Streckenabschnitt verläuft auf der von Motorradfahrern stark frequentierten und damit nicht ganz ungefährlichen Hauptstraße.

Als pure Genusstour erweist sich hingegen die linke Abzweigung. Sie führt auf einem kaum befahrenen, von Olivenbäumen gesäumten Sträßchen in weiteren Schleifen hinauf nach Pregasina. Am Ortseingang des kleinen Dörfchens, das förmlich am Hang zu kleben scheint, lockt eine Terrassenwirtschaft mit altem Obstgarten zur Einkehr. Der Ausblick über den See ist famos. Vorher aber noch sehen Elternaugen: eine Rutsche! Eine Schaukel! Und eine Wiese zum Krabbeln! Jana, Felix und Theo werden ihren Spaß haben. Die Eltern umso mehr. (Birgit Obermeier/Der Standard/Printausgabe/8./9.9.2007)

Anhänger-Touren auf der alten Ponale-Straße:
Tour 1
Start: Riva del Garda Ziel: Pregasina
Höhenunterschied: 470 Meter
Fahrzeit: ca. 2 bis 2,5 Stunden
Einkehr/Rast: Hotel Rosalpina in Pregasina
Tour 2
Start: Riva del Garda
Ziel: Molina di Ledro
Höhenunterschied: 577 Meter
Fahrzeit: ca. 2,5 bis 3 Stunden
Einkehr/Rast: zahlreiche Wiesen unterwegs, hinter Molina di Ledro Restaurants und Eisdielen am Seeufer

Karte: Kompass WK 071,
Alpi di Ledro/Valli Giudicarie.

Info:
Lago di Garda
  • Die wieder- eröffnete  Ponale-Straße ist nicht  gerade eine  "babyleichte" Mountainbike-Strecke, aber dennoch gut mit Kleinkindern befahrbar.
    foto: lagodigarda.com

    Die wieder- eröffnete Ponale-Straße ist nicht gerade eine "babyleichte" Mountainbike-Strecke, aber dennoch gut mit Kleinkindern befahrbar.

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