Tanzquartiersaison mit großen Namen

6. September 2007, 15:11
posten

Vision "Hauptstadt zeitgenössischen Tanzes": Programm in Vortragsreihen und Forschungslabors eingebettet

Wien - "Einerseits wollen wir so viele interessante Künstler wie möglich zeigen, andererseits versuchen wir, programmatische Verdichtungen und Schwerpunkte zu setzen", beschrieb Sigrid Gareis, Intendantin des Tanzquartier Wien (TQW), am Donnerstag bei einer Pressekonferenz die Bestrebungen hinter dem abwechslungsreichen Programm. Schließlich gelte es der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Wien momentan die "Hauptstadt zeitgenössischen Tanzes" zu sein scheine. Große internationale Namen dürften in dieser Saison also ebenso wenig fehlen, wie eine starke Einbindung des österreichischen Nachwuchses.

So wird sich die Forsythe Company erstmals in Wien einfinden, Meg Stuart zeigt eine Kooperation mit dem österreichischen Choreographen Philipp Gehmacher, Xavier Le Roy inspiriert mit seinem "Le Sacre du Printemps" auch theoretische Auseinandersetzungen zu modernem Tanz. Und mit der "Grande Dame" der amerikanischen Postmoderne, Trisha Brown, und einigen ihrer frühen Werke, oder mit Sasha Waltz' Erstlingswerk "Travelogue 1" soll eine Reflexion historischer Positionen angeregt werden.

Forschung einbinden

Neben neun Uraufführungen, 16 Koproduktionen und 19 österreichischen Erstaufführungen, werden also auch Forschung und Theorie immer stärker eingebunden. Gleich zum Auftakt der Saison steht daher ein Vortrag von Gabriele Klein über das Verhältnis von Performance und Popkultur (13.9.), mehrere langfristige "Laborprojekte" machen in Wien Station.

Begleitet wird der theoretische Auftakt von einem spartenübergreifenden Projekt mit den DJs Fritz Ostermayer und Felix Kubin, die sich am choreographieren versuchen. "Ich kann mir nicht drei Akkorde merken und trotzdem choreographiere ich wild darauf los", sagte Ostermayer, der sich als Thema die "Frechheit, dass eine Maus sich nur in 300 von 3000 Genen vom Menschen unterscheidet" gewählt hat (13.-15.9.). Schon seit Juni proben etwa 100 andere "choreographische Laien" für ihren Auftritt zum Saisonauftakt. Unter dem Motto "turn terror into sport" wird der Maria-Theresien-Platz am 15. September zum Schauplatz eines Massensteptanzes, der eine Auseinandersetzung mit Shakespeares "Coriolan" darstellt.

"Ins Koma"

Eine weitere öffentliche - wegen Schirmgebrauchs aber nicht wetterabhängige - Performance bietet Julius Deutschbauer alias "der einsame Schlucker", mit seinem "Singlevergnügungspark", den er mit Hilfe eine Besens und einer Schokoladenreibe im Hof des Museumsquartiers errichten und selbst während der "Langen Nacht der Museen" benutzen wird, um sich mit "Absolut Wasser" langsam aber sicher "ins Koma zu saufen" (6.10.). Österreichische Beiträge finden sich aber auch mehr oder weniger "klassisch" auf der Bühne, etwa mit Artist-in-Residence Christine Gaigg, die ihre in Zürich uraufgeführte Tanzbearbeitung von Jelineks "Über Tiere" nach Wien bringt (25.10.), oder mit Barbara Kraus, die sich fragt, was passiert "if silence could speak and someone would listen" (27.9.). Auch Chris Haring zeigt noch einmal die beiden Teile seines gefeierten "Posing Projects" (14. und 17.11.).

Der Umstand, dass österreichischer Tanznachwuchs auch internationale Anerkennung feiert, manifestiert sich in mehreren Austausch-Projekten mit europäischen Tanzhäusern ("x-change"). Die Veranstaltungsreihe "FranceDanse Europe/Autriche", bei der das TQW Partner der französischen EU-Präsidentschaft ist, bringt neben Performances wiederum Vorträge und Workshops, ebenso wie die "EM-Connection" zur Schweizer Kunsthochschule, die während der Fußball-Europameisterschaft eine "Gegen- oder Parallelveranstaltung" in Form einer Ringvorlesung zum Thema Spiel ermöglicht und die Frage stellt: Ist der Künstler als Regelbrecher ein Spielverderber? (APA)

  • Artikelbild
    foto: standard / hendrich
Share if you care.