Auftakt von Wien-Besuch mit 7.000 Papst-Fans - mit Video

6. Februar 2008, 20:24
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Gebet vor Marien-Staue "Am Hof" - Stilles Holocaust-Gedenken am Judenplatz

Wien - Starke Regenfälle haben am Freitag den Beginn des dreitägigen Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Österreich getrübt. Nur 7.000 statt der ursprünglich erwarteten 25.000 Teilnehmer fanden sich zur liturgischen Eröffnungsfeier "Am Hof" in der Wiener Innenstadt ein. Unter strömendem Regen gedachte der Papst anschließend am Judenplatz den Opfern der Judenverfolgung.

Papst-Gebet vor Mariensäule

Als erste Etappe auf seinem Pilgerweg nach Mariazell, wo er am Samstag sein wird, betete Papst Benedikt XVI. vor der Mariensäule. Die Muttergottes habe auch eine besondere Bedeutung für Österreich. Maria, die Frau, in deren Schoß Gott in Jesus "Menschennatur annahm und sogar ihren Herzschlag teilte", so der Papst am Freitag in einer Ansprache. Maria nehme in ihrer Mütterlichkeit "auch heute Menschen aus allen Sprachen und Kulturen unter ihren Schutz, um sie in vereinter Vielfalt zu Christus zu führen." "Wir schauen auf zu Maria, weil sie uns zeigt, zu welcher Hoffnung wir berufen sind, weil sie das verkörpert, was der Mensch eigentlich ist!", führte der Heilige Vater weiter aus.

Wegen technischer Probleme und eines Mikrofon-Ausfalls musste der Papst seine Rede vorzeitig beenden. Kardinal Christoph Schönborn rettete die Situation, stimmte das gesungene "Vater unser"-Gebet ohne Mikrofon an und die Feier wurde vorzeitig mit dem Papstsegen beendet.

Holocaust-Gedenken

Unmittelbar nach der liturgischen Eröffnungsfeier begab sich das Oberhaupt der katholischen Kirche zum Holocaust-Mahnmal am benachbarten Judenplatz, um dort gemeinsam mit Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg das Shoah-Gedenken abzuhalten.

Im Vorfeld des Papstbesuches hatte der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn diese Geste als "eine stille Botschaft" bezeichnet. Während manche Kirchenvertreter im Planungsstadium der Visite dem Papst mangelnde Gesprächsbereitschaft während seines Österreich-Besuchs vorgeworfen hatten, hatte sich Oberrabbiner Eisenberg hingegen zufrieden mit dem kurzen Programmpunkt vor dem Holocaust-Mahnmal gezeigt: "Die Symbolik der Verbeugung ist wichtig. Ich empfinde sie als eine tiefe Verbeugung der katholischen Kirche gegenüber den Opfern der Shoah", so Eisenberg am Freitag kurz vor der Begegnung mit dem Papst. Offenbar aus Respekt vor dem Oberhaupt der katholischen Kirche trug der Oberrabbiner eine weiße Kippa, die sonst nur an höchsten jüdischen Feiertagen getragen wird.

Die Idee zum gemeinsamen Gedenken vor dem Holocaust-Mahnmal kam laut Eisenberg ursprünglich von Schönborn, allerdings "sehr spät". Der Papst habe aber immerhin sofort zugesagt, was den Oberrabbiner freut. Für die Zukunft der Beziehungen zwischen Katholischer Kirche und Judentum wünscht sich Eisenberg: "Wir Juden fühlen uns als gleichwertige Partner, die keine besonderen Entgegenkommen brauchen. Wir wollen, dass das interreligiöse Gespräch weitergeführt wird." Antisemitische Töne aus der Katholischen Kirche, wie jene des umstrittenen polnischen Redemptoristenpaters Tadeusz Rydzyk als Leiter des Senders "Radio Maryja", seien eine "innerkirchliche Sache, die natürlich uns betrifft". Der Oberrabbiner erinnerte auch an das Zweite Vatikanische Konzil, wo man solche Ressentiments überwunden, "sogar verboten" habe. Der Judenplatz - wo heute das Holocaust-Mahnmal steht - ist der Ort der ersten Synagoge auf Wiener Boden und weist auf die dramatische Geschichte der Juden in der österreichischen Hauptstadt hin. (APA)

  • Stilles Holocaust-Gedenken am Judenplatz.
    foto: standard/matthias cremer

    Stilles Holocaust-Gedenken am Judenplatz.

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