Heißes Viertel geerdet

12. September 2007, 15:59
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Rund um die niederösterreichische Landesausstellung "Feuer & Erde"

Most oder Eisen. Auf die weiche oder auf die harte Tour - diese beiden Konstanten ziehen sich als touristisches Grundkonzept durch das Mostviertel, da macht auch die niederösterreichische Landesausstellung "Feuer & Erde", die noch bis zum 4. November zu sehen ist, keine Ausnahme.

Auf kleiner Flamme lodert in Waidhofen/Ybbs ein allgemeiner, mythologischer Überbau zum Thema "Feuer", schnell kommt man allerdings zurück zum Schmiedeeisernen - man liegt ja immerhin an der Eisenstraße. Und weil ja nach St. Peter/Au bekanntlich die Moststraße führt, darf man sich von diesem Ausstellungsteil im neu revitalisierten Renaissanceschloss auch tatsächlich eine Auseinandersetzung mit der Kultivierung des Bodens erwarten. Dem Schloss hat's jedenfalls gut getan, die historischen Wassergräben wurden erneuert, die alten Teiche reaktiviert, und wenn die jüngeren Ausstellungsbesucher nicht bei einem Töpferkurs im Pavillon des Schlossparks landen, bleibt noch die Möglichkeit, sich in den Erdlöchern des Spielplatzes zu suhlen.

Ohnehin zwei Hammer

Jetzt kann man natürlich zurecht behaupten, dass die harten Fakten, also der Themenkomplex um die Eisenverarbeitung, in Ybbsitz auch ohne eine Landesausstellung anschaulich präsentiert werden. Auf der bestehenden, drei Kilometer langen "Schmiedemeile" sind gleich acht Stationen mit einem Themenwanderweg verbunden. Der Fahrngruber Hammer und der Strunz Hammer werden mit Schmiedevorführungen und -kursen bespielt, und das "Ferrum" als Metallmuseum verfügt ja schon länger durch Installationen und Filmvorführungen über eine szenisch angereicherte Ausstellung.

Was aber, wenn es einem abseits dieser Fixpunkte nicht so recht gelingen will, die Kulturgeschichte des Mostviertels auf eigene Faust zu ergründen? Häufig bedarf es der richtigen Geschichte, erzählt am richtigen Fleck, damit geschichtsträchtige Orte dann auch tatsächlich als solche wahrgenommen werden. Die einfachste Lösung für dieses Problem ist, man fragt SEPP.

SEPP ist eigentlich Anita Eybl, denn ihre Idee war es, dem Gast im Mostviertel eine fachkundige Begleitung - daher der Name zusammengesetzt aus "Service und Erlebnis mit Profil und Persönlichkeit" - zur Seite zu stellen, die diese Rolle übernimmt. SEPP kann übrigens auch ein Franz, ein Max oder eine Maria sein, denn mittlerweile sind es 15 ausgebildete Mostviertler, die mobil Geschichten erzählen. Theoretisch funktioniert das "rent a SEPP"-Konzept auch auf Zuruf, denn die einheimischen Guides sind an einem schwarzen Hut mit Eisenband erkennbar, wer seine 108 € für einen Halbtag oder 162 € für den ganzen allerdings sinnvoll investieren will, sollte sich besser vorher Vorschläge für eine individuelle Tour machen lassen. (Sascha Aumüller/Der Standard/Printausgabe/8./9.9.2007)

  • Mit 25 Gästebetten und einem Schloss ist St. Peter/Au touristisch unerforscht. Hier könnte man gut einen "SEPP" gebrauchen.
    foto: nö landesausstellung 2007/ kultur nö

    Mit 25 Gästebetten und einem Schloss ist St. Peter/Au touristisch unerforscht. Hier könnte man gut einen "SEPP" gebrauchen.

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