Maria, der Pater und die Weiten des Meeres

6. Februar 2008, 20:25
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Sein neues Amt trat Mariazell-Superior Karl Vinzenz Schauer quasi auf einer Baustelle an

Nein, nervös sei er angesichts des Besuchs von Papst Benedikt XVI. am Samstag in Mariazell nicht. "Vielleicht eine gewisse Angespanntheit - vor allem wegen des Wetters", setzt Pater Karl Vinzenz Schauer, Superior der Priestergemeinschaft in dem ober-steirischen Wallfahrtsort, nach. Doch genau diese Anspannung sei ein gutes Zeichen. "Ich brauche dieses bestimmte Gefühl, sonst geht die Sache nicht gut. Das war schon während meines Studiums so und ist heute noch vor jeder Predigt so", erzählt der umtriebige Benediktiner.

Nach einer Zwischenstationen als Kaplan in St. Lambrecht, als Religionslehrer in Murau, als Einkehrtags- und Exerzitienleiter und als Mitarbeiter der Hochschulseelsorge in Graz ereilte Schauer 1992 der Ruf nach Mariazell. Sein neues Amt trat der 51-Jährige quasi auf einer Baustelle an. "Ich konnte gar nicht anders, als die Renovierung der Basilika fortzusetzen. Wie ich nach Mariazell gekommen bin, war der Mittelturm bereits eingerüstet. Ich habe nur weitermachen können, ohne zu wissen, was da eigentlich auf mich zukommt", erinnert sich der Pater. Doch es hat sich ausgezahlt: Wenn der Papst jetzt nach Mariazell pilgert, strahlt die Basilika in neuem Glanz. Fast 30 Millionen Euro hat die Renovierung in den letzten Jahren verschlungen. Lukriert wurden die Gelder fast ausschließlich aus Spenden.

Dass diese so eifrig flossen, ist vor allem dem Kommunikationstalent von Pater Schauer zu verdanken. "Ja sicher, ich red halt gern mit den Menschen. Aber so ein Typ muss man hier sowieso sein. Mariazell ist keine Oase der Stille. Da kommen täglich Wallfahrer. Aber ich mag das, der Ort hat so eine unglaubliche Magie - immer schon gehabt, die ganze Geschichte hindurch. Während anderswo Kriege geführt wurden, hat man hier gemeinsam gebetet", so Schauer.

Den Spendenfluss verdankt der Pater vor allem aber auch seinem "lieben Freund Christian". Gemeint ist Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, der alljährlich heimische Führungskräfte mit einer Prominenten-Wallfahrt in Pilger- und Spenderlaune versetzt.

Stets präsent in Pater Schauers Leben ist auch dessen "Lehrmeister" Franz Kardinal König. "Er war ein echter Freund, und der von ihm oft getätigte Satz 'Da müssen wir was tun' ist mein Motto", erzählt Schauer. Und wenn der Freund italienischer Küche doch einmal Ruhe braucht, will er dort hin, wo er noch nie war: "Ich will stets Neues entdecken, beim Essen und auch bei meinen Urlauben." Mit einer kleinen Voraussetzung: "Warm muss es sein, und schwimmen muss ich können. Ich liebe das Meer. Stundenlang könnte ich diese unglaubliche Weiten genießen", verliert sich Pater Schauer in Urlaubsträumen und scheint für einen Augenblick zu vergessen, dass an diesem Wochenende die Papst-Visite ansteht. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 7. September 2007)

  • Baumeister, Promi-Freund, Pilger-Vater: Mariazell-Superior Pater Schauer.
    foto: standard/regine hendrich

    Baumeister, Promi-Freund, Pilger-Vater: Mariazell-Superior Pater Schauer.

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