"Regierung entzieht Bevölkerung absichtlich Lebensgrundlagen"

Redaktion, 3. Mai 2008, 08:50
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    Zur Person
    Dennis Mutschler forscht am Arnold-Bergstraesser-Institut (ABI) in Freiburg zum Thema Transitionsprozesse und Entwicklungspolitik mit dem Regionalschwerpunkt Südliches Afrika, insbesondere Simbabwe.

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    Kriegsveteranen des Befreiungskampfes drücken in Harare ihre Solidarität mit Präsident Mugabe aus, 29. August 2007.

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    foto: apa/epa/bishop asare

    Geschlossene Türen in einer der größten Bäckereien Harares, September 2007. Das Land hat mit massiven Getreideengpässen zu kämpfen.

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    foto: ap

    Ein weiteres seltenes Gut: Salz im Supermarkt, Juli 2007.

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    fpto: reuters/philimon bulawayo

    Feierlichkeiten der Armee im August 2007.

Afrikafachmann Dennis Mutschler über Repression, Wirtschaftskrise und Opposition im südafrikanischen Land

Simbabwe steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit seiner Unabhängigkeit 1980, die Errungenschaften der 80er und 90er Jahre in den Bereichen Gesundheit und Bildung gehen verloren. Neben Inflation und einer Arbeitslosigkeit von über 80 Prozent sorgt vor allem der chronische Mangel an Lebensmitteln für Probleme. Hinzu kommt, dass im März des kommenden Jahres ein neuer Präsident gewählt wird. Afrikafachmann Dennis Mutschler gibt im Interview zu bedenken, dass die Wahlen alles andere als frei und fair ablaufen werden und kritisiert das Vorgehen der Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC), gegenüber Simbabwe keine einheitliche Position zu beziehen.

* * * * *

derStandard.at: Im März 2008 finden in Simbabwe Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Ist mit einer neuen Repressionswelle zu rechnen?

Dennis Mutschler: Je näher die Wahlen rücken, desto intensiver und brutaler werden der Geheimdienst (CIO), Kriegsveteranen und Jugendmilizen gegen die Bevölkerung und Oppositionskandidaten vorgehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Sicherheitskräfte vor Einschüchterung, Folter und sogar Mord nicht zurückschrecken. Hinzu kommt, dass die Wahlen alles andere als frei und fair ablaufen werden. So ist die Wählerregistrierung bereits abgeschlossen, obwohl die Bevölkerung über diese kaum informiert worden ist.

derStandard.at: Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai sieht Präsident Robert Mugabe und dessen Regierung "am Ende". Inwieweit spiegelt diese Aussage die Realität wider?

Mutschler: Tsvangirai und die MDC (Movement for Democratic Change, Anm. d. Red.) behaupten bereits seit 1999, dass Mugabe am Ende sei. Nun sind acht Jahre nach der Gründung der MDC vergangen und Mugabe sitzt immer noch im Sattel. Aber Tsvangirai hat Recht in Bezug auf den Gegenwind, den Mugabe immer deutlicher zu spüren bekommt: Es sind nicht nur die beiden Fraktionen der MDC sondern große Teile der Zivilgesellschaft und Fraktionen innerhalb der ZANU-PF, die Mugabe kritisch gegenüberstehen und herausfordern.

derStandard.at: Mugabe scheiterte mit seinem Vorhaben, sein Mandat von 2008 auf 2010 zu verlängern. Wie wahrscheinlich ist eine Erneuerung innerhalb der Regierungspartei ZANU-PF?

Mutschler: Es besteht eine Hoffnung darin, dass der Präsident dem Gegenwind aus seiner Partei irgendwann nicht mehr standhalten kann. Die meisten ZANU-PF Mitglieder sehen in Mugabe zwar noch den verdienten Freiheitskämpfer von einst, haben aber das Vertrauen in ihn als politischen Führer verloren. Ihm muss der Abgang allerdings „schmackhaft“ gemacht werden. So wird beispielsweise über eine Verfassungsreform diskutiert, bei der er Präsident bliebe, allerdings ohne exekutive Funktion. Damit hätte Mugabe keinen politischen Einfluss mehr, wäre aber vor juristischer Verfolgung immun.

derStandard.at: Oppositionsführer Tsvangirai gilt vielen als Hoffnungsträger in Simbabwe. Was wäre von ihm zu erwarten, käme er an die Macht? Wie könnte das Land aus dem Kollaps herausgeführt werden?

Mutschler: Tsvangirai hat in den letzten Jahren viel von seinem Ansehen einbüßen müssen. Er musste sich mit Vorwürfen konfrontieren, er sei zu schwach und hätte keine politische Programmatik vorzuweisen. Nach einem Machtwechsel muss in erster Linie der Inflation entgegengewirkt und der festgelegte Wechselkurs der marktwirtschaftlichen Realität angepasst werden. Weiterhin haben bi- und multilaterale Geber bereits Finanzpakete geschnürt, um bei einem möglichen Amtswechsel der simbabwischen Ökonomie beizustehen. Die Rückkehr der Diaspora würde ebenfalls einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft haben.

derStandard.at: Eine drastische Währungsabwertung, wie vergangene Woche von der Regierung beschlossen, die Kontrolle ausländischer Unternehmen bzw. "Indigenisierung" der Firmen, Preiskontrollen und Einfuhrbeschränkungen von Lebensmitteln – sind dies Wege aus der ökonomischen Krise?

Mutschler: Mugabe hat überhaupt kein Interesse daran, die wirtschaftliche Krise zu beheben, da sein Klientel, die simbabwische Elite, paradoxerweise von der wirtschaftlichen Lage profitiert: Durch die hohe Inflation von fast 8.000 Prozent und dem jenseits der finanzwirtschaftlichen Realität fixierten Wechselkurs zum US-Dollar hat sich ein Schwarzmarkt entwickelt. Auf diesem verkaufen Regierungs- und Parteimitglieder mit Zugang zu Auslandsdevisen die knappen Ressourcen, wie beispielsweise Benzin, Zucker und Speiseöl und erzielen dabei hohe Gewinne. Die „Reformen“ der Regierung sind halbherzig, widersprechen jeglichem ökonomischen Sachverstand und sind alles andere als nachhaltig.

derStandard.at: Für die Bevölkerung bedeutet die katastrophale wirtschaftliche Situation einen täglichen Kampf ums Überleben. Was sind die "Waffen der Armen"?

Mutschler: Wer jeden Tag stundenlang anstehen muss, um einen Laib Brot zu kaufen, hat keine Zeit und keine Kraft, sich im politischen Kampf zu engagieren. Die Regierung entzieht der Bevölkerung absichtlich ihre Lebensgrundlagen, wie Nahrung, Wasser und Strom, um sie handlungsunfähig zu machen. Finden Proteste statt, so werden sie brutal niedergeschlagen, um Menschen davon abzuhalten auf die Straße zu gehen.

derStandard.at: Und ist der zivilgesellschaftliche Druck stark genug, um Änderungen herbeizuführen?

Mutschler: Die Zivilgesellschaft hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Akteur entwickelt. Zwar ist sie ein heterogenes Gebilde, versucht aber durch ihren Dachverband „Save Zimbabwe Campaign" mit einer Stimme zu sprechen. Ohne die „Save Zimbabwe Campaign“ wären beispielsweise die Proteste im März nicht zustande gekommen.

derStandard.at: Die Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC) erwägt einen wirtschaftlichen Rettungsplan für Simbabwe. Ist es mit Wirtschaftshilfe allein getan, um dem Land aus seiner Krise zu helfen?

Mutschler: Wirtschaftliche Hilfe ohne Konditionalitäten wird Simbabwe nicht einmal kurzfristig zu ökonomischem Aufschwung verhelfen, da ökonomische und staatliche Ebene in Simbabwe eng miteinander verbunden sind. Ausgangspunkt für eine wirtschaftliche Erholung des Landes kann demnach nur ein Regimewechsel darstellen.

derStandard.at: Doch einem solchen stehen nicht alle Staatschefs der SADC-Mitgliedsländer positiv gegenüber.

Mutschler: Thabo Mbeki und die SADC unterstützen Mugabe mit ihrer „stillen Diplomatie“. Tanzt ein Regierungschef aus der Reihe, wie der sambische Präsident Levy Mwanawasa, so wird er mit einem Maulkorb versehen. Eine Isolierung Simbabwes innerhalb Afrikas wäre wichtig, ist aber nicht möglich, da Mugabe der letzte im Amt verweilende Freiheitskämpfer ist und er damit ein hohes Maß an Legitimität unter seinen afrikanischen Amtskollegen genießt. Die SADC hat eine große Verantwortung, der sie bisher nicht gerecht geworden ist: Solange sie keine einheitlich kritische Position bezieht, wirkt sie für die simbabwische Diktatur unterstützend.

derStandard.at: Täglich verlassen tausende SimbabwerInnen illegal das Land. Was unternimmt die Regierung in Simbabwe gegen diese massiven Auswanderungen?

Mutschler: Der Flucht aus Simbabwe wird von Seiten der Regierung kaum entgegengewirkt. Die Regierung betrachtet es eher als Vorteil, da potentielle Oppositionswähler das Land verlassen. Abgeschobene Flüchtlinge, die sich vor ihrer Flucht kritisch gegenüber dem Regime geäußert haben, drohen in Simbabwe inhaftiert und Repressalien ausgesetzt zu werden. Mittlerweile verweilt ein Drittel der simbabwischen Bevölkerung im Ausland. Die Flüchtlinge leben oft unter menschenunwürdigen Bedingungen, dennoch, so berichten viele, sei die Situation immer noch besser als in Simbabwe. (Christa Hager/derStandard.at, 10.9.2007)

Kommentar posten
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gert poelzl1
00
13.9.2007, 10:02

"we will die with our President"

In welchen Land gibt's denn sonst solche Slogans bei Demonstrationen ?

aber aber
00
14.9.2007, 17:59
sagen sies uns doch

Jack Lemberg
00
12.9.2007, 13:00

Ich hab da mal was von Tyrannenmord gelesen...

gert poelzl1
22
11.9.2007, 22:25

also bei Rhodesien fallt mir wirklich das Beispiel mit ener bananenrepublik ein.

Ca 20 mit Kalaschnikows Bewaffnete und zum Morden bereite Personen sind starker als 1000 arme Personen ohne Waffen.

Das weiss auch der Mugabe.

Warum sich diese Armen nicht eine Unterstützung von aussen suchen, frage ich mich allerdings.

Sind die zu blöde dazu oder was ?

Pesto
00
22.12.2008, 13:03

Sie können in friedlichen westlichen Demokratien beobachten, wie Massen von wohlgenährten Bürgern, die alle nötigen Rechte haben, um zu Recht beklagte Misstände zu reparieren und schlechte Politiker friedlich abzusetzen, aus einer Mischung von Faulheit, Dummheit und Schielen auf ihre Privatinteressen nichts dergleichen Sinnvolles tun sondern achselzuckend die Misstände hinnehmen.
Unterernährte, eingeschüchterte, von tödichen Krankheiten bedrohte und uninformierte Menschen haben da noch viel geringere Chancen.

Allerdings hat die Geschichte schon oft gezeigt: Wenn die 1000 entschlossen handeln, dann sind die 20 trotz ihrer Kalaschnikows im Nu Brei.

Christoph Karl Steininger
01
12.9.2007, 09:09
Niemand will dort anstreifen,

insbesondere weil Thabo Mbeki das missbilligen würde. Der Südafrikanische Nationalkongress als Partei hat sich zur Unterstützung des Diktators entschlossen. Warum, weiß kein Mensch.

Tschurndorf
01
12.9.2007, 10:21
warum?

für die unterstützung des anc im befreiungskampf, meine ich!

Joe Dalton
01
12.9.2007, 05:30

Ja, die Simbabwer sind alle bloed. Brauchen unbedingt schlaue Poelzls zur einfachen Loesung ihrer Probleme.

Ronaslan
46
11.9.2007, 17:55

Was ist deine Loesung?
Natuerlich,freie Wahlen and eine neue demokratische Regierung.Quatsch alles..Es ist hoechste Zeit Rhodesien wiederherzustellen.
Die Loesung zur Afrikas katastrophale Lage ist die postmoderne Kolonisierung..

Tschurndorf
00
12.9.2007, 11:05
neokolonisierung

ist vielleicht zu hart, aber als innovationsmittler würde ein verstärktes europäisches engagement schon mehr bringen.

korruption und mangelnde demokratie sind aber die hauptprobleme afrikas.

emma goldman
92
11.9.2007, 21:03

eigentlich sollte das auch unter wiederbetätigung fallen, wenn man bedenkt wie viele milionen den kolonialkriegen zum opfer fielen.
das geht in die hunderte

Saturnin
02
12.9.2007, 10:45

Ihr Posting grenzt ja selbst an Wiederbetätigung. Wie die Nazis wollen ja auch Sie abweichende Meinungen ausschalten (bzw. gleichschalten), ergo ein Ende der Meinungsfreiheit herbeiführen.

Chris Quast
01
12.9.2007, 01:25

Gute Emma gehens auf http://oe1.orf.at/ und schauen obs die Dimensionen (Podcast vielleicht) vom Montag noch gibt, da gabs einen sehr interessanten Beitrag zur Sinnhaft/losigkeit von meinungsverbotsgesetzen.

Chien de Pique
21
12.9.2007, 00:41
Wie (angesichts der von Mao, Stalin, Pol Pot und Konsorten hinterlassenen Leichenberge) auch alle prokommunistischen Aktivitäten,

jede Ostblock/DDR-Nostalgie und jede Solidaritätsbekundung für linke Diktatoren - selbst wenn sie noch so sehr aussehen wie ein lieber Papa Schlumpf in Khaki.

Johannes Becher
02
11.9.2007, 23:08
Ich find auch, das sollte Wiederbetätigung sein,

alles was Ihrer Meinung halt nicht entspricht, gell?

ernesto perez
12
11.9.2007, 19:21

schauen sie sich das bild des netten mannes an,dann wissen auch das er nicht,aber auch gar nichts weis über die probleme im land von mugabe,nach ihre meinung sollten wohl alle wieder in ihre kolonien zurück kehren,na ja,jeder hat so seine auffassung.

Jürgen Rembremerding
27
11.9.2007, 19:37
Gutes Argument!

Können Sie ein Bild von sich publizieren, damit ich weiß, wie ein schlauer Bursche aussieht, der weiß, wie es geht!

Ernst Guevara
56
11.9.2007, 19:05
angesichts der österreichischen geschichte

verwundert es eigentlich nicht so sehr, dass sich hier im forum apartheid-nostalgiker und andere rassistische diktatur-freunde tummeln.

Rainer Ruby
01
11.9.2007, 20:27
Auch ohne 'Apartheid-nostalgiker' zu sein

kann ich mich erinnern, daß man in Südafrika, noch zu Zeiten der Apartheid die Situation in Zimbabwe sehr genau beobachtet hat und die heutige Situation punktgenau vorhersagte. Immerhin beschäftigte das Apartheidsystem damals einige zigtausend Gastarbeiter aus dem im Niedergang begriffenen ex-Rhodesien.

emma goldman
00
12.9.2007, 00:49

"ordentliche beschäftigungspolitik"

povoa de varzim
 
12
11.9.2007, 20:01
faellt Ihnen zu Herrn Mugabe,

der sein Volk gerade verhungern laesst, auch was ein?

Zenith1
00
11.9.2007, 18:49
Ja,

der Meinung bin ich auch. Aber diese Lösung ist nicht durchführbar!

Chris Quast
00
11.9.2007, 19:08

Denk ich mir auch oft !!
1) Nicht durchführbar weil, wie kommen wir dazu !?!
2) Ist es moralisch der beste Weg, wie kann er am schonensten durchgeführt werden.

Eine Möglichkeit wäre vielleicht Afrika, gezielt mit Geld zuzuschütten (siehe wieder 1) ). Also nur Länder fördern die gewisse Standards einhalten.
Weiters verstärkt bei schon bestehenden "Wohlstandsinseln" bzw. funktionierende Staaten ansetzen, so dass die in Zukunft a) Vorbild werden und b) auch ihreren Teil zum Aufschwung Afrikas beitragen.

Alles in allem wird uns der Kontinent noch lange beschäftigen.

Ronaslan
64
11.9.2007, 16:57
Die einzige Loesung

Die einzige Loesung zu dem Problem is die Neokolonisierung.

emma goldman
01
11.9.2007, 21:04

und du wirst als erster kolonisiert, ich komm schnell mal vorbei und mach mirs bei dir gemütlich.

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