Mayos rote Brüder

7. September 2007, 10:50
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Kaum jemand macht sich die Mühe, selbst Ketchup herzustellen. Wozu auch? Im Handel bekommt man das würzige Paradeispüree in vielen Varianten

Heinz Tomato Ketchup light 500 ml / 555 gr um € 1,79 (Merkur)
Klassisches Ketchup enthält ganz schön viel Zucker und ist deshalb eine Kalorienbombe. Daher zählt zu den jüngsten der "57 Varieties" des 1869 gegründeten US-Ketchup-Konzerns eine Light-Variante, die nur halb so viel Zucker enthält wie das Original. Schlanke 58 kcal pro 100 Gramm bedeuten eine Kalorienersparnis von 45 Prozent - und das ohne geschmackliche Einbußen. Für alle, die es noch nie gekostet haben: Das hellrote Ketchup schmeckt sehr intensiv, würzig, säuerlich, irgendwie typisch amerikanisch. Abgesehen vom Aroma punktet dieser Kandidat bei mir mit seiner "großkopferten" Flasche, die zum Kopfüber-Aufstellen einlädt; die scheinbar verkehrt aufgeklebten Etiketten tragen zum richtigen Aufstellen bei. Als Witz empfinde ich allerdings die Schriftgröße auf dem hinteren Etikett: Gerade kritische Konsumenten, die sich für Nährwerte und Inhaltsstoffe interessieren, sollten nicht zusätzlich zur Lesebrille noch zur Lupe greifen müssen. 9,5 Punkte

McDonald's Tomato Ketchup 250 ml / 290 gr um € 1,79 (Merkur)
Der Name McDonald's übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Kinder aus - und dieser Sog zieht die Kleinen, die im Supermarkt an Mutters Einkaufswagen hängen, ebenso zielstrebig zu den gleichnamigen, fröhlich-bunt gestylten Ketchup-Flaschen, deren Inhalt vom Münchner Herstellers Develey stammt. Das Design mit seitlichen Griffrillen für Pommes-fettige Finger kann als gelungen gelten, vorausgesetzt, man will das Modell nicht auf den Kopf stellen; dafür passt es dank seiner bescheidenen Größe gleichermaßen in Kinderhand und auf den Tisch. Die Konsistenz dieses Ketchups entspricht der von passierten Paradeisern, und wie bei denen trennt sich die Flüssigkeit schnell vom Rest der Masse. In der wichtigsten Kategorie, dem Geschmack, ähnelt der Zweitplatzierte dem (deutlich preisgünstigeren) Testsieger: pikant, eher scharf und ziemlich sauer. 8,5 Punkte

Lomée Tomaten Ketchup Mild 650 gr um € 0,99 (Hofer)
Optisch macht die dunkle, dicke Masse aus dem Hause Spitz eher wenig her, sie erinnert an bordeauxrote Ölfarbe auf einer Malerpalette, die ob ihrer Festigkeit an den Rändern relativ schnell austrocknet. Umso erfreulicher die geschmackliche Überraschung! Hier entfalten sich echte Paradeisaromen auf der Zunge, obwohl deren Säure mit ziemlich viel Zucker kompensiert wird (was sich in 151 kcal/100 gr niederschlägt). Zum pikanten Aroma trägt auch das enthaltene Apfelpüree bei. 7,5 Punkte

Felix Tomaten Ketchup ohne Zuckerzusatz 435 gr um € 1,49 (Merkur)
60 Prozent weniger Kalorien bei gleichem Geschmack verspricht das neue Felix Ketchup ohne Zuckerzusatz. Das mit dem Nährwert (38 kcal/100 gr) konnte ich nicht prüfen, den Geschmack aber schon, und der ist - sorry, folks - nicht identisch mit dem milden Original. Zwar rangieren beide am süßen Ende des Spektrums, aber in der schlanken Variante tritt der Rote-Rüben-Saft für mich zu deutlich hervor, und auch der Süßstoff ist nicht wegzuleugnen. Positiv fällt die cremige, extrem homogene Konsistenz auf, das schöne Rot changiert aber leider bald ins Braune. Die "Normalversion" des österreichischen Marktführers bekommt bei mir 7 Punkte, der Newcomer 5 Punkte. (Marie-Thérèse Gudenus, Der Standard, Printausgabe 7.9.2007)

*Jeder Test spiegelt die persönliche Erfahrung der Autorin wider. Punkte: 10=Top, 0=Flop
  • Bevor Ketchup gemacht wird.
    foto: photodisc

    Bevor Ketchup gemacht wird.

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