der schönste Tag der Woche: Anhänger des Marienkults

8. September 2007, 10:00
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Als ich unlängst wieder einmal meine Stammkirche im 7. Bezirk in Wien besuchte, musste ich zu meiner großen Überraschung feststellen, dass...

...dort immer noch Broschüren aus der Zeit des längst verblichenen Erzbischofs Hans Hermann Groër im Umlauf sind. Konkret handelt es sich um die am 27. Februar 1994 herausgegebene Textsammlung Christliche Lebensordnung, die zum Beispiel besagt, dass Mann und Frau trotz einer Scheidung "vor Gott zeitlebens gebunden bleiben" und "dass eine zivile Wiederverheiratung nicht der gottgewollten Ordnung der Ehe entspricht". Vielleicht sollte die ÖVP-Spitze vor ihrer nächsten Klausurtagung einmal einen Abstecher in diese Kirche machen und bei dieser Gelegenheit auch gleich Buße tun, denn wie heißt es in der "Christlichen Lebensordnung" so schön: "Das Bußsakrament bewirkt die innere Erneuerung, weshalb die Kirche zur Beichte der schweren Sünden wenigstens einmal im Jahr verpflichtet." Und schwere Sünden begeht die Truppe rund um Wilhelm Molterer, der nicht umsonst "Der scheinheilige Willi" genannt wird, ja praktisch täglich.

Die Kirche, um die es hier geht, befindet sich übrigens in der Westbahnstraße und ist mit der Straßenbahn-Linie 49 leicht zu erreichen. Geweiht ist sie (die Kirche, nicht die Straßenbahnlinie) dem Heiligen Laurentius, wobei es sich nicht um den Islamistenbekämpfer aus Brindisi, sondern um den Protomärtyrer aus Rom handelt, der u. a. Patron der Köche, Bierbrauer, Glasbläser und Feuerwehrleute ist und auch bei Ischias, Hexenschuss und Hauterkrankungen angerufen wird (aber nicht mit dem Handy!). Laurentius war, wenn man das bei einem Heiligen überhaupt so sagen darf, ein wilder Hund, denn als er am 10. August 258 als Märtyrer auf einem mächtigen Grill geröstet wurde, soll er kurz vor seinem Tod zu seinem Koch gesagt haben: "Der Braten ist fertig, nimm ihn nun vom Feuer und iß!" Das nenne ich Galgenhumor.

In der Laurentius-Kirche wird aber nicht nur für die "Christliche Lebensordnung" geworben, sondern auch für "Radio Maria", einen Sender, den ich als Anhänger des Marienkults nur wärmstens empfehlen kann. Neben der Übertragung des "Angelusläuten" (immer wieder ein Erlebnis) möchte ich Ihnen besonders den "Barmherzigkeitsrosenkranz" und die Radioshow "Loretto On Air" ans Herz legen, die vor wenigen Tagen unter dem fetzigen Motto "Pope of Hope" stand. Aber natürlich steht dieser Tage auch das Jugendmagazin "Xpect" ganz im Zeichen des Österreich-Besuchs von Benedikt XVI., weshalb die Sendung am 10. September um 20.30 Uhr "B 16 in Austria – the day after" heißen wird. Auch dass "Radio Maria" über die Wallfahrt der "Kaiser Karl Gebetsliga" nach Stams berichtet und ein Gespräch mit deren Präsidenten, Brigadier Norbert Fürstenhofer, bringt, ist dem Sender hoch anzurechnen. Dass am 8. September die Geburt der Namensgeberin von "Radio Maria" entsprechend gefeiert wird, versteht sich wohl von selbst, was mich wiederum auf eher indirektem Weg zu einer rätselhaften Formulierung führt, die ich dieser Tage in einem Blatt namens Tips gelesen habe: "Die Lieblingsfarbe der meisten Menschen ist Blau. Frauen bevorzugen Rottöne, während Männer keinen Farbton eindeutig bevorzugen." Da Maria nur blaue Gewänder trug, können wir in diesem Fall aber davon ausgehen, dass deren Lieblingsfarbe tatsächlich Blau war. Ob uns das jetzt wirklich weiterhilft, ist freilich eine andere Frage. (Kurt Palm, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 08./09.09.2007)

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