"Kritische Distanz wahren"

26. September 2007, 15:27
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16 Stunden lang begleitet Mathilde Schwabeneder ab Freitag den Papst im ORF - Die Journalistin im STANDARD- Interview

Sechzehn Stunden lang wird Mathilde Schwabeneder ab heute, Freitag, 11.05 Uhr den Papst im ORF begleiten. Doris Priesching erzählte sie, warum sie im Zweifelsfall eher nicht auf Gott vertraut.

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Standard: Welches Glaubensbekenntnis haben Sie?

Schwabeneder: Römisch-katholisch.

Standard: Sind Sie schon einmal nach Mariazell gepilgert?

Schwabeneder: Nein.

Standard: Was bedeutet Ihnen der Papst?

Schwabeneder: Ich begleite ihn beruflich. Ihn zu kommentieren bedeutet, auf kritische Distanz zu gehen, die Übertragung muss auch für Nicht-gläubige interessant sein. Ich möchte aber umgekehrt das Humanistische wahren.

Standard: Der ORF überträgt 16 Stunden vom Papstbesuch. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Schwabeneder: Seit zwei Wochen beschäftige ich mich fast ausschließlich mit dem Papstbesuch. Ich komme zwar zu einer halbwegs normalen Zeit nach Hause, aber dann lese ich, und da gibt es kein Ende.

Standard: Welche Geschichten haben wir zu erwarten, wenn sich zum Beispiel das Flugzeug verspätet?

Schwabeneder: Geschichten zum Papst, zum Gefolge, zu den Orten, die er besucht, zur Ökumene. Historisches, Aktuelles, Querverweise.

Standard: Können Sie während der Übertragung die Bilder beeinflussen?

Schwabeneder: Kann ich nicht. Die Regie kann mit mir kommunizieren, ich aber nicht mit ihr. Regieanweisungen kommen aber nicht oft. Es ist schwierig, selber zu reden, wenn einem dauernd jemand ins Ohr flüstert.

Standard: Was machen Sie während der Pausen?

Schwabeneder: Ich hoffe, ich kann mich dazwischen ausruhen. Die Wirklichkeit wird aber eher so sein, dass ich mich auf den nächsten Einstieg vorbereite.

Standard: Sind Sie aufgeregt?

Schwabeneder: Das gehört bei aller Routine dazu. Es gibt so viele Möglichkeiten, wo etwas schief gehen kann.

Standard: Wie gehen Sie mit dieser Nervosität um?

Schwabeneder: Ich war in den drei Jahren bei Radio Vatikan viel unterwegs und habe aus Afrika, Lateinamerika und Osteuropa über Entwicklungszusammenarbeit und Menschenrechte berichtet. Die Begegnungen mit Menschen, die unter schrecklichen Umständen leben, haben meinen Blick relativiert. Das spielt vielleicht in meinem Kommentar mit: Ich bin nicht bedroht an Leib und Leben.

Standard: Oder Sie vertrauen auf Gott?

Schwabeneder: Das könnte ich so jetzt nicht sagen. Da baue ich lieber auf Vorbereitung.

Standard: Sie berichten als ORF-Korrespondentin demnächst aus Rom. Lorenz Gallmetzer zog zurück. Haben Sie den Job letztlich bekommen, weil Sie eine Frau sind?

Schwabeneder: Es gibt einen Passus, dass bei gleicher Befähigung Frauen bevorzugt werden sollen. Der Generaldirektor hat das auch betont. Ich freue mich, dass ich den Job bekommen habe.

ZUR PERSON:

Mathilde Schwabeneder lebte zwölf Jahre in Rom und studierte Romanistik. Von 1992 bis 1995 war sie bei Radio Vatikan - Schwerpunkt Entwicklungs-zusammenarbeit. Seit 1995 ist sie beim ORF, seit 1999 kommentiert sie Papst-Events. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 7.9.2007)

  • Mathilde Schwabeneder
    foto: orf/friess

    Mathilde Schwabeneder

  • Sechs Regisseure kümmern sich um die Live-Übertragung im ORF, allen voran Riki Stamminger, die den Papst in Mariazell und im Stephansdom in Szene setzt. 

Der Aufwand ist beträchtlich: 16 Stunden berichtet der ORF allein im Fernsehen, mehr als 250 Medienarbeiter sind im Einsatz, 50 Kameras, vier Übertragungswagen und sogar ein Flugzeug liefern Bilder von allen Stationen des Papstbesuchs.
    foto: standard/kuss

    Sechs Regisseure kümmern sich um die Live-Übertragung im ORF, allen voran Riki Stamminger, die den Papst in Mariazell und im Stephansdom in Szene setzt.

    Der Aufwand ist beträchtlich: 16 Stunden berichtet der ORF allein im Fernsehen, mehr als 250 Medienarbeiter sind im Einsatz, 50 Kameras, vier Übertragungswagen und sogar ein Flugzeug liefern Bilder von allen Stationen des Papstbesuchs.

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