Weit weg von der Realität

Redaktion, 6. September 2007, 19:10

Mit ihrem Frauenbild wird die katholische Kirche kaum noch ernst genommen

Der bekennende Marien-Verehrer, Papst Benedikt XVI., pilgert zur Gnadenmutter nach Mariazell. Das wäre eine Gelegenheit, zur Rolle der Frau in der Gesellschaft im Allgemeinen und in der katholischen Kirche im Besonderen Stellung zu nehmen. Denn das zuletzt veröffentlichte Vatikan-Dokument zu dem Thema, das "Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und der Welt", stammt aus dem Jahre 2004 und galt schon damals zu Recht als überholt.

In dem 41 Seiten umfassenden Schreiben, das die Glaubenskongregation unter ihrem damaligen Präfekten, Joseph Kardinal Ratzinger, verfasst hat, heißt es: "Mann und Frau sind von Beginn der Schöpfung an unterschiedlich und bleiben es in alle Ewigkeit." Und im gleichen Dokument wird auch noch heftig Kritik am Feminismus geübt: "So macht sich die Frau, um wirklich Frau zu sein, zum Gegner des Mannes. Auf die Missbräuche der Macht antwortet sie mit einer Strategie des Strebens nach Macht."

Auch wenn in dem Schreiben kein Zweifel daran gelassen wird, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind, wird durch die besondere Betonung der Mutterschaft ein Rollenbild geschaffen, dem jene Frauen, die sich der katholischen Kirche verbunden fühlen, gerecht werden sollen. So wird die "gelebte oder potenzielle Fähigkeit zur Mutterschaft" besonders hervorgehoben. Frauen sollten "aktiv und fest in der Familie gegenwärtig sein".

Das ist nichts anderes als der Versuch der Wiederherstellung einer patriarchalischen Ordnung, in der die Frau auf ihre Rolle als Mutter und Hausfrau reduziert wird. Es wird suggeriert, dass sich Frauen doch bitte schön aus dem Kampf um gesellschaftliche Gleichstellung zurückziehen sollten, schließlich gebe es die lohnendere Aufgabe in der Familie.

Wie weit sich die katholische Kirche von der Realität entfernt hat, wird in Sätzen wie diesem deutlich: "Die gelebte oder potenzielle Fähigkeit zur Mutterschaft ist eine Wirklichkeit, die die weibliche Persönlichkeit zutiefst prägt." Dass Frauen schwanger werden können, beunruhigt inzwischen zum Glück immer weniger Unternehmer, die weibliche Beschäftigte anstellen. Die jungen Frauen von heute denken an Ausbildung - und das ist gut so. Der Frauenanteil an den Universitäten steigt stetig, die weiblichen Führungskräfte in allen Branchen werden langsam, aber doch mehr.

Frauen haben ein Recht darauf, ihren Beruf auszuüben und auch gemeinsam mit ihrem Partner zu entscheiden, ob sie Kinder haben wollen. Durch die Schaffung von Betreuungseinrichtungen werden Frauen nicht zu "Gebärmaschinen" degradiert, wie der Augsburger Bischof Walter Mixa meint, sondern mehr Kindergartenplätze ermöglichen Frauen, Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

Solange die Kirche an solchen Sichtweisen festhält und sich auf die "biblische Anthropologie", also die Auslegungstradition der biblischen Schöpfungsgeschichte, beruft, läuft sie Gefahr, schlicht nicht mehr ernst genommen zu werden.

Auch die Position zur Geburtenkontrolle ist realitätsfremd. Ob eine Frau die Pille zur Verhängnisverhütung nimmt, geht die katholische Kirche eigentlich nichts an, aber sie mischt sich doch in diesen Bereich ein.

Wenn die katholische Kirche schon die Gleichstellung von Mann und Frau prinzipiell anerkennt, so müsste sie sie selbst erst recht umsetzen. Dazu gehört, dass Frauen nicht primär dienende Funktionen haben dürfen. Sie sind in der Regel für den Kirchenputz zuständig, aber dürfen die Messe nicht lesen.

Mit den Aussagen während seiner Reisen - in Regensburg und Brasilien - hat Benedikt XVI. für Empörung gesorgt. Er könnte diesmal für positive Aufregung sorgen, indem er nicht auf die Vergangenheit, sondern auf Gegenwart und Zukunft eingeht. Im Angesicht der Muttergottes von Mariazell könnte der Papst eine Botschaft aussenden, die nicht nur Frauen interessiert. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD - Printausgabe, 7. September 2007)

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Der Heilige VATER (sic!) sei an die tatsächliche oder potentielle Fähigkeit der MÄNNER erinnrert, Kinder zu ZEUGEN.


Warum erlaubt er's dann seinen priesterlichen Mitarbeitern nicht ?

Da erdreistet sich der Papst doch glatt auf die Fähigkeit der Frauen Kinder zu bekommen hinzuweisen ...sowas aber auch, nein wie kann er nur.

Wie viele Frauen hier im Forum fühlen sich in ihrer Emanzipation aufgrund dieser Feststellung angegriffen?

angegriffen?, ich nicht

So macht sich die Frau, um wirklich Frau zu sein, zum Gegner des Mannes. Auf die Missbräuche der Macht antwortet sie mit einer Strategie des Strebens nach Macht.
...................
wann ist eine frau eine wirkliche frau?
wenn sie auf macht verzichtet?
wenn sie kinder austrägt, versorgt, erzieht?

sind frauen, die keine kinder haben unwirklich?

was sind wirkliche männer?
haben die auch einen verhaltenskanon?
sind männer wirkliche, wenn sie keine kinder zeugen, oder müssen sie sich auch um sie kümmern?

das traditionelle rollenbild wird von vielen frauen nicht mehr angenommen, zum leidwesesn mancher männer
das egalitäre rollenbild wird von vielen männern nicht nicht angenommen, zum leidwesen vieler frauen...

Die Marginalisierung der Frau ist nur die Folge der Sexualfeindlichkeit.

Wenn man die Natur ablehnt, kommt man mit vielen Gruppen und erst Recht mit Frauen in Konflikte.

"[...] Im Angesicht der Muttergottes von Mariazell könnte der Papst eine Botschaft aussenden, die nicht nur Frauen interessiert."

Die Meinung des Papstes interessiert heute noch wen? Interessant...

Gesellschaft und Glaube

Man könnte es auch ansders sehen: Die moderne Gesellschaft hat sich längst weit vom Glauben entfernt. Für einen Christen ist aber stets der Glaube ausschlaggebend und nicht die gesellschaftlichen Mode.

gesellschaftliche Mode............

.... Die Gleichstellungsdiskussion wird für meine Begriffe vielfach krampfhaft (mitunter verbissen künslich ) hoch gehalten und auch so geführt.
Ich denke das sich DIE Frau Welche sich mit allen gesellschaftspolitischen Mittel unbeding DEM Manne gleichstellen will ( oder zeitgeistig trenty, - MUSS,) nicht notwendigerweise etwas Gutes tut. Ich denke die aktuelle Diskussion Burnout-Syndrom spricht für sich. Ich meine aber auch, das in einer von gegen seitigen Respekt gekennzeichneten Beziehung, sich die Frage der Emanzipation gar nicht erst stellt.

Und ich meine zum Letzten, dass EINE FEMININE FRAU noch allemal weiss, wie sie ihre ganz individuell persönliche Emanzipation zur Geltung zu bringen hat.



:)

wenn ich mich manchen mann gleichstellen wollte,
müßte ich mich bücken.....

Keine Sorge, Männern mit Ihrem intellektuellen Potenzial (siehe Rechtschreibung) wollen sich Frauen eh nicht gleichstellen.

das ist, was sie glauben

ich glaube aber was anderes!

mfg

davon hält sie auch keiner ab.

was europa betrifft hat sich die lehrmeinung der kirche vom glauben der mitglieder längst weit entfernt

auch politik, der man ja auch quasi religiöse strukturen nachsagt, agiert völlig abgehoben vom alltag der bürger.

es scheint ein phänomen der unserer zeit zu sein, dass die menschen zwar noch an symbolen von machtstrukturen hängen, aber deren agitation völlig ignorieren.

mfg

die kirche

ist ja auch kein institut, mit einem zweck, realität zu analysieren.
vielmehr wird glaube produziert.
den kann man übernehmen, oder auch nicht. aber ein glaube ist nicht ein versuch, die realität zu verstehen. ganz im gegenteil. diese kritik geht ein wenig ins leere.

"Er könnte diesmal für positive Aufregung sorgen"

Tut er aber nicht.
Keine schwierige Prognose (abgesehen davon, dass er gestern den Politikern die falsche Lektion erteilt hat).

Das Problem ist halt dass Politiker diese Irrenorganisation ernst nehmen -- würde man den Papst nicht überall mit enormem Aufwand empfangen dann wäre ihm schon lange klar geworden dass seine längst überholten Denkweisen keine Wirkung mehr haben. Bei Achmadinedschad regt man sich (zu Recht!) über seine Judenhetzrhetorik auf, aber jemanden der tatsächlich Teil der Judenvernichtungsmaschinerie war lädt man mit allem Pomp ein. Absurd.

die frage ist doch

welchen nutzen hat die kirche und ihr opium für die politik

sehe das nicht als gefahr ...

wenn die kirche nicht mehr ernst genommen wird ...

Männer und Frauen

Männer und Frauen sind weder gleich noch ungleich, sie haben eine unterschiedliche Herangehensweise an das Leben. Sie sind geistige Wesen und haben eine Körper ungefähr alle 70 Jahre lang. Als geistige Wesen sind sie unsterblich. Sie waren vermutlich in Ihren früheren Leben schon oft eine Frau und ein Mann. Das ist die Religion von Scientology und es ist einfach die Wahrheit. Da sieht man wieder mal, wie rückständig die alte Welt (= Rom = Europa) ist und was wir von den Kaliforniern (= neue Welt) noch lernen können. Da grüßt ja das Mittelalter ;-)

verstrahlt

bin auch kein begeisterter befürworter der verkorksten rk kirchenpolitik und deren generellen ansichten, aber bevor ich mir die "neue welt" und "scientology" als vorbild nehme, glaube ich gründe ich lieber meine eigene kleine sekte...

Bitte sagen Sie mir, dass Sie Witze machen...

Interessant

Ich bin kein Katholik, doch wenn ich Mitglied in diesem Verein wäre, würde mich deren Standpunkt sehr wohl was angehen. Mir scheint, als glaubten viele Katholiken von ihrer Kirche frei zu sein oder frei zu werden, doch wie die Reaktionen auf ein schmales Büchlein über 41 Seiten zeigen, sind sie das gerade nicht. Das ist keine Bewertung der Ansichten einer Kongregation. Doch ich konnte in der Vergangenheit nicht feststellen, dass die rk Kirche auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert hätte, geschweige denn auf die neue Rolle der Frauen. Bedenke: erst 1974 hat die rk Kirche zugegeben, dass die Erde doch keine Scheibe sondern eine Kugel ist und die Verbrennung von Gallileo hat sie bis heute nicht entschuldigt, soviel ich weiss.

jaja die verbrennung von galileo, was bist eigentlich du für ein spinner? da sind mir ja die katholen noch lieber!

Ich würde allen folgenden Buchtipp geben "Der Gotteswahn" bzw. auf englisch "Gods Delusion" von Richard Dawkins and Herz legen. War vor dem Lesen des Buches überzeugter Atheist und danach umso mehr. Es braucht heute keinen "gott" mehr, alles kann oder wird eines tages durch die wissenschaft erklärt werden können. Es ist absoluter Irrsinn zu glauben die Welt wäre in 6 Tagen erschaffen worden, auch wenn selbst die meisten Katholiken dies nicht mehr glauben. Gott/Jesus soll von eine Jungfrau geboren, gestorben, auferstanden, körperlich in den Himmel aufgefahren sein???? Gott beobachtet jeden von uns zu jeder Zeit, liest unsere Gedanken nur um festzustellen ob wir "richtig" handeln? Was ist richtig? NO GOD - BETTER WORLD

"...alles kann oder wird eines tages durch die wissenschaft erklärt werden können..."

Da bin ich ja schon mal gespannt ob sich dieser Glaubenssatz bewahrheiten wird. Erleben werd ich die Verifizierung ja wohl leider nicht mehr.

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