"Sowas können Sie mit ihrem privaten Geld machen, ...

6. September 2007, 18:00
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...aber mit öffentlichem sicher nicht!" - Volles Rohr und volle Kassen... - 2. Folge des Produktions-Tagebuchs von Martin Puntigam und Leopold Lummerstorfer

Der Leser Heinrich S. aus der Obersteiermark fragt:

"Wenn ich mir das Bild auf Ihrer Webseite so anschaue, verlassene Häuser, ungeschnittene Gärten - so schaut's bei mir um's Eck auch aus. Kommt das jetzt bei uns generell? Ich möchte nämlich schon lieber da bleiben als in Libyen."

Lieber Heinrich S., das kann man übers Telefon nicht sagen, da müssen Sie schon selber vorbei kommen.

Im Ernst.

Ob eine Gemeinde Blumendorf Europas wird oder Schandfleck des Bezirks hängt nicht in erster Linie von der Besiedlungsdichte ab, sondern von den ökonomischen Bedingungen in der Gegend und auch von den Menschen, die sie bewohnen und bewirtschaften. Was sich sagen lässt ist, dass sogenannte mittelgroße Einheiten gefährdeter sind als Schwundregion zu enden als sehr große oder sehr kleine. Ein sicheres Alarmzeichen stellt in jedem Fall das massive Abwandern von Frauen dar. Wenn es einmal soweit ist, brennt der Hut bzw. stinkt das Rohr.

Das geht so: Weniger Menschen drücken seltener die Klospülung, brauchen weniger Wasser zum Waschen und gießen nicht so oft den Garten. So gerät der Fluss in der Kanalisation mancher Städte immer wieder ins Stocken. Das Wasser steht in den zu großen Rohren, und zwar Abwasser und Trinkwasser, und das kann man gut riechen bzw. sollte man nicht so ohne weiteres trinken. Ein Hochfest für Bakterien und Kanalarbeiter. In so einer Situation hat eine Gemeinde grundsätzlich weniger Geld in der Kasse. Was beim Bau von Kinderspielplätzen eingespart wird, reicht längst nicht für den Rückbau der (Ab)Wasserleitungen. Mancher Bürgermeister empfiehlt daher: nach dem Stuhlgang zweimal spülen - einmal normal, und einmal extra für die Leitung.

Lieber Heinrich S., wir hoffen, Ihnen damit bei der Anamnese Ihrer Nachbarschaft ein wenig weitergeholfen zu haben.

PS: Auch in Libyen sind Rohre übrigens seit mehr als 20 Jahren ein heißes Thema, nur können dort die Rohre gar nicht groß genug sein. Doch sehen Sie selbst.

Foto: wikipedia

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In unserem Filmvorhaben spielen Rohre allerdings keine so große Rolle, wie man jetzt vielleicht glauben könnte.
Bräuchten wir welche als Hintergrundmotiv, wüssten wir allerdings, wo sie zu finden sind. Schwieriger zu finden sind naturgemäß Darstellerinnen und Darsteller, brauchen wir doch für die Besetzung im wesentlichen sehr junge und sehr alte Menschen mit guten Nahkampfkenntnissen. Die gibt es, man muss sich aber die Zeit nehmen können, sie zu suchen, und manche, vor allem Ältere, muss man lange überreden. Das gelingt viel besser, und damit kommen wir zum Profitipp Nr. 1, wenn man den Damen und Herren angenehme Unterbringung und Verpflegung während der Dreharbeiten zusagen kann und ein nennenswertes Gehalt. Nur: woher nehmen und nicht stehlen?

Ganz einfach: dafür gibt es die Filmförderung. In unserem Fall bedeutet das neun Finanzierungspartner in Österreich und Deutschland in den nächsten drei Monaten praktisch gleichzeitig, aber getrennt voneinander mit ausreichend gut unterfütterten Einreichungsdokumenten zu versorgen. Das bringt ein gutes Geschäft für die Copy-Shops in Gehweite, weil rund 250 Seiten Formulare, Drehbücher, Kalkulationen etc. pro Fördergremium pro Termin, alle Unterlagen dabei meist etwa 5-7fach - in Summe also über 10.000 Seiten angeliefert werden müssen. Das sind zumindest die formalen Voraussetzungen. Aber: ganz so einfach ist das natürlich nicht, weil nicht nur formale Kriterien eine Rolle bei der Vergabe der Fördergelder spielen, was uns zum Titel der heutigen Kolumne zurückführt: "Sowas können Sie mit ihrem privaten Geld machen, aber mit öffentlichem sicher nicht!".

Was es damit im Einzelnen auf sich hat, davon nächste Woche mehr, als Hausaufgabe bis dahin ein Webvoting:

Welche Antwort gäben Sie einem zuständigen Gremium auf die Auskunft:

"Sowas können Sie mit ihrem privaten Geld machen, aber mit öffentlichem sicher nicht!".

  • A: %&**!% Dich selber!
  • B: Ich %&**!%* Deine Mutter!
  • C: Das entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben, nach denen Sie die Förderentscheidungen zu treffen haben.
  • D: Gut, dann komme ich ein anderes Mal wieder.
  • E:
    Al anza ti allim ummaha r-rida a.
    >>>zum webvoting

    Wer fertig ist, bitte leise aus der Klasse gehen, die anderen haben noch Unterricht! (Martin Puntigam/Leopold Lummerstorfer, 6.9.2007)

  • Lesen sie kommenden Donnerstagabend (13.9.):

    "Herr Lummerstorfer, nicht bös sein, aber ich glaube Ihnen kein Wort."
    • Schwundregionen, Deutschland, August 2007, Motivrecherche
      blackbox films/robert angst

      Schwundregionen, Deutschland, August 2007, Motivrecherche

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      foto: blackbox films/robert angst
    • Lesen sie kommenden Donnerstagabend (13.9.): 

"Herr Lummerstorfer, nicht bös sein, aber ich glaube Ihnen kein 
Wort."
      foto: blackbox films/leopold lummerstorfer

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      (13.9.):


      "Herr Lummerstorfer, nicht bös sein, aber ich glaube Ihnen kein Wort."

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