Blaue Tücher für den Pontifex

6. Februar 2008, 20:25
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Die Besucherzahlen am ersten Tag der Österreich-Visite Papst Benedikt litten unter dem Dauerregen

Der Regen hat den Wienern die Lust aufs "Papstschauen" etwas vergällt. Vor allem Schulkinder und polnische Gläubige sind es, die Benedikt XVI. Freitagmittag die ersten Huldigungen auf seiner Fahrt über das nasse Pflaster der Innenstadt entgegenbringen.

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"Die armen Kinder", sagt die Kellnerin im Lokal "Ego" und schaut mitleidig hinaus in den unablässig fallenden Wiener Regen. Die Bemitleideten, die auf der gegenüberliegenden Seite des Rennwegs stehen, scheinen die moralische Unterstützung gar nicht zu brauchen: Die Kinder aus der nahe gelegenen katholischen Privatschule Sacré Coeur fiebern Freitagmittag aufgeregt der dräuenden Passage des Papstes entgegen.

Angst, nichts vom Papamobil zu sehen, brauchen die Kleinen hier, am Anfang der Strecke durch Wiens Innenstadt, keine zu haben. Nur eine, maximal zwei Reihen Schaulustiger und Gläubiger warten entlang der mit einem Band abgesperrten Straße. Polizisten stehen in lockerer Aufstellung und haben Gelegenheit, sich mit Kollegen und Bekannten zu unterhalten. "Die singen überall gleich falsch", zeigt sich da einer der Beamten wenig angetan von der musikalischen Untermalung - christliche Lieder auf Polnisch.

Denn in der wenige Häuser weiter gelegenen Gardekirche ist die polnische Gemeinde Wiens zu Hause. Vor dem Gotteshaus stehen Lautsprecher, die die Gesänge der Jugendlichen übertragen, die unter dem schützenden Vordach stehen.

Diese Gemeinde hat sich offensichtlich gut auf den Nachfolger des "polnischen Papstes" Johannes Paul II. vorbereitet, der als lebensgroße Statue rechts vom Kirchenportal steht. Kleine Vatikanflaggen aus Papier werden ausgeteilt, die die Zaungäste neben ihren Schirmen in der Hand halten. Die Witterung ist für die gelb-weißen Fähnchen naturgemäß verheerend.

Die Sacré-Coeur-Kinder haben es da besser. Sie haben blaue Tücher bekommen, mit denen sie winken sollen. Auf Kommando. "Wo hast du denn dein Tuch?", fragt mit leicht tadelndem Unterton eine der Begleitpersonen ein Kind. "Das musst du in der Hand halten, wenn der Papst kommt", erfährt die junge Schülerin in ihrer roten Pelerine.

Blaulicht statt Benedikt

Noch muss sie sich gedulden und kann statt dem Papamobil nur die Polizeimotorräder beobachten, die mit Blaulicht Richtung Schwarzenbergplatz und Ring verschwinden. Wann denn das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nun zu sehen sei, wollen Wartende von den Polizisten wissen. Die auf den offiziellen Plan verweisen: Abfahrt um 12 Uhr 30.

Neben den Kindern und Gläubigen haben sich auch zufällig Vorbeikommende entlang der Straße aufgestellt. Ein Unterscheidungsmerkmal: Wer eine richtige Kamera dabei hat, steht bewusst im Regen, wer nur seine Handykamera zückt, fällt eher unter die Rubrik Schaulustige. Wie die junge Frau namens Coretta, die mit ihrem Kinderwagen nahe der Gardekirche steht. "Ich komme gerade von der deutschen Botschaft, und wenn ich jetzt schon hier bin, dann kann ich auch gleich schauen", meint sie.

Plötzlich kommt Hektik auf: Die Blaulichter springen an, die Eskorte setzt sich in Bewegung, dann fährt zügig das Papamobil vorbei, Benedikt XVI. winkt lächelnd. Der polnische Mädchenchor jauchzt, dann ist der Papst außer Sicht. Eine ältere Dame scheint etwas enttäuscht: "Das war's jetzt?", fragt sie, während andere im noch immer prasselnden Regen erfolglos versuchen, dem Pontifex nachzulaufen.

Innerhalb weniger Minuten löst sich die Menge auf. Als die Straße wieder freigegeben wird und die Einsatzfahrzeuge Richtung Ring abrücken, zeigt sich, dass die Kinder nicht sonderlich dogmatisch mit ihren Gunstbezeugungen umgehen. "Polizei, Polizei" schreit eine Bubengruppe vor dem Palais Schwarzenberg freudig und winkt mit ihren blauen Tüchern. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.9.2007)

  • Benedikt winkt aus dem Wagen, auch wenn der Regen den Andrang in Grenzen hielt.
    foto: christian fischer

    Benedikt winkt aus dem Wagen, auch wenn der Regen den Andrang in Grenzen hielt.

  • Viele stellten angesichts des Tempos fest: Der Heilige Vater ist auch ein eiliger Vater.
    foto: regine hendrich

    Viele stellten angesichts des Tempos fest: Der Heilige Vater ist auch ein eiliger Vater.

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